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Freestylerin Silvia Mittermüller Professionell obdachlos

Silvia Mittermüller ist die einzige deutsche Freestyle-Snowboarderin, die Chancen auf eine gute Plazierung bei den Olympischen Spielen 2014 hat. Aus Deutschland fühlt sie sich nicht genug unterstützt.

© Nate Zeman Vergrößern Alleine mit ihrem Snowboard: Silvia Mittermüller

Anfang Februar, im amerikanischen Breckenridge: Silvia Mittermüller saß auf der Couch und erzählte per Skype von ihren Plänen. Eigentlich hätte sie auf dem Weg zur Freestyle-Weltmeisterschaft der Snowboarder nach Oslo sein sollen. Ihre Reisepläne wurden durchkreuzt. Im Januar fiel sie bei den X-Games in Amerika auf die Rippen, startete wenig später trotz Verletzung bei den Canadian Open und stürzte gleich nochmal. Seitdem schmerzten die Rippen so stark, dass sie nicht mehr Snowboarden konnte. Das hatte sie zumindest am Vortag gesagt. Während sie von ihrer Verletzung erzählte, trug sie allerdings schon wieder Skibrille, Winterjacke und Wollmütze. Neben ihr stand ihr Snowboard. „Ich muss gleich doch mal Snowboarden gehen, um rauszufinden, was ich in den nächsten Tagen machen werde“, sagte Mittermüller.

Die 28 Jahre alte Münchnerin ist die beste deutsche Freestyle-Snowboarderin, vor ihrer Verletzung stand sie auf Platz zwei der Slopestyle-Weltrangliste der unabhängigen Snowboard-Plattform TTR. Zu den amerikanischen X-Games wurde sie als eine von zehn Fahrerinnen aus der ganzen Welt eingeladen, „eine Riesenehre“, wie sie selber sagt. Nach ihrer Verletzung wusste sie nicht recht wohin: „Ich könnte morgen noch nach Utah zum Finale der Dew-Tour reisen. Ich hätte die Chance, dort beste Newcomerin des Jahres zu werden. Ich könnte auch nach Oslo zu Weltmeisterschaft fliegen, oder ich bleibe erst mal hier. Das hängt davon ab, wie es meiner Rippe geht“, sagte Mittermüller in Breckenridge. „Und von der Unterstützung, die ich vom ‚Snowboard Verband Deutschland‘ (SVD) bekomme.“

Der Flug nach Oslo war teuer, vor Ort wollte Mittermüller nicht auch noch für die eigene Unterkunft bezahlen. Sie hoffte, dass sie über den SVD umsonst übernachten könnte. Am Ende scheiterte die Reise sowohl an den schmerzenden Rippen, als auch an der fehlenden Unterstützung. „Um in meinem Zustand fahren zu können, hätte ich viel mentale und physiotherapeutische Unterstützung gebraucht“, sagte Mittermüller später. „Die hätte ich nicht bekommen.“

Ein gutes Beispiel

Die Münchnerin ist ein gutes Beispiel dafür, was schief läuft bei der Förderung der Freestyle-Snowboarder in Deutschland. In anderen Ländern haben die besten Freestyler des Landes ein ganzes Team aus Trainern und Betreuern. Der Schweizer Verband trainiert neue Tricks im Sommer in einer Turnhalle mit einem Zirkusartisten. Als der Halfpipe-Star Iouri Podladtchikow sich im vergangenen Herbst bereit für einen neuen Trick fühlte, flogen die Schweizer ihn für fünf Tage nach Neuseeland. Dort stand er als erster Snowboarder der Welt den „Switch Backside Double Cork 1260“ in der Halfpipe und gewinnt seitdem Wettkampf nach Wettkampf. In Oslo wurde er Weltmeister.

Von Big Air bis Seventwenty © picture-alliance / dpa/dpaweb Bilderstrecke 

„Ich bin meine eigene Reiseleiterin, meine eigene Managerin, meine eigene Physiotherapeutin, meine eigene Ernährungsberaterin und meine eigene Snowboard-Trainerin“, sagt Silvia Mittermüller. Sie ist die einzige deutsche Freestyle-Snowboarderin, die 2014 bei den Olympischen Spielen Chancen auf eine gute Plazierung hat, sie hat wohl auch mehr Potential als der beste, auf Wettkämpfen aktive, männliche Freestyler Ethan Morgan. Trotzdem fühlt sie sich aus Deutschland nicht genug unterstützt.

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