Beim verfrühten Feiern eines Klassenerhalts kennen sie sich aus beim 1. FC Nürnberg. Und auch diesmal schien im Frankenstadion alles ein bisschen voreilig, als der Stadionsprecher zehn Minuten vor dem Abpfiff die Fans ermahnte, bitte nicht den Rasen zu stürmen.
Es war die Phase, als Bayer Leverkusen auf jenem Grün gerade erfolgsversprechende Unternehmungen anstellte, die Führung durch Marek Nikls Kopfballtor zu eliminieren. Und mit einem Tor wäre die Freude der Nürnberger wieder verfrüht gewesen.
„Nie mehr zweite Liga“
Doch diesmal kam es anders: Der „Club“ zitterte das hauchdünne wie glückliche 1:0 gegen den Titelfavoriten Bayer Leverkusen über die Zeit, 44.416 Zuschauer kletterten wie befohlen nicht über die Absperrung sondern sangen voller Inbrunst das „Nie mehr zweite Liga“ durchs weite Rund.
Die Spieler machten sich auf eine Ehrenrunde, auch Klaus Augenthaler klatschte eifrig an den Zäunen die Fans ab, für die der Liga-Verbleib des 1. FC Nürnberg mehr bedeutet als in anderen Regionen.
Ängste und Affären
Auch wenn sogleich mit dem Abpfiff ein Riesenglas Weizenbier seinen Weg in die Kabine fand, so überwog doch die nüchterne Analyse der Nürnberger. „Es war eine Saison mit vielen Riesengeräuschen“, bemerkte Klaus Augenthaler in Anspielung auf sportliche Durststrecken, Existenzängsten und die Affäre um Edgar Geenen.
Auch Präsident Michel A. Roth war nicht nach Feiern zumute. „Ich nicht vermessen, wir hätten mindestens fünf Punkte mehr haben müssen. Es war nicht einfach.“
31 Punkte reichen im Normalfall nicht
Nur der Schwäche der Konkurrenz hat schließlich der 1. FC Nürnberg auch den vorzeitigen Liga-Verbleib zu verdanken: 31 Zähler, so wenig wie nie zuvor seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995, reichten aus. Zum Vergleich: Arminia Bielefeld war 1998 mit 32 Zählern Liga-Schlusslicht, 1999 ist der 1. FC Nürnberg noch mit 37 Punkten abgestiegen. „Das habe ich nicht vergessen“, sagte Torschütze Marek Nikl.
Der Teppichhändler möchte auf die junge Mannschaft aufbauen. Eine Aufgabe, die nicht einfach wird: Der 1. FC Nürnberg sucht händeringend noch einen Hauptsponsor, die feststehende Liga-Zugehörigkeit kann die Suche nun ein bisschen beschleunigen.
Unsicherheit um Rink
„Interessierte Firmen haben sich direkt nach dem Spiel gemeldet“, frohlockte Edgar Geenen. Die fränkische Region ist fußballbegeistert, was aber nicht zwingend neue Geldgeber bedeutet. Auch vor dem Hintergrund der Kirch-Krise herrscht noch gewisse Unsicherheit über den Etat für nächste Spielzeit.
Und auch über den ein oder anderen Spielerkontrakt. Etwa den vom ausgeliehen Millionen-Mann Paulo Rink, dessen Verbleib ungewiss ist. „Es tut mir leid für Leverkusen. Aber ich bin überglücklich, ich habe meine Aufgabe geschafft“, sagte Rink. Ob er beim „Club“ bleibt, sagte er nicht. Ohnehin scheinen Stürmer wie der flinke und fintenreiche Barreto Cacau viel eher für die Nürnberger Zukunft zu stehen.
Arbeitsreiche Zeiten
Geenen ist gefordert, „er muss hart arbeiten“, mahnt Roth. Nicht nur er. Auch Trainer Augenthaler kündigte in der Stunde des Jubels arbeitsreiche Zeiten für die Angestellten an. Seine Erkenntnis der Saison? „Die Spieler brauchen Druck.“
Was braucht der Trainer? Stets ein griffbereites Glas Weizenbier. Noch während der Pressekonferenz konnte sich der Ur-Bayer einen tiefen Schluck nicht verkneifen.