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Vettel gegen Alonso Keine Psychospielchen in Sao Paulo

 ·  Kein Zoff, keine verbalen Tiefschläge unter die Gürtellinie: Die beiden WM-Rivalen Sebastian Vettel und Fernando Alonso geben sich vor dem entscheidenden Großen Preis von Brasilien friedlich. Auf der Strecke dürfte es anders zugehen.

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© REUTERS Vergrößern Ferrari-Rot gegen Red Bull: Massa und Alonso jagen Vettel

Sebastian Vettel blickte mit seinem typisch spitzbübischen Lächeln in die Runde, sein WM-Rivale Fernando Alonso starrte dagegen streng und konzentriert auf die Tischplatte. Die beiden Titelkandidaten präsentierten sich bei ihrem ersten, mit Spannung erwarteten Aufeinandertreffen beim Showdown in Sao Paulo sehr unterschiedlich, aber auch absolut handzahm: keine schmutzigen Psychospielchen, keine Spitzfindigkeiten, kein verbaler Schlagabtausch vor dem entscheidenden Duell um die Formel-1-WM.

Der zwischen den beiden Hauptprotagonisten plazierte Rekord-Weltmeister Michael Schumacher musste nicht einmal als Puffer fungieren. „Wir können zuversichtlich sein, wir sind in einer sehr guten Position“, sagte Vettel bei der offiziellen Pressekonferenz im Autodromo José Carlos Pace am Donnerstag.

Der Red-Bull-Pilot aus Heppenheim hat vor dem Großen Preis von Brasilien 13 Punkte Vorsprung vor seinem Ferrari-Verfolger. Selbst im Fall eines Alonso-Siegs reicht Vettel am Sonntag (Start: 17.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) ein vierter Rang zum WM-Hattrick. Alonso macht sich deshalb keine Illusionen. „Es wird schwierig, das aufzuholen“, sagte der Spanier. Und wenn Vettel den Titel gewinne, werde er ihm gratulieren.

Die Rechnung ist einfach: Weil Vettel mehr Saisonsiege als Alonso (5:3) aufweist, muss der Spanier im Duell der beiden Doppel-Champions sogar 14 Zähler wettmachen. „Wir müssen mindestens aufs Podium und dann schauen, wo Seb landet. Das liegt nicht in unserer Hand“, sagte Alonso. „Aber wir haben nichts zu verlieren, sondern können nur gewinnen.“ Im Rennen rechnet Alonso mit Rang zwei, „wenn’s normal läuft“. In dem Fall dürfte Vettel nur Achter werden, sonst wäre der Traum des Spaniers vom dritten Titel nach 2005 und 2006 geplatzt.

Vettel ist „glücklich“ mit seiner guten Ausgangslage, warnte aber: „Alles kann passieren.“ Der 25 Jahre alte Hesse stellte zugleich klar, dass es für ihn im Rennen kein Taktieren gibt: „Wir wollen das maximale Ergebnis, wir sind hier, um zu attackieren.“ Schließlich hat Red Bull in den zurückliegenden drei Jahren immer auf dem 4,309 Kilometer langen Berg-und-Tal-Kurs gewonnen: Mark Webber 2009 und 2011, Vettel 2010, womit er damals die Grundlage für seinen sensationellen ersten WM-Triumph eine Woche später in Abu Dhabi schaffte.

„Der Kurs liegt unserem Auto“, konstatierte Vettel. Auch der prognostizierte Regen bereitet Vettel keine Probleme. „Das Wetter ist in Sao Paulo so ähnlich wie in Spa und ändert sich schnell. Wir müssen uns keine Sorgen machen“, versicherte er. Alonso gewann zwar in dieser Saison unter nassen Bedingungen in Malaysia und fuhr in Silverstone und Hockenheim jeweils auf die Pole-Position, aber Vettel hat in der Vergangenheit mehrfach eindrucksvoll seine Qualitäten im Regen bewiesen. Nicht nur bei seinem ersten Grand-Prix-Sieg 2008 in Monza im B-Bullen Toro Rosso.

Schumacher konnte das friedliche Verbal-Duell der beiden entspannt verfolgen. Nach „20 überwiegend guten Jahren“ ist für ihn am Sonntag endgültig Schluss mit der Formel 1. „Ich verspüre keine Wehmut“, versicherte der siebenmalige Weltmeister. Er gehe entspannt in sein letztes Rennen. „Wir sind nicht im WM-Kampf. Wir wollen das Beste rausholen und das Rennen so gut wie möglich genießen“, sagte der Mercedes-Pilot.

Dass Schumacher im WM-Kampf seinem jungen Kumpel Vettel die Daumen drückt, ist hinlänglich bekannt. „Mit Seb bin ich seit langem befreundet. Wir sind beide auf meiner Heimstrecke in Kerpen aufgewachsen“, sagte er. Mit Alonso habe er mehrfach hart um die WM gekämpft. Der Spanier stoppte Schumachers einmalige Serie von fünf Titeln und schlug den Deutschen 2005 und 2006. „Wir hatten tolle Kämpfe und großen Respekt voreinander“, wies Alonso auf das eher unterkühlte Verhältnis hin.

Für Vettel war Schumacher dagegen „mein Kindheits-Idol, mein Held“. Als Knirps habe er sich auf der Kartbahn kaum getraut, den über 18 Jahre älteren Schumacher, damals schon ein aufkommender Star, anzusprechen, weil er Angst gehabt habe, etwas Dummes zu sagen. „Jetzt ist es ein normales Verhältnis“, sagte Vettel und bedauerte, dass er im Gegensatz zu Alonso in der Formel 1 nie richtig gegen sein einstiges Idol kämpfen konnte. Dafür war dessen Mercedes einfach nicht schnell genug.

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