03.04.2003 · Mit ihm wollte sich der VfL ein Stück große weite Fußball-Welt nach Wolfsburg holen - jetzt ist Stefan Effenberg schon wieder weg. „Definitiv ist meine Bundesliga-Karriere beendet“, sagte der 34-Jährige.
Stefan Effenberg hat gekniffen und den VfL Wolfsburg in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verlassen. So plötzlich, wie der umstrittene Fußball-Star zum VfL gekommen war, ist er nun wieder verschwunden und bot zum Abschied ein letztes Mal den geliebten großen Auftritt.
Beleidigt, weil der neue Trainer Jürgen Röber ihm keine Privilegien gewährte, sein Gewicht und seine Fitness monierte, hat Effenberg die Mannschaft nach nur 19 Einsätzen im Stich gelassen. Dem Wunsch nach vorzeitiger Vertragsauflösung kam der Fußball-Bundesligist nach einer Telefonkonferenz am späten Mittwochabend nach.
„Ich dachte, ich bin im falschen Film“
Der 34-Jährige, der sich sonst gerne als starker Mann präsentiert, gab klein bei und zog beleidigt einen Schlussstrich unter das sportlich nur mäßig erfolgreiche Gastspiel in der Provinz. „Es gab unüberbrückbare Differenzen mit Trainer Röber“, wird Effenberg in der „Bild“ zitiert. Dabei ging es offensichtlich vor allem um sein zu hohes Körpergewicht: „Der Höhepunkt war, dass ich mich vor zehn Tagen auf die Waage stellen musste.“ Das Ergebnis lautete 90 Kilo. „Mit dem Gewicht habe ich mit Bayern die Champions League gewonnen. Aber Co- Trainer Storck sagte nur: Bis zur nächsten Woche hast du zwei Kilo abgenommen. Ich dachte, ich bin im falschen Film.“
Zumindest war er spätestens seit Röbers Dienstantritt vor einem Monat beim falschen Verein. Während Wolfgang Wolf seinem Star mehr Freiheiten als anderen Spielern gewährt hatte, forderte der Nachfolger auch öffentlich, dass sich der exzentrische Profi „unterordnen“ solle. Fitness sei auch bei Effenberg unabdingbare Voraussetzung für einen Platz in der Stammelf.
„Definitiv ist meine Bundesliga-Karriere beendet“
Kapitän Effenberg empfand das offensichtlich als Majestätsbeleidigung. „Jürgen Röber sollte noch lernen, wie man sich gewissen Spielern gegenüber zu verhalten hat“, sagte er. Auf ein weiteres Engagement in Deutschland will sich Effenberg nicht mehr einlassen. „Definitiv ist meine Bundesliga-Karriere beendet. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Es gibt einige Anfragen und Angebote, wenn aber nichts Vernünftiges dabei ist, kann ich mir auch vorstellen, absolut Schluss zu machen“, sagte der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler auf einer Pressekonferenz in Hamburg.
Sein ehemaliger Trainer Ottmar Hitzfeld sagte: „Ich hoffe, dass er noch zwei, drei Jahre bei einem Verein im Ausland Fußball spielt.“ Aber: „Wenn man nicht mehr topfit ist, hat es keinen Sinn, sich weiterhin zu quälen oder vielleicht auf der Bank zu landen.“
Noch am Mittwochnachmittag hatte Effenberg mit der Mannschaft trainiert, Trainer und Spieler waren bis zum Abend ahnungslos. „Das ist ein Ding, das gibt's nicht“, sagte Roy Präger. „Wir haben doch noch zusammen trainiert, da war nichts zu merken.“ Ähnlich erging es Röber: „Ich bin völlig überrascht. Vielleicht hat Stefan ja gemerkt, dass er nicht mehr richtig ran kommt, es nicht mehr packen wird“, vermutet Röber. „Es gab keine Differenzen“, betonte der Trainer. Es habe nur die Vorgabe gemacht, dass Effenberg wieder fit werden müsse.