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Siegfried Dietrich : Der Siggi und seine Frauen

Berater, Psychologe, Vermarkter: Siggi Dietrich hat Spaß daran, neue Rollen auszufüllen Bild: Frank Röth

Bis 1970 war Frauenfußball verboten. Dass nun eine Weltmeisterschaft komplett im Fernsehen gezeigt wird, hat viel mit dem Einsatz eines Mannes zu tun: Siggi Dietrich.

          Wer von Siegfried Dietrich empfangen wird, der lernt, dass ein beruflicher Aufstieg auch eine räumliche Dimension hat. Wo der Sportmanager einst im Kellergeschoss eines Geschäftshauses im Frankfurter Nordwesten seine Karriere begann, hat er sich im Lauf der Jahre in die Penthouse-Etage emporgearbeitet. Eine gute Adresse mit Blick auf die Bürotürme der Bankenstadt - und eine schöne Metapher, die perfekt passt zur Geschichte vom Selfmademan. Nun sitzt er im obersten Stockwerk hinter seinem Schreibtisch und wippt genüsslich auf dem Sessel. „Ich wollte doch schon immer hoch hinaus“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dietrichs gute Laune ist an diesem Vormittag nicht zu schlagen. Wahrscheinlich wird sich an dem Gemütszustand auch in den nächsten Wochen nichts gravierend ändern. Bevor das zweite Sommermärchen überhaupt begonnen hat, kann er sich schon als Gewinner fühlen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dietrichs Welt ist der Fußball. Doch er ist kein Hoeneß, Allofs oder Bierhoff. Der meist im smarten Schwarzton gekleidete Mittfünfziger hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. „Ich habe mir jeden Cent selbst erarbeitet, mir wurde nichts geschenkt“, sagt er. Dietrich setzte auf Frauenfußball, als sich noch niemand vorstellen konnte, dass eine Weltmeisterschaft in dieser Sportart einmal zu einem medienträchtigen Großereignis werden könnte. Alle Spiele des Ende Juni beginnenden Turniers werden live im Fernsehen übertragen, Konzerne engagieren sich als Sponsoren, Spielerinnen haben Werbeverträge abgeschlossen. Der Deutsche Fußball-Verband (DFB) will das Turnier zu einer riesigen Show aufblasen. Wie die Veranstaltung am Ende wird, bleibt abzuwarten. Doch diese Frage stellt sich der agile Dietrich nicht. Für ihn ist nur wichtig, was bisher erreicht wurde. „Als ich damals mit dem Frauenfußball begann, wurde ich von vielen belächelt und für verrückt erklärt. Heute klopfen mir einige von denen auf die Schulter“, sagt er.

          Eiskunstlauf-Galas mit Kati Witt

          „Der Siggi“, wie er in der Branche heißt, hat sich seinen Markt selbst geschaffen. Als er Anfang der neunziger Jahre durch Zufall Kontakt in die Szene bekommt, ist der Frauenfußball völlig unbedeutend. Es ist die Zeit, als Nationalspielerinnen für einen Europameisterschaftstitel als Prämie vom Verband ein Kaffeeservice erhalten und abfällig als „Mannsweiber“ bezeichnet werden. Der alte Muff hängt damals noch in den Vereinsheimen. Die Altherrenriege des DFB hatte 1955 den Klubs verboten, Frauenabteilungen zu gründen. „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand“, lautete die Begründung. Als die Funktionäre 1970 das Frauenfußballverbot aufheben, bleiben die Vorbehalte.

          Dietrich erkennt das Potential. „Ich habe mich nie auf eingetretenen Pfaden bewegt, sondern mir lieber meinen eigenen Weg gebahnt“, sagt er. Der sportbegeisterte Waldorfschüler und Sohn eines Theologieprofessors findet endlich, was er all die Jahre gesucht hat: ein neues Feld, das er von Grund auf nach den eigenen Ideen bestellen kann. Mit Fußball hat er bis dahin nichts zu tun gehabt. Mit Kati Witt promotete er jahrelang Eiskunstlauf-Galas fürs Fernsehen, zudem veranstaltete er Jugendweltranglisten-Turniere im Tennis. Er hat nie Management, Betriebswirtschaft oder Marketing studiert. Aber er kann Menschen überzeugen und Sport auf unterhaltsame Art inszenieren.

          „Gesucht wegen Menschenhandels“

          Ursprünglich startet Dietrich als Physiotherapeut in sein Berufsleben. Er gilt schon damals als ehrgeizig, drängt in den Spitzensport, therapiert zuerst Weltklasseathleten beim Eiskunstlauf. Doch schon als junger Mann sind ihm diese Grenzen zu eng. Mehr fasziniert ihn die große bunte Sportwelt, er kommt in die Vereinigten Staaten, behandelt bei Turnieren Tennisstars wie Gabriela Sabatini und Boris Becker. Er sieht, wie Ion Tiriac im Hintergrund die Strippen zieht und steigt dann selbst ein ins Sportbusiness. „Ich wollte immer mehr erreichen, als ich gerade hatte, und immer neue Menschen kennenlernen, die mich inspirierten.“

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