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Weltmeister Lewis Hamilton Reif in jungen Jahren

 ·  Wenn ein Sportler 23 Jahre alt ist, fragt man, was aus ihm werden kann. Im Fall des Briten Lewis Hamilton gibt es schon eine Antwort. Er ist Formel-1-Weltmeister, der jüngste in der Geschichte dieses Spektakels. Die Reife in jungen Jahren kommt den Verkäufern seines Sport gelegen.

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Wenn ein Sportler 23 Jahre alt ist, fragt man, was aus ihm eines Tages werden kann. Im Fall des Briten Lewis Hamilton gibt es schon eine Antwort: Seit seinem fünften Rang beim Großen Preis von Brasilien am Sonntag in São Paulo ist er Formel-1-Weltmeister, der jüngste in der Geschichte dieses Spektakels. Das mag ein Nebensatz für die Statistik sein. Die Reife in jungen Jahren aber deutet an, wohin Hamiltons Fahrt führt.

Denn sein Weg zum Triumph wurde ihm nicht mit überlegener Technik erleichtert. Im Mehrkampf um den Titel bewegten die Piloten von McLaren-Mercedes und Ferrari Boliden von gleich hoher Qualität, mit wechselnden Vorteilen je nach Strecke und Wetter. Trotzdem überholte Hamilton auf der Welttournee über 18 Stationen seinen Vorgänger als Weltmeister, Kimi Räikkönen, und hängte schließlich dessen überraschend starken Teamkollegen Felipe Massa ab. Mensch besiegte Mensch.

2007 brachte Hamilton Alonso aus der Balance

Das hat Hamilton schon einmal geschafft. Vor einem Jahr scheiterte er zwar in China mit einem Abflug ins Kiesbett an der Boxeneinfahrt kurz vor seinem Traumziel. Aber damals hatte er sich schon die Basis für den Aufstieg zum Chefpiloten hart erarbeitet. Mit einem Sieg über Fernando Alonso, den zweimaligen Weltmeister, den Star der Branche, den von McLaren für Titel und Triumphe eingekauften Spanier.

Bei diesem Duell deutete sich schon an, warum Hamilton in zehn Jahren einer konsequenten Förderung von McLaren zum Siegertypen in allen Nachwuchs-Wettbewerben aufwuchs. Hamilton besitzt nicht nur außergewöhnliches Talent am Lenkrad und Disziplin. Er hat auch den Kopf, um im Kreisverkehr der Besten auf die Umlaufbahn vorzustoßen: „Es ist die größte Herausforderung“, sagt Hamilton, „den Gegner mental zu schlagen.“ 2007 sauste er nicht nur auf der Piste häufig vor der Nase des impulsiven Titelfavoriten Alonso her. Er kreiste vor allem in dessen Kopf. Alonso geriet aus der Balance. Das war der erste Schritt zum Titel.

Seine Miene verrät nichts von der Verbissenheit

150 Millionen Euro, behauptete ein britischer PR-Experte vor Monaten, werde Hamilton in den nächsten Jahren verdienen können. Diese grobe, wahrscheinlich längst überholte Wertschätzung beruht auf dem Triumph abseits der Piste. Vom ersten Tag an nahm der McLaren-Fahrer leichtfüßig am Kulissenspiel teil. Wie ein ausgebuffter Profi. Draußen, im Licht der Öffentlichkeit, wirkt der gutaussehende, erste schwarze Star der Formel 1 stets wie der nette, höfliche Junge von nebenan. Seine gute Miene zu jedem Spiel verrät nichts von der Verbissenheit, die vielen Weltmeistern, auch Hamilton, gemein ist: „Ich muss immer Erster sein.“

Auf der Piste aber ließ sich in den vergangenen Wochen erkennen, wie sehr auch der elegante Engländer getrieben ist von seiner packenden Leidenschaft. Er hielt die Zuschauer, Freunde wie Feinde, in Atem durch geschicktes Vordrängen und brachiales Verdrängen bei Vollgas. Beides gehört zum Programm.

Hamilton befreite sich von der angeblichen Isolation

Hamilton wird es nicht umschreiben. Sonst hätte er nicht alle reflexartigen Attacken auf seinen Vorstoß demonstrativ ignoriert. Die teils ungerechten Strafen durch die Verkehrsrichter, die harsche Kritik seiner Gegner perlten an ihm ab wie ein Regentropfen am Visier. „Ich denke nicht, dass sie mich nicht mögen, sie kennen mich nicht.“ So befreite er sich von einer angeblichen Isolation in einem Fahrerlager, in dem Freundschaften ohnehin Seltenheitswert haben.

Dem neuen Champion wird es an Geselligkeit kaum mangeln. Mit seinem gewinnenden Lächeln kommt Hamilton, dessen Vater (und Manager) aus Grenada stammt, den Verkäufern seines Sports gelegen. Er gibt ihnen die Chance, ein neues Gesicht im doppelten Sinne zu verkaufen. Ein schon auf den ersten Blick bühnenreifes. Und so ahnt man, was in Hamilton steckt: ein Michael Schumacher, der auch noch die Kunst des Schauspiels beherrscht.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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