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Webber und Massa Diener zweier Herren

 ·  Red Bull gegen Ferrari, Vettel gegen Alonso. Die Titelkandidaten in der Formel 1 haben ganz verschiedene Teamkollegen neben sich. Während Webber nicht die Nummer zwei sein will, hat Massa seine Helferrolle vor dem Rennen in Abu Dhabi (14.00 Uhr) längst verinnerlicht.

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© dpa Vergrößern Erste Klasse, zweite Geige: Webber (vorne) und Massa

Alle reden vom Zweikampf zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso. Keiner von ihren Wasserträgern. Mark Webber und Felipe Massa fristen ein unterschiedliches Dasein unter ihren Teamkapitänen. Der eine hat keine große Lust, dem Stallrivalen zu helfen, der andere kommt gar nicht in die Nähe der Titelaspiranten, um helfen zu können.

Mark Webber will keine Nummer zwei sein, noch nicht einmal eine Nummer 1b. Der Australier antwortet auf jede Frage, die darauf hinzielt, ob er nun in Vettels Diensten stehe, genervt. „Meine Rolle hat sich nicht geändert. Ich fahre auf Sieg.“

Solange er eine theoretische Chance auf den Titel hat, darf er das. So hat er es sich in seinen Vertrag hineinschreiben lassen. Seit der Silverstone-Episode vor zwei Jahren, als Vettel das einzige Exemplar eines neuen Frontflügels bekam, ist allein der Gedanke, er wäre dem deutschen Kollegen nicht gleichgestellt, ein Reizthema für Webber.

Nur auf einen Unfall mit seinem Teamkollegen lässt es Webber nicht mehr ankommen. Beim Rennen in Indien hatte er den besseren Start. Am Bremspunkt der ersten Kurve zog er trotzdem zurück. „Seb hatte die bessere Linie. Es wäre unklug von mir gewesen, dagegenzuhalten.“

„Es gibt Rennen, da kann den Mark keiner schlagen“

Nach 17 von 20 Rennen hat der Australier 73 Punkte Rückstand auf den WM-Spitzenreiter. Rein rechnerisch kann er Vettel noch einholen. Praktisch natürlich nicht. „So ein Wunder gibt es nicht“, sagt auch Webber. Selbst wenn Vettel an den letzten drei Rennen nicht teilnehmen würde, wäre dem zweimaligen Saisonsieger nicht geholfen. Dann ist ja immer noch Alonso da. Auf den müsste er 60 Zähler aufholen. Unmöglich gegen einen, der sich bis jetzt nicht die geringste Blöße gegeben hat.

Mark Webber nimmt aus dieser Saison die Erkenntnis mit, dass er wieder einmal bis zur Sommerpause die Chance hatte, Weltmeister zu werden. Und dass ihm im Endspurt die Luft ausging. Nach seinem Sieg in Silverstone und der Vertragsverlängerung zwei Tage später hat er in sechs Rennen 18 Punkte geholt.

Zwei Strafversetzungen nach Getriebeschäden, schlechte Starts, das Pech, im falschen Moment an der falschen Stelle gewesen zu sein - und schon war er ausgeträumt, der schöne Traum vom ersten Titelgewinn. Ein bisschen sei Webber auch selbst schuld, meint Red Bull-Berater Helmut Marko streng. „Es gibt Rennen, da kann den Mark keiner schlagen. Aber es gibt zu wenige davon.“

In dem Maße, in dem der Red Bull besser wurde, fiel Webber gegen Vettel zurück - weil die Entwicklung des RB8 dahin zielte, Vettel das optimale Auto für seinen Fahrstil hinzustellen. Der Deutsche braucht ein Auto, das in der ersten Phase der Kurve stark ist. Vom Einlenken bis zum Scheitelpunkt macht er seine Zeit auf Webber gut.

„Felipe, fahr Fernando nicht so dicht auf“

Der Australier gewinnt im Vergleich zu dem Deutschen am Kurvenausgang. Zu Jahresbeginn hatte der Red Bull ein Problem beim Einlenken. Ergo sah Webber besser aus als sein Teamkollege. Jetzt aber kann Vettel wieder seine Stärken ausspielen, und die interne Hackordnung hat sich deshalb umgekehrt.

Bei Ferrari ist die Situation völlig anders. Dort gibt es einen unumstrittenen Teamkapitän. Fernando Alonso kann sich auf Felipe Massa verlassen. Wenn der Brasilianer mal wie in Südkorea schneller ist als die Nummer eins im Stall, dann wird er von Ferrari dezent über Funk zurückgepfiffen. „Felipe, fahr Fernando nicht so dicht auf“, befahl Renningenieur Rob Smedley über Funk.

Alonso zahlt so viel Solidarität zurück. Als der Sitz von Massa wackelte, war der Spanier der größte Fürsprecher seines treuen Sekundanten. „Nennt mir einen der in Frage kommenden Fahrer, der einen besseren Job machen würde als Felipe?“, fragte Alonso in Singapur provokant in die Runde. Maranello hatte verstanden. Alonso hat genau den Helfer, den er möchte.

Drei Wochen später wurde Massas Arbeitsplatz für 2013 bestätigt. Der Weltmeisterschaftszweite von 2008 hatte mittlerweile seine Vertragsverlängerung durch gute Leistungen auf der Rennstrecke bestätigt. Der zweite Platz beim Rennen in Japan war das erste Podiumsresultat für ihn seit zwei Jahren. Selbst Marko lobte: „Massa war auf alten Reifen schneller als Vettel unterwegs.“

„Du kannst dir dann die Reifen viel besser einteilen“

Massa erklärt den Durchhänger zu Saisonbeginn so: „Wegen der aerodynamischen Defizite konnte ich das Auto nicht so abstimmen, wie ich es für meinen speziellen Fahrstil brauche.“ Seit der Ferrari wieder gutmütiger geworden ist, kehrte auch bei Massa das zwischendurch verlorengegangene Selbstvertrauen zurück. „Ich verstehe Auto und Reifen besser, und ich kann das Auto jetzt so abstimmen, wie ich es für meinen Fahrstil brauche.“

Trotzdem wird der kleine Mann aus São Paulo Red Bull weniger Kopfzerbrechen bereiten, als das Webber im Verbund mit Vettel bei Ferrari tun könnte. Massa kam bis jetzt nie in Vettels Nähe. Die Qualifikationsschwäche des Ferrari trifft ihn härter als Alonso, der um jedes Problem herumfahren kann.

„Um vorne mitzumischen, müssen wir aus den ersten zwei Reihen starten“, fordert Massa. „In Japan habe ich gesehen, um wie viel leichter ein Rennen für einen wird, wenn du nicht im Pulk fahren musst, sondern weit vorn. Du kannst dir dann die Reifen viel besser einteilen und bist einfach flexibler in der Strategie.“

Für bessere Rundenzeiten in der Qualifikation flog Ferrari jetzt einen neuen Front- und Heckflügel zum Rennwochenende nach Abu Dhabi ein. Aus Zeitmangel gibt es nur jeweils ein Exemplar davon. Natürlich bekommt Fernando Alonso die neuen Teile exklusiv. Massa muss mit den alten Flügeln fahren. Das würde Mark Webber bei Red Bull nicht mehr passieren.

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