Der Kontrollausschuss-Vorsitzende des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Horst Hilpert, sammelt Informationen über mögliche Regelverstöße im Zusammenhang mit dem angeblich schon seit Tagen perfekten Wechsel von
Sebastian Deisler zum FC Bayern München. In der kommenden Woche soll dann entschieden werden, ob der DFB ein Ermittlungsverfahren einleitet.
Ärger wegen Sebastian Deisler? Wegen Verstößen gegen das Statut, mit einem Spieler verhandelt zu haben, dessen Vertrag noch länger als ein halbes Jahr läuft?
Bumerang für die Bayern?
Bayern-Manager Uli Hoeneß sah noch am Sonntag dieser Sache ganz gelassen entgegen. "Wir haben nichts Illegitimes getan", erklärte Hoeneß, der selbst die Fifa nicht fürchtete. "Das interessiert mich nicht", erklärte der Bayern-Manager, der gleichzeitig zugab, dass "wir ihm möglicherweise eine Art Darlehen gegeben haben." Er sei ganz sicher, dass Deisler im Sommer nach München komme. "Wir sind da frühzeitig tätig geworden." Nun wird dieses Geständnis zum Bumerang für die Bayern. Denn geht es nach dem DFB-Statut, darf der Verein erst am 1.1.2002 mit dem Spieler in Kontakt treten.
Hilpert, bekannt als "Chefankläger" im deutschen Fußball, nimmt sich nun der Angelegenheit an. Dies ist das Ergebnis einer Sitzung des Gremiums am Mittwoch in Frankfurt/Main, teilte DFB-Pressesprecher Harald Stenger mit. Hintergrund der Ermittlungen ist eine von Bayern-Manager Uli Hoeneß indirekt bestätigte Zahlung des Rekordmeisters an Deisler. Der derzeit verletzte Jungstar von Hertha BSC soll bereits eine Überweisung von 20 Millionen Mark auf einem Konto verbucht haben.
Verstöße nicht stillschweigend akzeptieren
Nach einem Artikel der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ (Mittwoch-Ausgabe) wollte DFB-Justiziar Goetz Eilers bei dieser Sitzung einen von Rechtsanwalt Christoph Schickhardt (Ludwigsburg) erhobenen Vorwurf überprüfen, wonach die „DFB-Juristen stillschweigend akzeptierten, dass Vereine mit Profis verhandelten, obwohl deren Vertrag noch länger als ein halbes Jahr laufen würde“. Schickhardt ist seit Jahren anerkannter Anwalt vieler Bundesliga-Clubs und Profis, die sich vor den DFB-Sportgerichten von ihm vertreten lassen.
„Der Bayern-Manager Uli Hoeneß hat ja nun zugegeben, dass 20 Millionen an Deisler flossen, da muss sich der Kontrollausschuss überlegen, ob der Tatbestand der Statutenverletzung erfüllt ist“, sagte Eilers. Es gebe laut Eilers „hundert verschiedene Varianten, das DFB-Statut zu übergehen und alles zu verschleiern“.
DFB oder DFL zuständig
Der DFB-Justiziar räumt aber auch ein, dass eine Bestrafung schwierig wird: "Was ist denn, wenn ein Wechsel eines Spielers zwar regelwidrig zu früh festgelegt wird, aber in dem neuen Vertrag kein Datum steht? Dann kann man nichts machen." Eilers weiß, dass dem Verband viele Fälle bekannt sind, selten aber eingegriffen wird.
Pikant wird die Angelegenheit noch dadurch, dass für Eilers weniger der Deutsche Fußball-Bund sondern die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zuständig sei, in der die Bundesligavereine organisiert sind. Legt sich die DFL aber ausgerechnet im ersten Jahr ihres Bestehens gleich mit dem FC Bayern an? Der DFB hat am Mittwoch vorsichtshalber keine weitere Stellungnahme verbreiten lassen.