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French Open : Annika Beck trumpft groß auf

  • -Aktualisiert am

Neu justiert und plötzlich erfolgreich: Annika Beck Bild: dpa

Die so hoffnungsvoll gestartete Karriere der deutschen Tennisspielerin Annika Beck schien in einer Sackgasse gelandet. Bei den French Open aber sorgt sie in der ersten Runde für eine große Überraschung.

          Hätte es einen passenderen Ort für diesen Sieg geben können als Roland Garros? Auf der Anlage gegenüber des Bois de Boulogne hatte Annika Beck vor drei Jahren den Titel bei den Juniorinnen gewonnen, und an solche Orte kehrt man gern zurück. Diesmal konnte jede Kleinigkeit eine Hilfe sein angesichts der bisherigen Resultate in diesem Jahr. Mit fünf Erstrunden-Niederlagen war sie in Paris angekommen, insgesamt standen aus den ersten Monaten dieses Jahres nur drei Siege zu Buche, und in dieser Zeit hatte es manchmal so ausgesehen, als sei eine hoffnungsvoll begonnene Karriere in einer Sackgasse gelandet.

          Weil sie das Gefühl hatte, etwas ändern zu müssen, hatte sie sich vor rund zwei Wochen von ihrem langjährigen Trainer Robert Orlik getrennt. Beim ersten Auftritt mit Orliks Nachfolger, dem Niederländer Mark Derksen, kürzlich beim Nürnberger Versicherungscup hatte die Sache wegen der Kürze der neuen Zusammenarbeit noch nicht funktioniert, aber das neue Gespann nutzte die Zeit, und in Paris erinnerte Annika Beck wieder an jene Spielerin, die an dieser Stelle den Juniorentitel gewonnen und sich später im ersten Jahr auf der Profitour bewährt hatte. Sie war schnell auf den Beinen, behielt in fast allen Phasen die Übersicht und bestimmte das Spiel mit druckvollen Schlägen von der Grundlinie.

          Dabei war es war nicht irgendeine Gegnerin, die auf der anderen Seite stand, sondern Agnieszka Radwanska, ehemals Nummer zwei der Weltrangliste. In gewisser Weise kann man sagen, die beiden seien sich trotz unterschiedlicher Leistungsklassen auf Augenhöhe begegnet. Die Polin war mit großen Hoffnungen und einer äußerst prominenten Trainerin ins neue Jahr gestartet – mit Martina Navratilova. Doch nach einer Reihe von Niederlagen war das Experiment schon nach vier Monaten beendet worden; Radwanskas Bilanz las sich nicht ganz so deprimierend wie die von Annika Beck, aber die Zahl der Siege und der Niederlagen waren fast gleich groß, und in der Folge fiel die Polin aus den Top Ten.

          Es war Annika Beck, die am Montag auf Court sechs den Eindruck machte, die Krise überwunden zu haben. Sie ging schnell in Führung, verdaute den Rückschlag des verlorenen zweiten Satzes und war im dritten die eindeutig bessere, mutigere Spielern. Am Ende standen für sie nach dem Sieg (6:2, 3:6, 6:1) 41 so genannte Winner gegenüber nur 27 unerzwungenen Fehlern zu Buche, eine eindrucksvolle Bilanz.

          Paris scheint ein guter Ort für die Deutsche zu sein

          Manchmal ist Tennis aber nicht nur eine Frage der besseren Schläge, der größeren Ordnung im Kopf und der grundlegenderen Fitness, sondern auch der geschickten Planung. Man kann davon ausgehen, dass es Angelique Kerber nicht besonders gut ging, als sie vergangenen Freitag dem Publikum in Nürnberg erklären musste, warum sie nicht zum Halbfinale antreten würde; wegen einer Verletzung einen Rückzieher machen zu müssen, ist in mehrerlei Hinsicht kein Vergnügen.

          Der Rücken schmerze, sagte sie, sie fühle sich nicht fit, und in Anbetracht der bevorstehenden French Open halte sie es für das Beste, kein Risiko einzugehen. Gemessen am Aufritt am Montag im Stade Roland Garros muss man sagen, dass die aus Nürnberger Sicht nicht so schöne Entscheidung nicht ganz falsch gewesen sein kann. In genau einer Stunde nahm sie das Spiel der Ungarin Timea Babos auseinander und gewann 6:0, 6:1.

          Agnieszka Radwanska zog den Kürzeren gegen die Deutsche

          Am Wochenende hatte sie es mit dosiertem Training versucht – Samstag ja, Sonntag nein. Sie versuchte, sich an die Bedingungen zu In kurzer Zeit versuchte sie, sich an die Bedingungen zu gewöhnen.

          Kein Sandplatz gleicht dem anderen, selbst Wochen auf diesem Belag bei anderen Turnieren nützen oft nicht viel, und im doppelten Sinne erschwerend kommt hinzu, dass bei den French Open in diesem Jahr mit anderen Bällen als bei den anderen Sandplatzturnieren dieses Jahres gespielt wird; Roger Federer hatte neulich gesagt, diese Bälle seien „wie tot“. Alles andere als ideal für einen lädierten Rücken, aber wer gewinnen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich darauf einzustellen, und nun sieht Angelique Kerber dem weiteren Geschehen in Paris mit größerer Zuversicht entgegen als bei der Ankunft in Paris vor ein paar Tagen.

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