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Schumacher gegen Alonso Die Autos gleich schnell, die Fahrer gleich cool

 ·  17 Punkte Rückstand hat Michael Schumacher vor dem Formel-1-Rennen in Hockenheim auf Fernando Alonso. Momentan fahren beide auf gleichem Niveau. Dennoch gibt der Deutsche Anlaß zu Optimismus im Titelrennen.

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Die Vereinigung nicht mehr ganz so junger Männer bringt sich schon mal in Stimmung: „Schumi, Schumi noch einmal, es war so wunderschön.“ Das Leben auf den Campingplätzen im Schatten der Tribünen des Hockenheimrings trägt drei Tage vor dem Großen Preis von Deutschland nicht eben viel Spannung in sich. Das umfangreiche Rahmenprogramm beginnt erst noch, da sorgen die Fans in Eigenregie für die ersten mit Alkohol angesetzten kulturellen Höhepunkte.

„Rotkäppchen“, an ihrer Kopfbedeckung zu identifizierende Fans des deutschen Renn-Heros Michael Schumacher, sind in diesem Sommer wieder häufiger unter Hockenheimer Bäumen anzutreffen. Die Siege des siebenmaligen Weltmeisters in den beiden letzten Formel-1-Rennen in Indianapolis und Magny-Cours haben sie wieder verstärkt ans Tages- und Mondlicht gebracht. „Da geht noch was“, sagt Heinz aus Solingen und meint Schumachers Rückstand zu WM-Spitzenreiter und Titelverteidiger Fernando Alonso.

„Die Bedeutung der Teampartner wird überschätzt“

17 Punkte fehlen dem Kerpener noch. Umgerechnet in Plazierungen sind das ein Sieg und ein zweiter Platz bis zum Führungswechsel, falls der Spanier zweimal die Ziellinie nicht erreichte. Aber das ist ja das Phänomen, das „Rotkäppchen“ so leiden läßt. Alonso fährt immer ins Ziel. Und so kommt eine andere, viel frustrierendere Rechnung in den Sinn: Michael Schumacher könnte alle verbleibenden Grand Prix gewinnen, und Alonso würde dennoch Weltmeister. Dazu müßte er jeweils Platz zwei belegen.

Daß sich jemand zwischen die beiden schiebt, davon kann im Moment niemand ausgehen. Der Ferrari-Star und die Nummer eins von Renault fahren in einer Klasse für sich. Ihre Partner Felipe Massa (Ferrari) und Giancarlo Fisichella (Renault) können da nicht mithalten, obwohl sie über das gleiche Equipment verfügen. „Die Bedeutung der Teampartner wird überschätzt“, sagte Alonso am Donnerstag. „Wer Fahrer-Weltmeister wird, entscheidet sich im direkten Vergleich zwischen Michael und mir.“ Lediglich für die Teamwertung, die sogenannte Konstrukteursweltmeisterschaft, sei die Ausbeute der Kollegen ausschlaggebend.

Gleich schnell und ein Unentschieden im Reifenkrieg

Der Spanier und der Deutsche sind sich in der Beurteilung der derzeitigen Lage einig: Ihre Rennwagen fahren im Prinzip gleich schnell. Und auch im Reifenkrieg zwischen Michelin (Renault) und Bridgestone (Ferrari) steht es derzeit unentschieden - was einen Fortschritt für die Japaner bedeutet. Die Reihenfolge im Rennen hängt davon ab, in welchem Maße die Fahrer und Techniker das Potential der Pneus auf der jeweiligen Rennstrecke umsetzen können. Kleinste Änderungen in der Abstimmung des Fahrwerks oder der Aerodynamik bewirken viel, ebenso einige Grad Celsius Veränderung der Asphalttemperatur.

Alonso hat aus den besonders engen Verhältnissen seine Schlüsse gezogen. „Ich kann nicht zu defensiv fahren, aber ich werde wegen einer Zehntelsekunde Zeitgewinn kein großes Risiko eingehen.“ Das bedeutet allerdings nicht, daß er im Kampf um den Sieg zurückstecken wird: „Wenn ich spüre, ich bin der Schnellste des Wochenendes, dann will ich auch gewinnen. Es kann ja beim nächsten Rennen schon wieder anders sein.“ Punkte zu verschenken hat Alonso nicht, obwohl ihm zweite Plätze genügen.

„Ich kann keine Schwäche an Michael entdecken“

Der Spanier hält seine Ausgangsposition für viel bequemer als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Auch damals führte er in der WM - „aber damals waren die McLaren-Mercedes eine halbe Sekunde pro Runde schneller als ich. Ich konnte nur gewinnen, wenn Räikkönen oder Montoya technische Probleme hatten.“ Es reichte damals für ihn zum Titel, weil den McLaren-Mercedes-Boliden die Zuverlässigkeit fehlte - und er einfach keinen Fehler beging. „Ich muß es wie 2005 machen - cool bleiben“, sagt Alonso, und er wirkt nicht so, als ob ihn die Anforderung überforderte.

Daß nun sein Gegner Schumacher heißt und nicht Räikkönen, erleichtere ihm die Arbeit nicht - trotz des hohen Alters des Titel-Konkurrenten. „Ich kann keine Schwäche an Michael entdecken. Wir treiben einen Sport, bei dem es auf das Körperliche nicht entscheidend ankommt.“ Alonso, der an diesem Samstag 25 Jahre alt wird, fügt hinzu: „Wenn bei ihm die Reflexe nachgelassen haben sollten, dann minimal. Das wird durch seine Erfahrung mehr als ausgeglichen. Man wird Jahr für Jahr ein besserer Rennfahrer, auch mit 37.“ Wenn das gleiche für Alonso gilt, dann bahnt sich für die Konkurrenten des frühreifen Spaniers noch eine Menge Ärger an.

Schumacher ohne Prognosen, aber mit Optimismus

Michael Schumacher scheut sich in Hockenheim - gegen seine Gewohnheit -, dezidiertere Prognosen abzugeben. „Dazu geht es zu eng zu. Wer mit den Reifen den optimalen Punkt genauer trifft, der wird gewinnen. Kleinigkeiten geben den Ausschlag.“ Immerhin gibt er seinen Fans ein wenig Anlaß zum Optimismus: „Wir verstehen das Zusammenspiel der Reifen mit dem Auto jetzt besser und können unsere Entscheidungen genauer treffen als früher.“ Was das wert ist im Großen Preis von Deutschland, wird sich erst an diesem Samstag und am Sonntag zeigen.

Der Freitag gab kaum Aufschlüsse über das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen Schumacher und Alonso. Im ersten Trainingslauf fuhr der Lokalmatador keine einzige Runde, im zweiten verhinderten Regenschauer einen Leistungsvergleich. Was auch sein Gutes hatte: Die Spannung im Zweikampf baute sich nur noch weiter auf.

Quelle: F.A.Z., 29.07.2006, Nr. 174 / Seite 30
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