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Ferraris Niederlage : Nur die Ruhe!

  • -Aktualisiert am

Einer, der immer gewinnen will: Sebastian Vettel Bild: dpa

Die Niederlage im WM-Kampf schmerzt Sebastian Vettel und Ferrari. Die Fehler finden sich in den eigenen Reihen. Gegen Mercedes gibt es trotzdem nur eine Chance: Zusammenhalt.

          Sebastian Vettel glaubte bis zuletzt daran. Selbst als der erste WM-Titel in Diensten von Ferrari für ihn nur noch mathematisch möglich war. In Mexiko, vor zwei Wochen, konnte das jeder sehen. Da hatte Vettel den Titelkampf in der Formel 1 gegen Lewis Hamilton (Mercedes) endgültig verloren, und er war so enttäuscht, als wäre es im Finale um den Unterschied eines WM-Punktes gegangen. Formel-1-Chef Ross Brawn sagte vor dem Großen Preis von Brasilien an diesem Sonntag (Start: 17 Uhr MEZ/Live bei RTL und Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1): „Sebastian war am Boden zerstört.“ Dann fügte der frühere Ferrari-Technikdirektor noch an: „Bei Michael Schumacher war es genauso. Er hat eine Niederlage erst akzeptiert, als sie unverrückbar feststand.“

          Ferrari wartet nun schon zehn Jahre auf den nächsten Fahrer-Weltmeister, 2007 hatte sich Kimi Räikkönen zum bis dato letzten Mal den Titel gesichert. Mit jedem Jahr steigt der Druck. Erinnerungen werden wach an die letzte titellose Epoche der Scuderia, die von 1979 bis ins Jahr 2000 dauerte, und von der sie erst Michael Schumacher erlösen konnte. Sebastian Vettel würde diese Geschichte gerne fortschreiben. Er wollte nur nicht so lange warten wie sein berühmter Landsmann. Schumacher rannte vier Jahre lang gegen überlegene Williams und McLaren an, bis Ferrari 2000 endlich ein Auto gebaut hatte, mit dem man um den Titel fahren konnte. Vettel hatte dieses Auto bereits in seinem dritten Ferrari-Jahr. Vielleicht war es sogar die goldene Chance, die nicht so schnell wiederkommt. Offiziell würde er das nie zugeben, aber tief drinnen muss diese Urangst wohl mitfahren. 2009, als er in einer ähnlich aussichtslosen Lage die WM gegen Jenson Button verlor, und er sich fragen lassen musste, warum ihm die zu erwartende Niederlage so zu Herzen ging, antwortete Vettel: „Wer weiß, ob ich je wieder in die Lage komme. Die Formel 1 lässt sich nicht berechnen. Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“

          Die Technik war zu ehrgeizig

          In diesem Jahr war Vettel am richtigen Ort. Bis zur Sommerpause. Der 30 Jahre alte Deutsche führte zur Halbzeit die Meisterschaft mit 14 Punkten Vorsprung auf Hamilton an. Weil der Mercedes eine Wundertüte war, der Ferrari stattdessen eine sichere Bank. Leicht zu fahren, einfach abzustimmen, auf jeder Strecke unter allen Bedingungen auf allen Reifentypen schnell. Ausgerechnet beim Heimspiel in Monza wendete sich das Blatt. Ferrari war zum ersten Mal chancenlos. Im Rückblick weiß man, dass die Techniker zu ehrgeizig waren und um jeden Preis eine neue Fahrwerksentwicklung einsetzen wollten und das Auto falsch eingestellt hatten. Das Urteil von Ferrari-Präsident Sergio Marchionne klang wie eine Drohung: „Wir haben versagt.“

          Der Satz geistert seitdem in den Köpfen aller Ferrari-Mitarbeiter umher. Der große Chef duldet keine Niederlage. In Italien kursierten daher bereits die ersten Gerüchte, Teamchef Maurizio Arrivabene müsse seinen Hut nehmen, wenn es mit dem Titel wieder nicht klappt. Ferrari war im Kampf gegen Mercedes zum Risiko gezwungen. Die Modifikation an der Vorderachse erwies sich nur auf bestimmten Strecken als Vorteil, und auch nur mit Vettel am Steuer. Kimi Räikkönen kehrte nach zwei Versuchen zur alten Version zurück. Die Hoffnung lag jetzt auf dem vierten Motor, der endlich mit Mercedes gleichziehen sollte. Doch was die Techniker in Maranello auch machten, dem Sechszylinder-Turbo ließ sich nicht mehr Leistung entlocken. Erst recht nicht, nachdem der Weltverband Ferrari in Monza zum zweiten Mal wegen zu hohen Ölverbrauchs warnte.

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