13.12.2002 · Zwei Tage nach der Niederlage von Borussia Dortmund in der Champions League ist die Aktie der kickenden Kapitalgesellschaft erstmals unter drei Euro gefallen.
Der größte Verlierer nach der 0:1-Niederlage von Borussia Dortmund in der Champions League gegen den AC Mailand war das Wertpapier der kickenden Kapitalgesellschaft. Nachdem die Aktie im Handel am Donnerstag den vorläufigen Tiefststand von 3,10 Euro erreicht hatte, fiel der Kurs am Freitag erstmals seit der Ausgabe im Oktober 2000 unter die Drei-Euro-Marke.
Am Mittag hatte die Aktie in Frankfurt/Main noch einen Wert von 2,96 Euro, gut 4,5 Prozent unter dem Wert des Vortages. Das Wertpapier war beim Börsengang im Oktober 2000 zu einem Kurs von 11 Euro ausgegeben worden.
Manager Meier gibt sich gelassen
Doch auch von der anhaltenden Talfahrt seiner Aktie lässt sich Manager Michael Meier nicht aus der Ruhe bringen.„Leider ist es so, dass sich gerade Niederlagen in der Champions League, die möglicherweise sogar Auswirkungen auf die Viertelfinal-Teilnahme haben, den Kurs negativ beeinflussen. Das war auch in der Vergangenheit so“, sagte Meier und fügte hinzu: „Wenn wir zum 31. Dezember eine Zwischenbilanz vorlegen können, die für die Anleger positiv ist, wird sich das auch auf den Kurs positiv auswirken. Auch das war in der Vergangenheit so.“
Im Sog der schlechten Konjunktur
Dennoch scheint die Entwicklung der schwarz-gelben Aktie alarmierend. Seit dem Börsengang im Oktober 2000 fiel das Papier fast kontinuierlich ab - auch der Meistertitel verschaffte dem Papier nur kurzzeitig Luft. Immerhin befindet sich der BVB in bester Gesellschaft. Selbst die Aktie des reichsten Klubs der Welt, des englischen Premier League-Teams Manchester United, verlor allein im vergangenen Jahr knapp 30 Prozent seines Wertes und blieb auch 2002 auf niedrigem Niveau.
„Das ist das Problem fast aller Klubs, die ihren Börsengang vollzogen haben, als die Kurse hoch standen. Die allgemeine schwache Wirtschaftslage erwischt nun auch die Fußball-Klubs, aber es hat sie weniger erwischt als andere Bereiche“, erklärte Ingo Süßmilch, der bei der WGZ-Bank Projektbetreuer der BVB-Aktie ist.
Analysten: BVB-Aktie unterbewertet
Der Analyst macht eine eigene Rechnung auf, die allerdings auch für Unternehmen aus anderen Branchen gilt. Die Marktkapitalisierung entspreche nicht dem tatsächlichen Wert des Unternehmens, dies gelte besonders für den Kurs des Dortmunder Wertpapiers: „Der BVB wird insgesamt mit 60 Millionen Euro bewertet. Wir gehen von einer Liquidität von 40 Millionen Euro und einem Spielerkader im Wert von etwa 140 Millionen Euro aus. Wenn, wovon wir auch ausgehen, die BVB-Schulden vom Stadion kompensiert werden, müsste die Aktie eigentlich doppelt so hoch bewertet sein.“
Auch Lars vom Cleff, Analyst der Deutschen Bank, sieht die Aktie nur vorübergehend derart unter Druck. „Nach dem Spiel gegen den AC Mailand kamen den Anlegern Zweifel, ob Dortmund die Zwischenrunde der Champions League überlebt. Nur deshalb ist momentan der Druck da. Wenn die Dortmunder bei der Präsentation ihrer Zahlen zeigen können, dass der Trend stimmt und dass sie die Kostenschraube Personal nach unten gedreht haben, dann wird der Kapitalmarkt auch positiv reagieren.“
Börsengang ist out
Hauptgrund für die anhaltenden Probleme seien nicht Dortmunds sportliche Ergebnisse, sondern die Folgen der Kirch-Krise mit ausbleibenden TV-Zahlungen und die anhaltende Wirtschaftsflaute. Doch eine grundsätzlich positive Bewertung selbst für gut geführten Fußball-Unternehmen, fällt auch skeptischer aus. FAZ.NET-Investor hat seit der Emission des BVB-Wertpapier im Oktober 2000 die Anlage in Fußballaktien stets kritisch bewertet. Tenor: „Fußballaktien sind nur etwas für Fans oder Zocker“.
Auch Wilhelm Kötting, Chefredakteur des TV-Wirtschaftssenders Bloomberg sagt: „Wer auf Fußball setzt, braucht gute Nerven, ein dickes Fell und einen langen Atem.“ Den Kursverlauf der BVB-Aktie bezeichnete Kötting als „bitter, echt bitter.“
Inzwischen setzen auch die Bundesligaklubs weniger auf einen Börsengang als auf andere Instrumente der Finanzierung, um sinkende TV-Einnahmen und Sponsoringgelder zu kompensieren. So hat Schalke 04 ein Anleihe auf Basis künftiger Zuschauereinnahmen am Markt akquiriert. Britische und amerikanische Investoren sollen Schalke mit 85 Millionen Euro bis 2026 die Zukunft sichern.