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Aus der DFB-Frauen : „Die Deutschen hatten Angst, etwas zu verlieren“

„Ich war noch nie Nationaltrainer, muss deshalb vorsichtig sein bei der Bewertung“: Ralf Kellermann. Bild: dpa

Überraschend schieden die DFB-Frauen schon im EM-Viertelfinale aus. Welttrainer Ralf Kellermann spricht über Steffi Jones, Langeweile und die Annäherung an den Männerfußball.

          Die deutschen Fußballfrauen müssen das frühe Ausscheiden bei der EM verkraften. Welttrainer Ralf Kellermann, mittlerweile Sportdirektor beim VfL Wolfsburg, sieht Bundestrainerin Steffi Jones dennoch auf dem richtigen Weg – und hat Hoffnung für künftig wieder attraktiveren Frauenfußball.

          Warum ist das deutsche Team bei der EM ausgeschieden?

          Das deutsche Team hat das Viertelfinale verloren, weil sie es nur phasenweise offensiv haben aufblitzen lassen, was in ihnen steckt; weil sie es verpasst haben, die wenigen Chancen, die da waren, mit Überzeugung zu nutzen und weil das Defensivverhalten in mehreren Situationen sehr schläfrig gewesen ist. Die Sicherheit im eigenen Spiel und die Chance, Automatismen von Spiel zu Spiel zu entwickeln, wurden durch die zu vielen Wechsel sicherlich erschwert. Hinzu kommt, dass die Däninnen als Außenseiter mit Freude in das Spiel gegangen sind, etwas gewinnen zu können, die Schwächen beim deutschen Team gut analysiert und konsequent bespielt haben. Die Deutschen hingegen hatten Angst, etwas zu verlieren.

          Steffi Jones nahm den Bundestrainerjob im vergangenen Jahr ohne Erfahrung als Cheftrainerin auf. Waren die Fehler wie die zu vielen Wechsel oder auch die mangelhafte defensive Absicherung dann logische Folge?

          Ich finde es nicht richtig, jetzt alles komplett in Frage zu stellen. Ich habe auch viele neue, gute Ansätze und Ideen des Trainer-Teams wahrgenommen. Im Nachhinein ist es doch immer einfach für uns Außenstehende eine logische Konsequenz aus allem zu ziehen. Um der fehlenden Erfahrung entgegen zu wirken, hat Steffi Jones sich ja einen erfahrenen, starken Ko-Trainer an die Seite geholt. Es mag sicherlich sein, dass ihr persönlich diese Erfahrungen fehlen und sie in Zukunft in bestimmten Situationen anders bewerten würde. Das geht mir nicht anders, obwohl ich jetzt schon lange im Geschäft bin.

          Der DFB vermied ein Bekenntnis zu Bundestrainerin Steffi Jones. Können Sie die Zweifel nachvollziehen?

          Das bringt der Job mit sich, dessen sind sich alle bewusst. Erfolge wie auch Misserfolge werden hinterfragt und analysiert, daran wird man als Trainer gemessen. 

          Sehen Sie den Weg von Steffi Jones als richtig an, auf die Individualität Ihrer Spielerinnen zu setzen, nachdem Silvia Neid zuvor sehr erfolgreich bis hin zum Olympiasieg im vergangenen Jahr auf ein stabiles System gesetzt hatte?

          Ich war noch nie Nationaltrainer, muss deshalb vorsichtig sein bei der Bewertung. Es gibt Riesenunterschiede in der Arbeit eines Vereins- und eines Nationaltrainers. Der große Vorteil als Nationaltrainer ist, dass man sich einfach eine neue Spielerin holen kann, wenn man mit einer anderen nicht mehr plant. Im Verein hat eine solche Spielerin dann vielleicht noch einen längerfristigen Vertrag. Darauf muss ich im Verein dann Rücksicht nehmen und eventuell zwei Jahre anders spielen, als ich es eigentlich will, bis ich meinen Kader verändert habe. Als Nationaltrainer bin ich natürlich darauf beschränkt, welche Spielerinnen zur Verfügung stehen. Ein Land wie Schweden muss sich deshalb auf die Defensive konzentrieren, weil es nur noch wenige Offensivspielerinnen hat. Deutschland hat aber alle Spielertypen mit Qualität zur Verfügung und das wird auch künftig so sein, wenn wir noch mehr in gute, hauptamtliche Trainer investieren. Ich bin ein Freund davon, mehrere Systeme in einem Spiel variabel zu integrieren, um so auch gegnerbezogen die eigenen Stärken einbringen zu können. Deswegen benötigen wir auch verschiedene Spielertypen in verschieden Partien. Voraussetzung ist immer ein klares Defensivkonzept gewesen.

          Wie sehr sind Sie als Vereinsverantwortlicher in die Arbeit von Steffi Jones eingebunden?

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