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Stefan Bradl Intelligent und schnell

 ·  Stefan Bradl fährt auf der Überholspur. Der deutsche Motorrad-Star hat den Sprung in die MotoGP überraschend schnell geschafft. Am Sachsenring steuert er neue Aufgaben an.

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© dpa Im Fokus: Stefan Bradl will vor rund 180.000 erwarteten Zuschauern am Sachsenring seine Klasse zeigen

Einer seiner Mechaniker schiebt den weißen Roller direkt vor den Hinterausgang der Box, und wenige Sekunden später tritt Stefan Bradl heraus ins Sonnenlicht. Sein Vater Helmut folgt mit einigen Metern Abstand und trägt dessen Lederkombi. Dann fahren sie los. Der Junior am Steuer, der Senior als Beifahrer. Das erste Training für den Motorrad-Grand-Prix am Sachsenring ist beendet, längst analysieren die Ingenieure die Daten und sind sehr zufrieden mit den Leistungen des Deutschen: „Ehrlich gesagt, ich bin beeindruckt von Stefan“, sagt Teamchef Lucio Cecchinello. „Er fährt sehr intelligent, er macht kaum Fehler und ist zudem ausgesprochen schnell. Ich hätte nicht gedacht, dass er so gut ist.“ Dann lacht er, lehnt sich zurück in seinen Ledersessel und schaut aus dem Fenster des Team-Trucks. Die Bradls biegen um die Ecke, die Fans machen Fotos, viele hoffen noch auf ein Autogramm.

Cecchinello ist der Mann, der Bradl in die MotoGP geholt und dafür auch ein gewisses Risiko auf sich genommen hat. Ein kleiner Mann mit schmalen Schultern, der selbst Rennfahrer war und sich danach mit seinem LCR-Team selbständig machte. „Die Sponsoren wollten natürlich wissen, was wir ihnen bieten können“, sagt der Zweiundvierzigjährige. „Bislang sind sie sehr zufrieden, wir sind voll im Plan.“

180.000 Zuschauer erwartet

Bradl hat eine neue Stufe in seiner Karriere erreicht, und es soll nicht die letzte bleiben. 51 Punkte nach sieben Rennen, Platz 9 in der Gesamtwertung - schon lange ist kein Neuling mehr derart beeindruckend in die Königsklasse des Motorradrennsports gestartet. „Es läuft wirklich gut“, sagt Bradl. „Ich fühle mich wohl auf der Maschine und habe sehr viel Spaß dort draußen.“ Es ist das erste Heimrennen von Bradl in der Klasse der großen Jungs. Rund 180.000 Zuschauer erwarten die Veranstalter an diesem Wochenende, und der Deutsche steht im Fokus wie selten zuvor.

In den vergangenen Jahren stellte Vater Helmut den Wohnwagen der Familie stets auf einem Campingplatz nur wenige Kilometer von der Strecke entfernt ab. Abends grillten die Bradls, und manchmal kamen Freunde vorbei. Es war ein Ort der Ruhe, der heute für ihn keiner mehr wäre. „Das Camping ist keine Option. Ich müsste mich vermutlich vermummen, damit die Leute mich nicht erkennen“, sagt Bradl. „Der Stress wäre einfach zu groß.“

„Er hat Talent“

Stattdessen lebt er während des Grand-Prix-Wochenendes in einem modernen Wohnmobil direkt an der Rennstrecke. Eine Pressefrau koordiniert all seine Termine, überall sind Leute um sein Wohl besorgt. „Natürlich spürt er den Druck“, sagt Teamchef Cecchinello. „Aber Stefan wirkt so, als ob ihn nichts aus der Ruhe bringen könnte. Das ist die Herangehensweise eines Champions.“ Deshalb hat er Bradl vor dieser Saison mit einem sechsstelligen Betrag vom deutschen Rennstall Kiefer Racing losgelöst. Es war sein erster großer Vertrauensbeweis.

Monate später sind die Experten verwundert und die Gegner beeindruckt. „Er hat Talent, sonst wäre Stefan nicht hier“, sagt Casey Stoner. „Aber er muss noch dazu lernen. Ich sehe oft, wie er im Training anderen Piloten hinterherfährt, er benutzt sie wie einen Hasen und schaut sich ihre Linie ab. Er muss jedoch selbst ein Gefühl für die Maschine entwickeln.“ Stoner fährt für das Werksteam von Honda, der Australier wurde zwei Mal Weltmeister in der MotoGP-Klasse, am Ende der Saison beendet er seine Karriere. Mit 26 Jahren. Doch Honda besitzt eine Option und kann Bradl schon zum neuen Jahr aus dem Satellitenteam ins Werksteam holen. „Bisher gab es keine Gespräche“, sagt Cecchinello. „Vom Potential her könnte es Stefan schaffen. Und selbst wenn es diese Klausel nicht im Vertrag gebe, ich würde ihm diese Chance niemals verbauen.“ Und auch Bradl sagt: „Ein Vertrag bei einem Werksteam wäre natürlich der nächste Schritt.“

Aus Fehlern gelernt

Sein Oberkörper ist muskulöser geworden in den vergangenen Monaten, das Gesicht markanter. Bradl hat das bubenhafte verloren, er wirkt noch entschlossener als im vergangenen Jahr, und da wurde er immerhin Weltmeister in der Moto2-Klasse. Seit achtzehn Jahren hat kein Deutscher vor ihm mehr den Titel gewonnen. Spurenlos geht all das nicht an ihm vorbei. Der Mittelfinger der rechten Hand ist noch immer blau, es ist die Erinnerung an den Sturz von Silverstone im Juni. Auch den linken Arm zieren mehrere Narben, nur sein Ausritt in den Kies vor einer Woche in Assen blieb ohne Folgen - zumindest äußerlich. „Ich habe daraus gelernt“, sagt Bradl. Als Vierter, so weit vorne wie nie zuvor in der MotoGP, ging er ins Rennen, und wollte danach zu schnell angreifen. „Ich war ein bisschen zu enthusiastisch, wurde ein bisschen übermütig.“ Doch Übermut wird sofort bestraft von diesen Maschinen mit 250 PS.

Sein Teamchef sah das Gute im Sturz: Da ist einer, der sich nicht zufrieden gibt mit dem, was er erreicht hat. „Stefan will immer weiter nach vorne, und jetzt muss er den nächsten Schritt machen“, sagt Cecchinello. Wo diese Geschichte enden könnte? „Ich traue ihm zu, dass er auch in der Königsklasse Weltmeister wird. In zwei oder drei Jahren könnte er so weit sein.“

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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