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Frauenfußball : Die Chefin muss lernen

Radikaler Neuanfang: Steffi Jones Bild: AFP

Der DFB entschied sich mit Steffi Jones bewusst für eine Novizin als Nachfolgerin von Silvia Neid. Eine Trainerleistung ohne Fehl und Tadel durfte niemand erwarten.

          Die Niederlage von Rotterdam ist auch die Folge eines radikalen Neuanfangs im deutschen Frauenfußball. Bundestrainerin Steffi Jones sagte seit ihrem Dienstantritt vor einem Jahr immer wieder, dass sie die Abkehr vom auf extreme taktische und defensive Disziplin gründenden, überaus erfolgreichen Umschaltfußball ihrer Vorgängerin Silvia Neid hin zu einem spielerischeren Ballbesitzfußball samt offensiver Ausrichtung für unvermeidbar hält – falls Deutschland auch künftig noch in der Weltspitze mitspielen und 2019 Weltmeister werden will. Vor der EM erklärte sie, dass bei allem Willen, Erster werden zu wollen, das Turnier eigentlich zu früh komme. Nun ist Deutschland so früh wie noch nie bei diesem kontinentalen Wettbewerb nur noch Zuschauer. Der Neuanfang war mutig, und es ehrt Steffi Jones, dass sie im Moment der Niederlage nicht ihre eigene Einschätzung des Entwicklungsstands als Entschuldigung vorbrachte.

          Steffi Jones weiß aber auch, dass ihre Auswahl selbst im Umbruch mindestens das Finale hätte erreichen müssen, weil Deutschland auf den am besten besetzten Kader bauen kann. In den Niederlanden ließen die deutschen Frauen jedoch die Tugenden einer sogenannten Turniermannschaft vermissen, die zu den Erfolgen der Vergangenheit beigetragen haben. So sehr Steffi Jones mit Engagement an der spielerischen Entwicklung gearbeitet hat, so sehr scheint ihr noch die Kunst der mentalen Vorbereitung eines Teams zu fehlen. Sie wechselte auch vor dem Viertelfinale zu viele Spielerinnen auf wichtigen Positionen, so dass sich keine eingespielte Elf herauskristallisierte. Ihr Team hat zu keinem Zeitpunkt des Turniers den Eindruck erweckt, bereit zu sein für eine Spitzenleistung. Die eklatanten Mängel in der Chancenverwertung waren eine Folge.

          Steffi Jones hat neue Lockerheit und gute Laune ins Team gebracht, um Kreativität und Eigenverantwortung zu fördern. Womöglich aber schlich sich ein Wohlfühlklima ein, in dem Kritik zu sehr ausgeblendet wurde. Vor dem Viertelfinale kam erschwerend die Verschiebung des Spiels hinzu. Ein erfahrene Trainerin hätte die Situation vielleicht besser meistern können. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich aber nun mal vor zwei Jahren, noch zu Zeiten des mittlerweile zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Niersbach, unnötig früh und ohne Prüfung von Alternativen für das sympathische Gesicht des deutschen Frauenfußballs entschieden – in dem Wissen, eine Berufseinsteigerin, die nach Ende der Zeit als Chefin des Organisationskomitees der WM 2011 unglücklich war in ihrer Funktionärstätigkeit, mit dem wichtigsten Job im deutschen Frauenfußball zu betrauen. Eine Trainerleistung ohne Fehl und Tadel wäre nun einem Wunder gleichgekommen.

          Dass der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, ein merkwürdig zurückhaltendes Statement abgab zur Zukunft im Frauenfußball, wirkte deshalb irritierend, zumal Spielerinnen und führende Funktionäre im deutschen Frauenfußball Steffi Jones nach der Niederlage den Rücken stärkten. Der Einstand ging daneben. Die Bundestrainerin sollte aber eine neue Chance erhalten.

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          Österreich ist bei der Frauenfußball-EM der Halbfinal-Gegner der Däninnen, die zuvor die deutsche Mannschaft aus dem Turnier geworfen hatten. Die Alpenrepublik schaffte am Sonntag durch ein 5:3 im Elfmeterschießen gegen Spanien bei der ersten Teilnahme an einem großen Turnier gleich den Sprung in die Runde der letzten Vier. In einem ausgeglichenen Viertelfinale mit wenigen Höhepunkten in Tilburg hatte es bis zum Elfmeterschießen keine Tore gegeben. Das Halbfinale gegen Dänemark steht am Donnerstag auf dem Programm.

          Die Däninnen gewannen mit 2:1 gegen die deutsche Mannschaft. Die Österreicherinnen hatten bis zu der Europameisterschaft in den Niederlanden nie die Qualifikation für große Turniere wie WM, EM und Olympische Spiele geschafft. Im anderen Semifinale stehen sich ebenfalls am Donnerstag Gastgeber Niederlande und England gegenüber. Die Britinnen setzten sich am Sonntag in Deventer gegen Frankreich mit 1:0 (0:0) durch. Den einzigen Treffer erzielte Jodie Taylor nach 60 Minuten. Die Holländerinnen hatten Schweden bereits am Samstag mit 2:0 geschlagen. (dpa)

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