Home
http://www.faz.net/-gtl-77j66
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vettel gegen Alonso Duell am Limit

Sebastian Vettel und Fernando Alonso sind die größten Formel-1-Piloten ihrer Generation. Ihr Zweikampf wird auch die neue Saison prägen. Alle fragen sich: Wer ist der beste Rennfahrer der Welt?

© F.A.S. Vergrößern Red Bull gegen Ferrari, Vettel gegen Alonso: Gesucht wird die bessere Kombination aus Mensch und Maschine

Die Antwort sollte ein Witz sein, aber sie war weit mehr. Als Sebastian Vettel auf sein jungenhaftes Gesicht angesprochen wurde, darauf, dass er noch immer wirke wie ein Kind, da zögerte er nicht lange und sagte: „Das sieht nur so aus, wenn ich keinen Helm aufhabe.“ Im Cockpit seines Red Bull verwandelt sich Vettel in einen Mann, der keine Furcht zeigt und selten vor etwas zurückschreckt.

Michael Wittershagen Folgen:  

Vettel ist gerade einmal 25 Jahre alt, trotzdem geht er schon in seine sechste vollständige Saison in der Formel 1. Er hat Bestmarken gesetzt, Rekorde aufgestellt, sich selbst immer wieder unterboten und übertroffen. Trotzdem wirkte er dabei nie überrascht, Vettel hat bisher lediglich seine eigenen Erwartungen erfüllt. Wer also soll ihn aufhalten auf dem Weg zum vierten Titel? Vielleicht Fernando Alonso (Ferrari) - kein anderer Name wird von den Experten vor der neuen Saison so oft genannt.

Mehr zum Thema

Schon jetzt zählen beide zu den größten Fahrern ihrer Generation, und das Duell zwischen ihnen könnte schon bald in einer Liste der Zweikämpfe von Ayrton Senna und Alain Prost oder Michael Schumacher und Mika Häkkinen stehen. „Die Formel 1 erlebt gerade ein großartige Zeit“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

„Sebastian und Fernando sind zwei Fahrer auf höchstem Niveau, sie treiben sich gegenseitig immer wieder ans Limit.“ Sie sind Gegner, und doch verbinden sie dieselben Eigenschaften: Zwei Fahrer, die die typische Nummer-1-Mentalität in sich tragen und es verstehen, ein Team um sich herum aufzubauen. Zwei Männer, die auf der Strecke den Tunnelblick aufsetzen und nur an den eigenen Erfolg denken - und dabei keine Rücksicht nehmen.

„Es reicht, das war genug!“

Das Autodromo Nazionale Monza. Wer die Rivalität zwischen Vettel und Alonso verstehen will, der muss sich noch einmal die Schlüsselszenen des Großen Preises von Italien der vergangenen beiden Jahre anschauen. September 2011: Mit mehr als Tempo 320 schießen die beiden im Parallelflug durch die Curva Grande, der Deutsche greift an, rast mit zwei Rädern über das Gras, Staub wirbelt auf, vor der Schikane zieht er vorbei. „Wenn man gegen jemanden wie Fernando fährt - der Erfahrung besitzt und den man respektiert -, kann man ans Limit gehen und Rad an Rad fahren, ohne darüber nachzudenken“, sagt Vettel nach seinem Sieg.

September 2012: Die gleiche Passage, dieselben Protagonisten. Doch dieses Mal ist es der Spanier, der nach vorne stürmt, links ausschert - und das Gaspedal lupfen muss, weil ihm Vettel keinen Raum mehr lässt. „Es reicht, das war genug!“, funkt Alonso an den Ferrari-Kommandostand. Vettel wird kurz danach mit einer Durchfahrtstrafe belegt. Seitdem gehen sich die beiden aus dem Weg, wo sie sich aus dem Weg gehen können. Jeder von ihnen spürt, dass der andere vor allem deshalb gefährlich ist, weil er einem selbst so sehr ähnelt, weil sie so etwas sind wie Brüder im Geiste.

