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Frauenfußball-Kommentar Abonnement-Europameisterinnen

11.09.2009 ·  Deutschlands Fußballfrauen haben zum fünften Mal in Folge die EM gewonnen. So hart jeder der Triumphe erarbeitet ist, so sehr droht die Dominanz das Einzelprodukt zu entwerten. Landet die Siegerurkunde wegen des Titel-Abonnements bald im Papiermüll?

Von Daniel Meuren
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Begeistert feierten die deutschen Fußballfrauen nach dem tollen 6:2 im Endspiel gegen England in Helsinki den Gewinn der Europameisterschaft - obwohl der Triumph für die Hälfte des Kaders schon fast so etwas wie Routine ist. Rekordnationalspielerin Birgit Prinz war bei allen fünf EM-Erfolgen seit 1995 dabei; genau zehn Spielerinnen des Europameisterschaftskaders durften den Kontinental-Pokal schon vor diesem Donnerstag einmal in Händen halten.

Dennoch ist der Titel ein großer Erfolg, da sich die deutsche Mannschaft nach einem durchwachsenen Länderspielfrühjahr zum Saisonhöhepunkt in Titelform präsentierte. Wie schon 2007 beim Weltturnier in China hat Bundestrainerin Silvia Neid auch bei ihrer ersten Europameisterschaft als sportlich Verantwortliche ein Händchen für die passgenaue Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt bewiesen.

Bei aller Freude gibt der Sieg der deutschen Frauen aber auch zu denken: Die DFB-Auswahl hat nun seit 26 EM-Spielen und seit dem 3. Juli 1993 kein Spiel mehr bei den Europameisterschaften verloren. Es besteht die Gefahr, dass Deutschland das Turnier und die Konkurrenz über die Maßen dominiert.

Die Erfolge sind Resultat einer interessanten Verbandspolitik

Die Überlegenheit der Deutschen ist so wie sie ist: Die Nationalmannschaft erarbeitet sich ihre Erfolge immer wieder voller Hingabe. Selbstläufer sind die Turniersiege nie gewesen. Vor allem die jüngsten Triumphe sind Lohn der guten Aufbauarbeit, die der deutsche Frauenfußball im Nachwuchsbereich leistet, wo die Deutschen genauso fleißig Titel hamstern. Folglich kann Silvia Neid fast jedes Jahr ein oder zwei neue starke Spielerinnen in ihre Elf einbauen wie 2009 den Shootingstar Kim Kulig.

Die Erfolge sind Resultat einer interessanten Verbandspolitik: Wie bei der Nationalmannschaft sind auch im Nachwuchsbereich fast alle Schlüsselpositionen schon lange in der Hand von Frauen. Der DFB zeigt sich hier ganz gegen seinen Ruf als konservativer Sportverband als erstaunlich emanzipiert. Er handelt dazu auch klug. Es kann nämlich kein Zufall mehr sein, dass alle sieben großen Turniere wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften seit 2000 von Teams mit Trainerinnen gewonnen wurden, obwohl im Weltfrauenfußball noch immer die männlichen Übungsleiter deutlich in der Überzahl sind.

Acht Wochen Lehrgänge kann sich kein anderer leisten

In Helsinki standen am Donnerstagabend gleich zwei Frauen, neben Neid die englische Fußballlehrerin Hope Powell, an der Seitenlinie. Es spricht vieles dafür, dass Frauen den besseren Ton in der Betreuung der Teams finden als ihre hier und da diktatorisch auftretenden männlichen Kollegen. Der weibliche Erfolg des DFB basiert freilich nicht nur auf dem Mut zur Emanzipation. Ein wichtiger Faktor sind die Ressourcen, die der Verband seinen Frauen zur Verfügung stellt, seit der bekennende Frauenfußballfan Theo Zwanziger das Amt des DFB-Präsidenten inne hat.

Keine andere Nation konnte es sich beispielsweise leisten, seine Nationalspielerinnen vor dem Turnierbeginn acht Wochen lang in Lehrgängen auf das wichtigste Turnier des Jahres vorzubereiten. In dieser Zeit arbeitete Bundestrainerin Silvia Neid mit ihren Spielerinnen unter professionellen Bedingungen, die im Vereinsalltag weltweit undenkbar sind. Zudem muss Neid nicht Kompromisse eingehen mit Spielerinnen, die ihr Geld in der amerikanischen Profiliga WPS verdienen und entsprechend für Lehrgänge außerhalb der Turniere kaum zur Verfügung stehen.

Im Sinne der Produktpflege ist Vorsicht geboten

Die deutschen Spielerinnen haben sich bislang mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2011 und ihre Chancen auf eine Teilnahme am Turnier im eigenen Land den Angeboten aus Übersee verweigert. Auch das ist ein Wettbewerbsvorteil für Neids Frauen. Entsprechend überlegen sind die Deutschen ihren spielerisch ebenbürtigen Konkurrentinnen aus Italien oder auch den englischen Endspielgegnerinnen vor allem in physischer Hinsicht.

Neben Begeisterung für den weiblichen Kick ist es auch Kalkül, das Zwanziger bewegt. Der DFB-Präsident weiß, dass er nur mit Hilfe des Frauenfußballs die Mitgliederzahlen des DFB und somit auch dessen gesellschaftliche Bedeutung weiter steigern kann. Anders als bei den Männern schlummert hier bei derzeit erst rund einer Million weiblicher Mitglieder noch Wachstumspotential. Der Europameistertitel gibt nun einen neuen Schub im Werben um die Mädchen. Zudem ist er eine Steilvorlage für die WM im eigenen Land in zwei Jahren, die den ganz großen Boom im Mädchenfußball auslösen soll.

Dennoch ist im Sinne der Produktpflege Vorsicht geboten, dass nicht nach weiteren deutschen Titelgewinnen internationale Langeweile - auch beim Konsumenten - herrscht.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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