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Tennisturnier in Paris : Sensationeller Nadal sichert sich elften French-Open-Triumph

  • -Aktualisiert am

Glücklicher Sieger: Rafael Nadal nach dem Gewinn der French Open in Paris. Bild: EPA

Mon dieu, es geht immer noch besser: Rafael Nadal gewinnt die French Open zum elften Mal und stellt damit einen alten Rekord ein. Dominic Thiem spielt teilweise großartig – und verliert doch in drei Sätzen.

          Kann es ein größeres Kompliment als die von vielen Fachleuten geteilte Behauptung geben, der Rafael Nadal dieser Tage hätte das Finale der French Open gegen alle Sieger gleichen Namens seit 2005 gewonnen? Kann es nicht. Dieser Mann ist immer und immer wieder eine Naturgewalt im Stade Roland Garros. Und spielt dennoch jedes Mal noch ein bisschen besser als im Jahr zuvor. Mit seinem Sieg am Sonntagnachmittag in Paris gegen den Österreicher Dominic Thiem (6:4, 6:3, 6:2) schnappte sich Nadal den elften Titel bei diesem Turnier.

          Das könne nicht mal ein Traum sein, meinte er nach dem Spiel auf seinem liebsten roten Tennisplatz, denn wer würde sich schon einen Traum von elf Titeln leisten? Den Pokal, den „Coupe des Mousquetaires“, überreichte diesmal der Australier Ken Rosewall, der von 50 Jahren in Paris das erste Grand-Slam-Turnier der Profizeit mit einem Sieg gegen seinen „mate“ Rod Laver und später im Jahr den zweiten Grand Slam seiner Kariere gewonnen hatte. Ken Rosewall ist jetzt 83 Jahre alt und meinte neulich, das sei wohl seine letzte Reise nach Paris gewesen. Bevor er den Pokal an den Sieger überreichte, gab er zu, er sei froh, gegen Nadal und die Generation der modernen Tennis-Athleten nicht mehr spielen zu müssen. Der Blick auf das Ergebnis gibt am Ende nicht den Anteil von Dominic Thiem an diesem Nachmittag in Paris wieder; er hätte bei seiner Premiere im Spiel um den Titel sicher den Gewinn eines Satzes verdient gehabt.

          Es gehört einiges dazu, nicht den Kopf einzuziehen, wenn man gerade auf dem Weg ins erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere ist, wenn man den Namen des Gegners über den Lautsprecher hört und dann spürt, wie der König von einer Woge des Jubels ins Stadion getragen wird. Und wenn dieser Gegner dann gleich nach dem ersten gewonnenen Aufschlagspiel so grimmig die Faust zeigt, als stünde die Entscheidung im Spiel unmittelbar bevor. Als Thiem sein erstes Aufschlagspiel verlor, dachten viele im Stadion: „Mon dieu, das wird nicht lange dauern.“

          Aber der Herausforderer versuchte, sich keine Sorgen zu machen, auch weil er wusste, dass er ohnehin ein langsamer Starter ist. Mit einem Rebreak meldete er sich zur Stelle, und der Rest dieses ersten Satzes zeigte, wie er vor ein paar Wochen in Madrid gegen Nadal gewonnen hatte. In der vollen Abteilung von Nadal auf der Tribüne, wo Familie und Mitglieder des Teams zwei komplette Reihen besetzt hatten, war auch Onkel Toni Nadal zu finden, der zwar offiziell nicht mehr Coach des Neffen ist, aber im gleichen Sitz hockte ist wie bei den meisten von dessen der zehn Triumphen zuvor.

          Fast eine Stunde lang machte Thiem seine Sache großartig, aber ausgerechnet das schwächste Spiel und ein Aufschlagverlust beim Stand von 4:5 kosteten ihn den Satz. War es das mit seiner Chance?

          Noch nicht gleich. Wieder zeigte er Schwächen zu Beginn des Satzes, doch diesmal gelang ihm nicht gleich ein Rebreak, und beim Stand von 0:3 musste ihm der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe so vorkommen, als habe er den Aufstieg zum Gipfel eines Sechstausenders vor sich. Mitte des Satzes fasste er zwar wieder Tritt, doch da war ihm Nadal schon enteilt, und beim Rückstand von 0:2 Sätzen wuchs der Sechstausender weitere Tausend Meter in den Himmel.

          In seiner ganzen glorreichen Karriere hatte Nadal er nur zweimal nach einer Führung mit zwei Sätzen noch verloren, 2005 in Miami gegen Roger Federer und zehn Jahre später in New York gegen den Italiener Fabio Fognini. Auf dem Weg zum elften Titel im Stade Roland Garros war der Spanier danach mit der gewohnten Autorität unterwegs, wenn auch für fünf Minuten unterbrochen, als er auf einem den Mittelfinger seiner Schlaghand nicht mehr bewegen konnte, sich kurz behandeln und den Tapeverband um sein Handgelenk entfernen ließ. Danach hatte er den Schläger und das Spiel wieder im Griff.

          Dominic Thiem sah nun in manchen Momenten schwer mitgenommen aus, beide Spieler litten unter der fast asiatischen Luftfeuchtigkeit. Der Himmel verfinsterte sich zusehends, und nachdem Nadal die ersten vier Matchbälle vergeben hatte, krabbelte einen kurzen Moment lang der Gedanke übers Netz, ob es tatsächlich noch regnen würde. Doch unter dunkelgrauem Himmel machte Nadal das Werk, mit dem er eine 45 Jahre alte Bestmarke einstellte, mit Matchball Nummer fünf perfekt: Elfmal das gleiche Grand-Slam-Turnier gewann bislang nur die Australierin Margaret Court bei den Australian Open.

          Dominic Thiem, der allen Grund hatte, auf sich stolz zu sein, sagte bei der Siegerehrung, er habe Nadals ersten Triumph 2005 als elfjähriger Bub zuhause am Fernseher gesehen und er hätte niemals erwartet, einmal gegen diesen Mann um den Titel im Stade Roland Garros zu spielen. Für den König war es der unglaubliche 86. Sieg bei diesem Turnier, und wenn er die goldenen Hundert erreichen will, dann muss er nur noch zweimal den Titel gewinnen. Traut sich irgendwer darauf zu wetten, dass er das nicht schafft?

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