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Comeback in der Formel 1? : Das dritte Rennfahrer-Leben des Robert Kubica

Ein lächelnder Robert Kubica: Kommt es für den gebeutelten Profi bald zur Rückkehr ins Formel-1-Auto? Bild: AFP

Robert Kubica war einst ein gefragter Formel-1-Pilot, bis er sich bei einem Rallye-Unfall schwer verletzte und um seine rechte Hand bangen musste. Nun hat der Pole sich zurückgekämpft. Ist er sogar wieder ein Kandidat bei Renault?

          Es sind nur ein paar Sätze, aber sie beflügeln die Phantasie. „Wir machen das nicht zu PR-Zwecken“, sagte Cyril Abiteboul, der Renndirektor von Renault, in Silverstone: „Was ich Ihnen aber sagen kann: Er ist noch immer schnell, noch immer sehr beständig, und was noch wichtiger ist: dass er immer noch diese Energie, diesen Antrieb hat.“

          Er – das ist Robert Kubica, der bisher einzige polnische Fahrer in der Geschichte der Formel 1, eines der größten Rennfahrer-Talente der vergangenen beiden Jahrzehnte. Im Februar 2011 hatte er sich bei einem Unfall in einem Rallyewagen jedoch schwer am Arm verletzt – es schien das Ende für Kubica in der Königsklasse des Motorsports. Aber nun? Vielleicht gibt es doch noch ein Comeback.

          Anfang Juni saß der Zweiunddreißigjährige erstmals wieder in einem Formel-1-Wagen. Auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia drehte er im Auftrag von Renault 115 Runden am Steuer eines Lotus E20 aus der Saison 2012. In der vergangenen Woche folgte der zweite Test. Auf dem Kurs Paul Ricard in Le Castellet absolvierte er 90 Runden, abermals in einem E20. Der nächste Schritt ist schon terminiert. Nach dem Rennen in Ungarn Ende Juli wird Kubica bei den offiziellen Testfahrten auf dem Hungaroring dabei sein. Dann in einem der Rennwagen der neuesten Generation, die weit schneller sind als die Modelle von vor fünf Jahren und die Piloten deshalb physisch viel mehr fordern. Das ist der Ernstfall für ihn. „Ich glaube, die meisten Fragezeichen sind verschwunden. Ich habe ein sehr gutes Gefühl“, sagt Kubica. „Bei den Tests ging es darum, zu sehen, ob ich es schaffen kann oder ob ich die Tür zur Formel 1 für immer schließen muss.“

          Sein schwerer Unfall ebnete Vettel das Formel-1-Debüt

          Bei 76 Grands Prix stand er bisher für BMW-Sauber und Renault am Start. 2008 gelang ihm in Montreal sein einziger Sieg. Ein Jahr zuvor hatte er dort noch einen der schwersten Unfälle in der Geschichte der Formel 1 unverletzt überlebt. Bei Tempo 300 war sein Bolide abgehoben und in die Betonmauer gekracht, danach überschlug sich das Wrack mehrere Male, landete in den Leitplanken, ehe es schließlich zum Stillstand kam. Sogar die Sicherheitszelle wurde beschädigt, der damals 22 Jahre alte Kubica aber blieb unverletzt.

          Deshalb verstand er auch nicht, warum ihn die Ärzte eine Woche später beim Rennen in Indianapolis vorsichtshalber nicht starten lassen wollten. Stattdessen kam Sebastian Vettel seinerzeit zu seinem Debüt in der Formel 1. Kubica galt als kompromisslos und schnell – und immer dann, wenn irgendwo ein Cockpit bei einem der Top-Teams frei wurde, fiel auch sein Name. Im Jahr 2011 wollte er mit Lotus-Renault richtig angreifen, regelmäßig um Plätze auf dem Podium kämpfen.

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          Doch der 6. Februar 2011 veränderte sein Leben auf einen Schlag. Bei der „Ronde di Andora“, einer kleinen Rallye durch Ligurien, verlor Kubica auf der nassen Fahrbahn die Kontrolle über seinen Skoda Fabia, eine Leitplanke durchbohrte den Rennwagen. Kubica zog sich schwere Handverletzungen, tiefe Schnitte sowie Arm- und Beinbrüche zu. An manchen Tagen wurde er gleich mehrmals operiert, erst nach zwei Monaten durfte Kubica das Krankenhaus in Italien wieder verlassen. Die Durchblutung seiner rechten Hand konnte gewährleistet werden, die Nervenstränge wurden wieder zusammengefügt. Kubica spricht nicht von einer Behinderung, er sagt, dass es „eine Limitierung“ sei, die er seither habe.

          Wieder eine Option für die Formel 1?

          Er ist Motorsportler geblieben, kämpfte sich Schritt für Schritt zurück in sein drittes Leben als Rennfahrer. Er fuhr für Citroen und Ford in der Rallye-Weltmeisterschaft, doch besonders auf engen Pisten hatte er immer wieder Probleme, ihm unterliefen Fahrfehler, öfter mal war er in kleinere Unfälle verwickelt. Er testete für Mercedes einen DTM-Rennwagen und soll die Experten dabei mit seinen Zeiten extrem beeindruckt haben, fuhr später auch im Formel-1-Simulator des Teams.

          In Spa-Francorchamps nahm er an einem Langstreckenrennen teil, es war die Rückkehr auf die Rundstrecke. Und nun die Formel 1? Renault-Renndirektor Abiteboul jedenfalls räumte in Silverstone ein, dass Kubica eine Option für die Fahrerpaarung im Jahr 2018 sei.

          Sein Teamkollege wäre dann vermutlich der Deutsche Nico Hülkenberg, der am Sonntag Sechster wurde und das interne Duell mit Jolyon Palmer in dieser Saison bisher deutlich zu seinen Gunsten entschieden hat. Wenn man so will, tritt Renault beinahe als Ein-Mann-Team an. Deshalb werden neben Kubica auch andere Fahrer genannt, die Palmer ersetzen könnten. Fernando Alonso etwa, der die Hoffnung langsam aufgibt, dass McLaren mit einer Antriebseinheit von Honda noch in Schwung kommt. Oder Carlos Sainz junior. Der Toro-Rosso-Mann hat zuletzt immer wieder betont, wie unglücklich er mit seiner Rolle im Schwesterteam von Red Bull sei, und offenbar sind die Verantwortlichen inzwischen bereit, den Spanier ziehen zu lassen.

          Hülkenberg jedenfalls sagte in der vergangenen Woche: „Robert war immer ein Beißer und Kämpfer.“ Allein die Tatsache, dass er sich wieder so herangearbeitet habe, spreche für ihn.

          Quelle: F.A.Z.

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