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VW-Pilot de Villiers bei der Rallye Dakar Angriff, Zurückhaltung und bloß kein Country

 ·  Vorjahressieger Giniel de Villiers startet auch in diesem Jahr als Favorit in die Rallye Dakar in Südamerika. Der VW-Pilot bleibt stets ruhig und gelassen - es sei denn, sein deutscher Beifahrer Dirk von Zitzewitz spielt die falsche Musik auf dem i-Pod.

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Die Sache trug schon leicht bizarre Züge. Da gewann Giniel de Villiers nach 30 Jahren als erster Afrikaner die Rallye Dakar – just zu dem Zeitpunkt, als die Rallye zum ersten Mal in 30 Jahren Afrika verlassen hatte. Aus Sicherheitsgründen war das Wüstenrennen 2009 nach Südamerika verlegt worden, und just dort, bei der Premierenfahrt durch Argentinien und Chile, verschaffte der Südafrikaner mit seinem deutschen Co-Piloten Dirk von Zitzewitz dem Volkswagen-Team endlich das lange ersehnte Erfolgserlebnis mit dem Race Touareg. Es war zugleich der erste Sieg eines Diesel-Autos bei der Dakar.

Sieben Jahre hatte de Villiers, dessen Vorfahren einst aus Frankreich nach Südafrika ausgewandert waren, auf diesen Tag hingearbeitet. Er war Fünfter gewesen bei der Dakar, Vierter und 2006 auch schon Zweiter. Dass es nun ausgerechnet im südamerikanischen Exil Platz eins wurde, spielte da für ihn keine große Rolle mehr. „Es ist die gleiche Herausforderung, es war eine der schwierigsten Rallyes, die ich je gefahren bin. Darum ist es für mich gleichwertig, ob ich sie in Südamerika oder in Afrika gewinne“, sagt er.

Am Freitag nun machen sich de Villiers/von Zitzewitz in Buenos Aires auf, ihren Titel mit dem in diesem Jahr auf 300 PS getrimmten Race Touareg zu verteidigen. Der 37 Jahre alte Südafrikaner weiß, für einen Sieg bei der zwei Wochen dauernden, rund 9000 Kilometer langen und bis auf 4720 Meter Höhe führenden Rallye muss viel zusammenkommen: körperliche Fitness, perfekte Vorbereitung von Mensch und Auto, reibungslose Zusammenarbeit von Pilot und Co-Pilot, eine minimale Fehlerquote – und dazu noch etwas Glück. 2009 vergab de Villiers’ bis dahin dominierender Teamkollege Carlos Sainz den Sieg auf der zwölften Etappe – er schied nach einem Unfall aus, sein Beifahrer Michel Périn musste mit einer Schulterfraktur ins Krankenhaus.

Volkswagens größte Konkurrenz sind die X-Raid-BMW

Die spanische Rallye-Legende Sainz, inzwischen 47 Jahre alt, zählt auch bei der Auflage 2010 wieder zu den schärfsten Konkurrenten de Villiers’ – wie auch die anderen VW-Werkspiloten, der Amerikaner Mark Miller und Nasser Al-Attiyah aus Qatar, der vom Team X-raid zu den Wolfsburgern wechselte und im vergangenen Jahr schon mit mehreren Etappensiegen hatte aufhorchen lassen.

Weil der große VW-Werksrivale Mitsubishi sich aus der Rallye zurückgezogen hat, zählen die vier BMW X3 des X-raid-Teams von Sven Quandt auch diesmal zu den Mitfavoriten – nicht zuletzt durch die Verpflichtung des Franzosen Stephane Peterhansel, der bereits sechs Dakar-Siege auf dem Motorrad und drei im Auto vorweisen kann. De Villiers will da mit der ihm eigenen Mischung aus Angriffslust und taktischer Zurückhaltung gegenhalten, die gerade auf dem Terrain in Südamerika, das oft zwischen Schotter, Sand, Geröll oder Trial-artigen Passagen hin- und herwechselt, gefragt ist. „Du musst wissen, wo du schnell fahren kannst und wo du langsamer fahren musst“, sagt der Südafrikaner.

Stets gelassen - außer bei Country-Musik

Seine ersten Erfolge als Rennfahrer feierte der Hobby-Mountainbiker, der in Stellenbosch zu Hause ist, im Tourenwagensport, bevor er dann 2001 ins Offroad-Metier wechselte – was kein leichter Schritt war. „Es ist eine komplett andere Disziplin“, sagt er. „Du musst erst lernen, die Straße zu lesen.“ Anders als auf der Rundstrecke verändern sich Verlauf und Untergrund ständig, es gibt viel mehr Variablen, die der Pilot bei der Steuerarbeit mit einkalkulieren muss. „In jedem Moment passiert so vieles gleichzeitig, musst du dich auf so viele verschiedene Dinge konzentrieren“, sagt de Villiers.

Zuallererst gilt das für die Anweisungen, Richtungsvorgaben und Warnhinweise des Co-Piloten, die der Fahrer laufend im Ohr hat. Da freilich hat de Villiers ganz offenbar einen guten Draht gefunden zu dem gebürtigen Ostholsteiner von Zitzewitz. „Wenn etwas schiefläuft, schreien wir uns nicht gegenseitig an, sondern suchen ruhig nach einem Ausweg aus der Situation“, sagt er. Für den stets gelassen und in sich ruhend wirkenden de Villiers, den seine Teamkollegen gerne wegen seiner Ähnlichkeit mit Popstar Robbie Williams aufziehen, ist der Spaß erst vorbei, wenn der Beifahrer auf den Transferetappen bei der Musikwahl auf dem i-Pod daneben greift. Bei Country-Musik, sagt von Zitzewitz, „flippt Giniel aus“.

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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