South Korea Formula One Grand Prix © dpa Vergrößern Zumeist musste Fernando Alonso in der letzten Zeit zu Sebastian Vettel aufschauen

Die letzten Testfahrten in Barcelona. Es ist Anfang März, zwei Wochen vor dem ersten Rennen in Melbourne (17. März / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET). Ferrari hat ein knallrotes Zelt aufgebaut im Fahrerlager, davor pressen sich die Fans an die Absperrgitter, sie schreien, wenn Alonso in die Sonne tritt. Danach warten sie, dass er zurückkommt. Etwa hundert Meter weiter steht das Motorhome von Red Bull, ein kleines Ungetüm aus Stahl, das im Inneren eine Bar und eine kleine Lounge mit Plüschteppich bietet.

Über die Fernsehmonitore flimmert das Sportuniversum von Red Bull: Klippenspringer, Freerider, Motocrosser - junge Menschen, schöne Körper, spektakuläre Aufnahmen in Endlosschleife. An einem Tisch in der Ecke sitzt Horner, der Teamchef von Red Bull hat die obersten Knöpfe seines Hemdes aufgeknöpft, er wirkt angriffslustig: „Wir sind ein so junges Team, und trotzdem haben wir Ferrari in den letzten vier Jahren hinter uns gelassen, das ist eine außergewöhnliche Geschichte“, sagt der Neununddreißigjährige. „Wir sind der Weltmeister, wir sind die Gejagten, und darauf sind wir stolz.“

Keiner verliert so schön

Doch Red Bull kommt in dieser Rennwagen-Generation langsam an die Leistungsgrenze, seit fünf Jahren ist das Reglement weitgehend stabil, die Gegner holen auf. Und die Ingenieure standen im Winter vor einem Problem: „Wir haben im letzten Jahr bis zum letzten Rennen um die WM gekämpft, darauf haben wir sehr viel Energie und Ressourcen verwendet“, sagt Horner. „Deshalb hatten wir nicht so viel Zeit, um uns mit diesem Auto zu beschäftigen wie manch anderer.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vettels Debüt im Ferrari Ich hab’ mir ein bisschen in die Hose gemacht

Gegen die zwei Silberpfeile hatte er keine Chance, dennoch ist Sebastian Vettel mit Platz drei bei seinem ersten Formel-1-Rennen im Ferrari glücklich. Nur einmal fühlt sich der vierfache Weltmeister nicht ganz wohl. Mehr

15.03.2015, 12:28 Uhr | Sport
Formel 1 Ferrari präsentiert neues Vettel-Auto

Sebastian Vettel hat seinen neuen Ferrari-Boliden präsentiert. Mit der Roten Göttin will der Vierfach-Weltmeister an alte Erfolge anknüpfen. Mehr

30.01.2015, 21:37 Uhr | Sport
Formel-1-Saisonauftakt Mercedes-Teamchef wirft Konkurrenz Jammerei vor

Mercedes’ Dominanz in der Formel 1 will Red Bull mit neuen Regeln ausbremsen. Das passt Teamchef Toto Wolff überhaupt nicht. Er teilt mächtig aus. Mehr Von Christoph Becker, Melbourne

16.03.2015, 07:45 Uhr | Sport
Formel 1 Vettel: Wollen mit Ferrari zweite Kraft werden

Sebastian Vettel hat sich am Donnerstag in Mönchengladbach zuversichtlich gezeigt, mit seinem neuen Team Ferrari Spitzenergebnisse in der Formel-1-Saison 2015 erreichen zu können. Mehr

05.03.2015, 16:04 Uhr | Sport
Formel-1-Saisonauftakt Hamilton siegt vor Rosberg und Vettel

Mercedes dominiert auch den Formel-1-Saisonauftakt in Melbourne. Hamilton siegt vor Rosberg. Vettel hat bei seinem Ferrari-Debüt großen Rückstand, ist aber begeistert nach einem Rennen, bei dem so wenige Fahrer starten wie zuletzt 1963. Mehr Von Christoph Becker, Melbourne

15.03.2015, 07:39 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.03.2013, 17:02 Uhr

Kein Pipifax

Von Anno Hecker

Dass falsche Fahnder bei einem Boxkampf auftauchen und Sportler zur Probe und zur Kasse bitten, ist neu – und für die Antidopingagentur Nada alles andere als lustig. Mehr