Eines will Stéphane Peterhansel ganz sicher nicht: wieder Vierter werden. In den vergangenen beiden Jahren hatte sich der Franzose mit genau diesem Platz zufriedengeben müssen bei der Dakar-Rallye. Zu mächtig war die Konkurrenz von Volkswagen gewesen, die die ersten Plätze der wilden Wettfahrt durch Argentinien und Chile unter sich ausmachten. Diesmal ist aber alles ganz anders - nicht nur, weil die Rallye erstmals seit ihrem Umzug von Afrika nach Südamerika durch drei Länder führt: Argentinien, Chile und Peru, wo das Rennen am Sonntag, dem 15. Januar, in Lima endet. Anders ist alles, weil Volkswagen aus dem Dakar-Projekt ausgestiegen ist und sich auf den für 2013 geplanten Einstieg in die Rallye-WM vorbereitet. Und deshalb gibt es in diesem Jahr einen großen Favoriten: Stéphane Peterhansel.
„Ich will meinen zehnten Sieg“, sagt der erfolgreichste Fahrer, der bei der Dakar je dabei war. Sechsmal gewann er zwischen 1991 und 1998 das Wüstenrennen auf einem Yamaha-Motorrad, dreimal, 2004, 2005 und 2007, feierte er Erfolge in Autos von Mitsubishi. Wer die Dakar gewinnen will, der muss vor allem eines: besser sein als Peterhansel.
Und das ist schwer. Der große Favorit, der für den in der hessischen Stadt Trebur ansässigen Rennstall X-raid in einem Mini All4 Racing startet, ist auf dem besten Weg, seinen zehnten Titel zu gewinnen. Am Samstag kam der kantige Franzose als Dritter ins Ziel von Copiapó, wo die Rallye am Sonntag eine Atempause eingelegt hat. Die beiden Hummer-Geländewagen von Nasser Al Attiyah und Robby Gordon waren schneller, aber nicht schnell genug, um Peterhansel die Gesamtführung abzujagen. „Wir dürfen jetzt keinen Fehler mehr machen, um die Chancen auf den Sieg zu wahren“, sagte Peterhansel.
Der Franzose ist ein Meister seines Fachs, einer, der Leidenschaft und Können so verkörpert wie wohl kein anderer Fahrer dieser umstrittenen Motorsportart. „Die Dakar zu fahren, das ist mein Leben“, sagt der Franzose, für den die Teilnahme an dem damals als Wettbewerb der Individualisten und Abenteurer gegründeten Dakar „ein Traum“ war, „seit mir mein Vater mit acht Jahren das erste Motorrad geschenkt hat“. Der Motorsport hat Peterhansel schon früh geprägt und fasziniert. Sein Vater arbeitete als Rennmechaniker und fuhr selbst Trialrennen.
Den Junior zog es zum Motocross. Erst mit 16 ist er sein erstes Rennen gefahren; zuvor hatte er andere Interessen: Skateboardfahren beispielsweise. Mit 13 Jahren war er französischer Meister auf dem Rollbrett, auf dem er sein Bewegungstalent ausleben und seinen ausgeprägten Sinn für das Gleichgewicht perfektionieren konnte. „Das war eine Episode“, sagt er und winkt ab. Später habe er angefangen, sich zu langweilen - und gab im Motocross Gas. Er war auf Anhieb gut und wurde 1988 Enduro-Weltmeister.
Dann kamen die Rallyes. Und 1991 die erste Dakar. Als einziger Motorradfahrer hatte er überlegenes Material, das Yamaha dem Werksfahrer zur Verfügung stellte. Mit dem Können im Sattel war Peterhansel kaum zu schlagen. Als Sportsmann haderte er damit und forderte, dass auch andere Teams mit Werksunterstützung fahren könnten. Er habe einmal bei Yamaha nachgefragt, was seine Maschine, die eine Spezialanfertigung war, denn wert sei, erzählt er. Rund 300.000 Mark, habe die Antwort gelautet. Laut Reglement durfte eine Maschine aber nur 40.000 Euro kosten.
Der Franzose hat sich seinen kritischen Geist bewahrt. Die moderne Dakar sieht er zwiespältig. Sie sei einfach anders als die ursprüngliche, die in Afrika gefahren wurde. Man möge ihm in Chile und Argentinien verzeihen, sagte er im vergangenen Jahr der „Berliner Zeitung“: „Aber wir fahren jeden Tag an McDonald’s-Buden und Städten vorbei. Wer will, kann immer ein Hotel finden oder ein Restaurant. Und wer ein Problem mit seinem Fahrzeug hat, ist nie ganz allein. Schon nach fünf Minuten schaukelt ein Lkw mit Einheimischen um die Ecke. Das ist nobel, aber nicht wie in Afrika. Wir sind zu nah an der Zivilisation.“
Peterhansel ist zwar immer noch dabei, aber die Dakar ist nicht mehr das Rennen, in das er sich als Junge verliebt hatte. „Früher war es Abenteuer, heute ist es Sport“, sagt er, „aber seinen Reiz hat es nicht verloren.“
Geblieben ist die große Gefahr, die von der Rallye ausgeht. 61 Menschenleben hat sie bislang gefordert. Kurz nach dem Start am 1. Januar war der argentinische Motorradfahrer Jorge Martínez Boero tödlich verunglückt. Zudem gab es zahlreiche schwere Stürze. Peterhansel kennt die Gefahren, die vor allem für die Motorradfahrer stets akut sind. Wirklich darüber nachgedacht, deshalb der Dakar den Rücken zu kehren, habe er nie. „Um in einem solchen Rennen dabei zu sein, zahlst du eine Menge Geld“, sagt er. „Und jeder, der zahlt und hier unterschreibt, weiß genau, dass er ein Risiko eingeht.“
Peterhansels Talent ist nicht in Abrede zu stellen...
Hektor Andresen (CLS63AMG)
- 10.01.2012, 15:17 Uhr
Das Erbe der Quants!
Joachim Schmid (Joschma)
- 10.01.2012, 12:22 Uhr