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Robert Kubica : Spektakuläres Comeback in der Formel 1?

Wieder mittendrin in der Formel 1: Erst testet Robert Kubica für Renault, dann für Williams. Bild: dpa

Robert Kubica galt als riesiges Talent. Dann allerdings verlor bei einem Crash fast einen Arm. Nun könnte es zur sagenhaften Rückkehr in die Formel 1 kommen. Nur eine wichtige Frage ist noch offen.

          Nach dem Saison-Finale der Formel 1 am vergangenen Sonntag geht es nun um alles. Ein paar Runden auf der Rennstrecke von Abu Dhabi werden entscheiden über den Erfolg einer sechs Jahre langen Suche. Eigentlich stehen die Tests der neuen Gummimischungen für 2018 auf dem Programm. Ein schnödes, ermüdendes Kreisen, das die Stars der Szene gerne meiden. Robert Kubica kann es kaum abwarten. Seine Touren im Williams werden entscheiden, ob der Pole seinen Albtraum in ein spektakuläres Comeback verwandeln kann.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Kubica? Das ist der smarte, schnelle Pole von BMW-Sauber. Gefühlt Lichtjahre ist es her, dass er die Formel 1 aufmischte: Eigensinnig, waghalsig, unerschrocken, respektiert, weil hoch talentiert. Nach Schumacher, nach Alonso schien er neben dem aufstrebenden Lewis Hamilton und dem frechen Sebastian Vettel der erste Kandidat für die Champions-Riege. Alles nur eine Frage der Zeit. Bis es passieren würde. Oder bis etwas passieren würde – wie es enge Wegbegleiter fürchteten. Kubica büxste gerne aus, rauschte von der wie auf Schienen fixierten Formel 1 immer wieder in die Rallye-Szene.

          Die hohe Kunst auf der Rundstrecke ist es, das Auto so stabil wie möglich durch die Kurve zu jagen. Über Stock, Stein und Schotter geht es bei Tempo 200 und mehr um die Kontrolle der ewigen Instabilität. Kubica hat sie verloren. In Italien, im Februar 2011, während einer kleinen, unbedeutenden Rallye-Runde. Eine Leitplanke bohrte sich in sein Auto, riss es auf bis zum Schalthebel. Notärzte befürchteten das Schlimmste, wenigstens eine Amputation. Aber sie retteten sogar den fast abgetrennten rechten Unterarm. Die Formel 1 erschrak für einen Moment, schüttelte das Haupt – und fuhr davon. Es gab Wichtigeres für Kubica. Er lebte. „Robert ist ein Genie.“ Das sagt Nico Rosberg, der inzwischen zurückgetretene und abgelöste Weltmeister.

          Bei einer Rallye in Italien verletzte sich der Pole schwer im Jahr 2011.
          Bei einer Rallye in Italien verletzte sich der Pole schwer im Jahr 2011. : Bild: dpa

          Rosberg könnte man ein Interesse nachsagen. Seit einiger Zeit managt er den 33 Jahre alten Polen zusammen mit Alessandro Alunni Bravi. Der Deutsche ist Partei, aber überzeugt: „Weil ich (in der Jugend) gegen ihn gefahren bin, mit dem gleichen Material. Ich weiß, was er draufhat.“ Draufhatte, damals. Kubica bescherte Sauber (als Partner von BWM) den einzigen Sieg in nun 25 Jahren. Er führte die Fahrerwertung vor Hamilton (McLaren-Mercedes) und Ferrari-Pilot Felipe Massa an, glaubte sich aber im Spätsommer von seinem Team verlassen. BMW reduzierte das Entwicklungstempo des Boliden, um Kräfte für 2009 zu bündeln. Vergeblich. Der Konzern stieg aus, Kubica wechselte zu Renault und fing von Neuem an. Mit brillanten Rennen, die ihm die Aussicht auf eine Beförderung in ein Top-Team bescherten. Ferrari schien kein Traum mehr. Bis die Leitplanke seinen Unterarm zerschmetterte.

          Gas geben können sie alle. Die Fußarbeit ist virtuos, aber Standard in der ersten Klasse. Heute hat das Handwerk einen wesentlichen Anteil am Erfolg in der Formel 1, die ständige Justierung des Boliden von Kurve zu Kurve. Kann Kubica mit der eingeschränkten rechten Hand die Knöpfe und Drehschalter auf dem Lenkrad so virtuos bedienen wie einst Rosberg auf seinem Weg zum Titel? Rosberg nickt. Der Speed auf eine Runde, die Konstanz über eine Renndistanz? Alles da. Kubica ist getestet worden. Erst von Renault im Sommer in einem alten Lotus E20: „Ich habe gemischte Gefühle“, sagte er anschließend: „Ich bin stolz auf das, was ich (beim Test) erreicht habe. Doch da zeigte sich auch, was ich verloren habe.“ Dennoch gewährte ihm Renault nach dem Großen Preis von Ungarn einen offiziellen Test im aktuellen Boliden. Und entschied sich doch für den hochgeschätzten Carlos Sainz jr. von Toro Rosso als Stammpiloten an der Seite von Nico Hülkenberg. Ist Kubica also doch nicht so reif, wie es Rosberg glaubt?

          Die (bekannte) Liste der Piloten, die das Fernduell mit dem schlanken, wortkargen Krakauer schon verloren haben, ist vielsagend: Pascal Wehrlein (bislang ohne Vertragsverlängerung bei Sauber), der Schotte Paul di Resta, beide ohne Handicap, machen sich keine Hoffnungen mehr auf ein Engagement bei Williams. Stammpilot Felipe Massa, mit elf Siegen im Ferrari zu Ruhm gekommen, nahm am Sonntag widerwillig seinen Abschied von der Formel 1. Der Rennstall zieht Kubica nach einem Test in einem älteren Williams vor. Zwar ließ die Teamleitung eine kolportierte Vertragsunterzeichnung vor Wochen dementieren.

          Die Konstellation des Testprogramms verrät aber eine gewisses Vor-Urteil: Kubicas Leistung am Dienstag soll mit der des jungen Stammpiloten Lance Stroll verglichen werden. Am Mittwoch tritt Kubica dann gegen den russischen Bewerber Sergej Sirotkin an. Im Fahrerlager ist vom ultimativen Check die Rede. Als der Technische Direktor Paddy Lowe mit dem Gerücht konfrontiert wurde, Kubicas Aussagen über das Auto während eines Simulator-Tests seien in die Abstimmung der Boliden von Massa und Stroll geflossen, antwortete der Brite: „Ich weiß nicht, woher das kommt. Das soll nicht heißen, dass ich es dementiere.“ Seitdem blühen die Geschichten vom sagenhaften Comeback. Nur eine Frage wird sich erst im Ernstfall beantworten lassen: ob Kubica bei einem Crash vor seiner Nase so schnell am Lenkrad drehen kann wie ein Kollege mit zwei zupackenden Händen.

          Quelle: F.A.S.

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