Home
http://www.faz.net/-gu4-7azmd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Reifenprobleme in der Formel 1 Links mit rechts vertauscht

Zwei Tage lang hat Hersteller Pirelli die Reifenschäden von Silverstone am vergangenen Formel-1-Wochenende analysiert. Das Ergebnis: Die Hinterreifen seien verkehrt herum montiert worden.

© dpa Vergrößern Ferrari-Pilot Felipe Massa fällt in Silverstone wegen eines geplatzten Hinterreifens aus: Hersteller Pirelli weist jede Schuld von sich

Es war spät am Dienstagabend, als sich die Verantwortlichen vom Reifenhersteller Pirelli zu Wort meldeten im Streit um die anfälligen Pneus. Sie schickten eine dreiseitige Erklärung in die Welt, erst auf Italienisch, dann auf Englisch, schließlich auf Deutsch. Zwei Tage hatten die Spezialisten von Pirelli die Reifenschäden von Silverstone am vergangenen Wochenende analysiert, unter Punkt eins ihrer Ergebnisse heißt es nun: „Die Hinterreifen wurden verkehrt herum montiert, das bedeutet: An den betroffenen Autos wurde der rechte Reifen plaziert, wo der linke hätte sein sollen, und umgekehrt. Die diesjährigen Slicks haben eine asymmetrische Struktur, sind daher nicht austauschbar.“ Weitere Ursachen seien ein zu niedriger Reifendruck, ein extremer Einstellwinkel beim Radsturz sowie die Randsteine in Kurve vier. Fazit: „Pirelli verweist darauf, dass die Reifengeneration 2013 bei korrekter Nutzung in keiner Weise die Sicherheit der Fahrer gefährdet.“ Sind also die Rennställe verantwortlich, weil die klugen Köpfe bei der Suche nach Geschwindigkeit an Grenzen gehen und manchmal auch darüber hinaus?

Michael Wittershagen Folgen:  

Die Verantwortlichen von Mercedes waren die Ersten, die sich schon beim Saisonstart in Melbourne für die ungewöhnliche Lösung entschieden und die beiden Hinterreifen seitenverkehrt montiert haben, um dadurch einen Vorteil bei der Abstimmung des Rennwagens zu erhalten. Andere Teams folgten dieser Idee. „Von Pirelli hat nie jemand einen Einwand gehabt und gesagt, dass dies für die Reifen oder die Sicherheit nicht gut ist“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff am Mittwoch. Das bestätigt auch Paul Hembery, der Sportchef von Pirelli und fügte hinzu: „In keiner Weise beabsichtigen wir einen Streit auszulösen oder irgendjemanden zu attackieren.“

Das Misstrauen bleibt

In zwei Stufen soll nun für mehr Sicherheit auf der Rennstrecke gesorgt werden. Beim Großen Preis von Deutschland an diesem Wochenende kommen neue Reifenkonstruktionen zum Einsatz. Das Stahlband in der Innenschulter der Reifen wird durch Kevlar ersetzt, auf diese Weise sollen die Gummis nicht so heiß werden. Pirelli wollte diesen Reifentyp schon zum Großen Preis von Kanada liefern, allerdings legten Lotus, Ferrari und Force India ihr Veto ein. „Manchmal braucht es dramatische Ereignisse, damit alle an einem Strang ziehen. Den Teams, die sich gegen die neuen Reifen gewehrt haben, sind jetzt die Augen aufgegangen: Man kann in dieser Sache nicht mehr opportunistisch seinen Vorteil suchen“, sagte Wolff. Zum Großen Preis von Ungarn Ende Juli will Pirelli dann vollkommen neue Reifenkonstruktionen liefern. „Es ist immer noch besorgniserregend, wir werden uns die Sache ganz genau anschauen. Aber ich bin mir sicher, dass sie die richtigen Schritte unternommen haben“, sagt Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton.

Mehr zum Thema

Der Internationale Automobil-Verband (Fia) hatte zudem entschieden, dass während des Nachwuchsfahrer-Tests in Silverstone vom 17. bis 19. Juli auch Stammfahrer zum Einsatz kommen dürfen. Mercedes wird nicht dabei sein, das Team war wegen eines Privattests mit Pirelli Mitte Mai von der Veranstaltung ausgeschlossen worden. „Die Strafe wird für uns ein klein wenig größer, aber uns geht es um die Sicherheit der Fahrer. Deshalb grätschen wir da nicht hinein“, sagte Wolff. Die Fia will Beobachter nach Silverstone zu den Übungsfahrten schicken, die meisten Teams sind ohnehin da und schauen Pirelli auf die Finger. Das Misstrauen bleibt.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Großer Preis von Italien Rosberg biegt falsch ab - Hamilton gewinnt

Lewis Hamilton startet schwach, hängt seinen Teamkollegen Nico Rosberg beim Großen Preis von Italien aber trotzdem ab. Der Zweikampf bei Mercedes wird immer enger. Mehr

07.09.2014, 15:25 Uhr | Aktuell
Sechs Mercedes-Motoren im Vergleich

Man höre nichts und staune: Formel-1-Boliden sind leise geworden. Wir haben sechs Mercedes-Motoren für einen Audio-Vergleich ausgewählt. Mehr

24.03.2014, 18:41 Uhr | Aktuell
Formel 1 in Russland Es ist gefährlich, die Nachrichten zu lesen

Fünf Wochen vor dem Grand Prix in Sotschi will die Formel 1 von Problemen wegen Putins Krieg in der Ukraine nichts wissen. Mehr

07.09.2014, 17:12 Uhr | Sport
Schumacher macht Fortschritte

Nach seinem Skiunfall liegt Michael Schumacher im künstlichen Koma. Der frühere Formel-1-Fahrer zeige nun aber Momente des Erwachens, teilte seine Managerin Sabine Kehm mit. Mehr

04.04.2014, 15:34 Uhr | Sport
Rosberg gegen Hamilton Dieses Duell kann Mercedes den Titel kosten

Das Duell der beiden Mercedes-Piloten Rosberg gegen Hamilton zehrt an den Nerven und könnte den Titel kosten. Motorsportchef Wolff droht beiden Piloten im Fall weiterer Kollisionen sogar mit Entlassung. Mehr

05.09.2014, 12:10 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.07.2013, 08:49 Uhr

Der Sam geht an die Hertha-Fans

Von Michael Horeni

Der Negativpreis Sam geht diesen Monat an Hertha BSC. So weit wie die Berliner müssen keine anderen Fans zu Auswärtsspielen reisen. Und das auch noch am Freitag und Sonntag. Mehr 1 1