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Fußball-Bundesliga "Den hätte ich über die Aschenbahn geschleift"

 ·  Die Empörung über den Bruch der ungeschriebenen Regel war groß. Oliver Kahn war kurz davor, René Rydlewicz an die Gurgel zu springen. Am „Tag des Fairplay“ hatte der sich eine grobe Unsportlichkeit geleistet.

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Ottmar Hitzfeld ist eigentlich keiner dieser Trainer, die den Schiedsrichtern ständig am Trikotärmel zupfen und ihnen Unmutsäußerungen ins Gesicht brüllen. Hitzfeld sitzt meistens in seinem blauen Lodenmantel auf der Bank und kommt mit einer sparsamen Gestik aus. Wegwerfende Handbewegungen und Kopfschütteln, das ist schon das ganze Repertoire. Am Samstag jedoch fächerte sich Hitzfelds Mantel auf wie das Gefieder einer Fledermaus.

Mit schnellem Schritt eilte der Coach des FC Bayern nach dem Schlußpfiff Schiedsrichter Herbert Fandel hinterher. Hitzfeld befand sich in heller Aufregung, denn seine Mannschaft war beinahe um den 2:1-Sieg gegen den FC Hansa Rostock betrogen worden. Und zwar durch durch eine Lücke im Regelwerk des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wie Hitzfeld feststellte: "Da ist ein Loch, und das muß man schnell stopfen. Sonst macht Fußball keinen Spaß mehr."

Keine Möglichkeit für den Schiedsrichter

Was war geschehen? Es lief die 89. Spielminute: Bayerns Bixente Lizarazu hatte den Ball ins Seitenaus gekickt, um die medizinische Behandlung des Hansa-Stürmers Gernot Plassnegger zu ermöglichen. Statt jedoch wie allgemein üblich den Ball zum Gegner zurückzuspielen, nutzte Hansa den Einwurf zur Einleitung eines Angriffs. René Rydlewicz paßte den Ball auf Jochen Kientz, der zog ab und verfehlte nur knapp das Ziel. Die Empörung über den Bruch der ungeschriebenen Fairneß-Regel war groß. Schlußmann Oliver Kahn stürmte aus seinem Tor und war kurz davor, dem sündigen René Rydlewicz an die Gurgel zu springen. Trainer Ottmar Hitzfeld, der den Sturmlauf Kahns beobachtet hatte, war nach Spielende "nur froh, daß nichts passiert ist."

Die Diskussionen gingen nach Spielende weiter. Ausgerechnet am "Tag des Fairplay", der vom internationalen Fußballverband FIFA ausgerufen worden war, war eine grobe Unsportlichkeit zu beklagen. Schiedsrichter Herbert Fandel hatte jedoch keine Möglichkeit besessen, die Rostocker zum Rückspiel des Balles zu zwingen. Er ließ in dieser Szene das Spiel regelkonform weiterlaufen, wie Schiedsrichterbeobachter Peter Gabor im Ostseestadion feststellte: "Zur Zeit haben wird noch keine rechtliche Handhabe, solche offensichtlich unfairen Aktionen abzupfeifen. Aber man sollte versuchen, schnell eine Regel zu schaffen. Wir können alle nicht wollen, daß sich solche Szenen wiederholen. Das ist nicht im Sinne des Sports."

"Den hätte ich über die Aschenbahn geschleift"

Gabor befürchtet jedoch Probleme bei der Verankerung eines solchen Paragraphen im Regelwerk. "Das wird ein harter Ritt werden", sagte der langjährige Bundesligaschiedsrichter. "Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert."

Daß dringender Handlungsbedarf besteht, zeigte auch das Echo, das Rydlewiczs Verletzung des Ehrenkodex hervorrief. Bayern-Manager Uli Hoeneß zeigte Verständnis für Oliver Kahns Wutausbruch gegenüber Rydlewicz. "Den hätte ich über die Aschenbahn geschleift", sagte Hoeneß. Milder, aber dennoch kritisch ging Rostocks Trainer Armin Veh mit René Rydlewicz ins Gericht: "Ich hätte den Ball auf jeden Fall zurückgespielt. Aber ich kann nicht für den Spieler entscheiden. Das muß jeder selbst wissen."

Bayern-Regisseur Michael Ballack versuchte die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen. "Rostock hat eben alles versucht, um noch zum Erfolg zu kommen", sagte Ballack. "Aber es ist nur gut, daß kein Tor gefallen ist. Sonst hätten wir wie Deppen ausgesehen."

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