17.01.2007 · Die Abmachung mit Adidas einhalten oder das 500-Millionen-Angebot von Nike annehmen - der DFB steht vor einer schweren Entscheidung. Käme der Deal zustande, wäre dies der höchstbezahlte Ausrüstervertrag in der Geschichte des Fußballs.
Von Roland ZornTheo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), spricht von "einer schweren Entscheidung", die sein Verband zu treffen habe. Dabei ist die Verheißung, welcher der DFB folgen könnte, derart vergoldet, dass die blanken Zahlen Zwanziger und seinen Mitstreitern im DFB-Präsidium glatt den Kopf verdrehen könnten.
Auf dem Tisch des Hauses in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise liegt immer noch das Mega-Angebot des amerikanischen Sportartikelkonzerns Nike, vom 1. Januar 2011 an für acht Jahre der neue Ausrüster aller deutscher Auswahlmannschaften zu werden und damit den jahrzehntelang bewährten DFB-Partner Adidas abzulösen. Das Geldpaket aus Beaverton im amerikanischen Bundesstaat Oregon ist mit 500 Millionen Euro, also einem Jahresbetrag von 60 Millionen Euro, rein pekuniär gesehen Gold wert, zumal bei Vertragsunterschrift noch einmal 50 Millionen Euro hinzukämen und die Sportlerutensilien, die auch über acht Jahre auf einen Gesamtwert von 50 Millionen Euro geschätzt werden, nicht eingerechnet sind. Daneben bietet Nike weitere soziale Leistungen und Vermarktungsdienste für den deutschen Fußball an, die über den Vertragszeitraum den Umfang von weiteren 50 Millionen Euro haben sollen.
Adidas beharrt auf Vertragsverlängerung
Nichts wie zugreifen, denkt sich da so mancher im Verband und vor allem in der Bundesliga, die laut Grundlagenvertrag mit dem DFB zu 18 Prozent an den Einnahmen des Verbandes partizipiert. Doch so einfach ist die Sache nicht gelöst, und deshalb setzen sich Ende Januar zunächst der DFB und Adidas zusammen. Der Herzogenauracher Nike-Konkurrent beharrt mit gewichtigen Argumenten darauf, dass beide Seiten ihren Kontrakt über 2011 hinaus schon um drei weitere Jahre verlängert hätten - als Kompensation dafür, dass Adidas den Nationalspielern im Sommer 2006 erstmals die freie Wahl des Schuhwerks zugestand. Der DFB und Adidas hatten gleichzeitig angekündigt, ihren Vertrag bis 2014 zu verlängern. Ausformuliert aber und mit höheren Summen ausstaffiert wurde die fortgesetzte Partnerschaft seitdem nicht.
Wie verbindlich die weitere Liaison mit Adidas schon ist oder nicht, dazu hat der DFB ein Gutachten in Auftrag gegeben. "Kein Gefälligkeitsgutachten", wie Zwanziger hervorhebt. Der Präsident selbst neigt dazu, aus der beiderseitigen Absichtserklärung noch kein neues Vertragsverhältnis abzuleiten.
Es wäre der höchstbezahlte Ausrüstervertrag des Fußballs
Liefe die Verbindung zwischen Fußballbund und Adidas auf eine Trennung 2011 hinaus, wäre ein womöglich langer Rechtsstreit mit dem bisherigen Ausrüster nicht auszuschließen. Adidas zahlt bisher zehn bis elf Millionen Euro im Jahr an den DFB und damit in summa nur etwa ein Sechstel von dem, was der amerikanische Marktführer anbietet. Käme der Deal mit dem DFB zustande, wäre dies der höchstbezahlte Ausrüstervertrag in der Geschichte des Fußballs. Zum Vergleich: Nike überweist seinem Premiumkunden FC Barcelona, der im Jahr siebzig bis achtzig Spiele austrägt, rund 32 Millionen Euro. Die deutsche Nationalmannschaft, die ihren Marktwert mit Platz drei bei der WM 2006 erheblich gesteigert hat, bestreitet in diesem Jahr zwölf Begegnungen.
Nike selbst hat sein Angebot auf den 1. Januar 2011 datiert - nicht darüber hinaus. Der Konzern gab mit seiner Offerte die Antwort darauf, dass er von Adidas durch den Zukauf des Konkurrenten Reebok auf dem heimischen Markt herausgefordert wird. Nike wartet fürs Erste ab, wie sich der DFB entscheidet. Zwanziger möchte sich auf dem Weg dorthin breit absichern und auch die Deutsche Fußball Liga einbeziehen. "Ich will, dass jeder Entscheidungsträger genauso hin- und hergerissen ist wie ich." Richtig wohl ist bei diesem Wirtschaftskrimi niemand. Zwanziger, der kein Traditionalist ist, sagt: "Manchmal ist es auch ganz gut, wenn von draußen ein frischer Geist reinkommt."