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Sebastian Vettel im Gespräch : „Es gibt hier kein Vettel-Regime“

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Mit dem Rücken zur Wand? Bildlich schon, aber abgesehen davon hat Vettel bewiesen, dass er mit Drucksituationen bestens umgehen kann Bild: dpa

Sebastian Vettel ist der Chefpilot der Formel 1. Im Interview spricht er vor dem Großen Preis von Deutschland über die leidige Reifendebatte, Schauspieler in der Formel 1, seine Führungsrolle und die Entscheidung, Red Bull nicht zu verlassen.

          Herr Vettel, wer hat bei Red Bull das Sagen?

          Das ist ziemlich einfach bei uns. An der Strecke entscheidet Teamchef Christian Horner, beraten wird er von Helmut Marko (Motorsportdirektor von Red Bull), und aus dem Hintergrund wirkt Herr Mateschitz (Teameigentümer und -besitzer).

          Und welche Rolle spielen Sie als Weltmeister dabei?

          Natürlich werde ich einbezogen, wenn es etwa um die Entwicklung des Autos geht. Ich gehe auch davon aus, dass sie mich fragen werden, wer für mich als zweiter Fahrer in Frage kommt - aber das ist nicht meine Entscheidung. Ich setze mich mit niemandem an den Tisch und sage: Bitte unterschreiben Sie hier! Damit habe ich nichts zu tun, meine Berufsbezeichnung ist Rennfahrer. Und als Rennfahrer fährt man in erster Linie Rennen.

          Haben sich Ihre Aufgaben verändert im Laufe der Jahre, sind Sie in eine Führungsposition hineingewachsen?

          Klar, mir ist bewusst, dass ich mehr machen muss, als nur schnell Auto zu fahren. Ich habe Einfluss auf die Motivation des Teams, auf die Atmosphäre in der Garage.

          Sind Sie ein strenger Chef?

          Ich bin nicht der Teamchef, aber ich bin jetzt im fünften Jahr in diesem Team, hier wissen alle, was ich will. Und sie haben kein Problem damit. Natürlich bin ich fordernd, ich verlange von allen, dass sie diszipliniert sind und ihren Job so gut machen, wie sie können. Ich will, dass sich jeder ordentlich auf seine Aufgaben vorbereitet, dass sie fit zur Arbeit erscheinen, sich nicht irgendwie ablenken lassen, und dass wir hier nichts dem Zufall überlassen. Wenn es dann Grund zum Feiern gibt, können wir es auch mal krachen lassen, das haben sich dann alle verdient. Es gibt hier kein Vettel-Regime, um Gottes Willen, jeder hat seine Freiheiten. Aber ich erwarte einfach, dass das hier jeder genauso ernst nimmt wie ich.

          Wie vermitteln Sie diese Regeln?

          Ich strahle sie permanent aus, ich will als Vorbild vorangehen. Vieles passiert unterbewusst. Es kommt selten vor, dass ich mich hinstelle und sage: Pass auf, mit dir habe ich ein Problem, du musst dich ändern! Aber natürlich gab es auch schon diese Situationen.

          Die Formel 1 ist also ein ständiger Kampf um Kontrolle. Wie anstrengend ist eine Saison?

          Mental ist das alles sehr fordernd. Ich versuche deshalb, nach einer Saison immer radikal abzuschalten, und kapsele mich ein bisschen ab. Früher konnte ich mir das gar nicht vorstellen, da habe ich jede Sekunde eines Jahres an das Rennfahren gedacht, da drehte sich bei mir fast jeder Gedanke um die Formel 1, weil ich da unbedingt hinwollte. Aber so kannst du nicht permanent leben, ansonsten erschöpfen dich der Druck und der Stress irgendwann. Jeder Fahrer in der Formel 1 hat sehr viel Talent, der eine mehr, der andere weniger. Am Ende wird im Kopf entschieden, wer gewinnt - wie in jeder anderen Sportart auch.

          In der vergangenen Saison hat Fernando Alonso (Ferrari) immer wieder versucht, Sie zu provozieren, Sie aus der Ruhe zu bringen. Können Sie das einfach ignorieren?

          Nein, ich bekomme das schon mit. Aber ich will mich nicht davon beeinflussen lassen. Ob irgendeiner was sagt, ob es mir gefällt oder nicht - das ist nicht entscheidend für den Ausgang einer WM.

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