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Red Bull hadert Schlechte Laune beim „Hühnerdieb“

 ·  Red Bull hadert weiter mit der Vettel-Bestrafung. Tatsächlich ist der Weltmeister beträchtlich ins Hintertreffen geraten - und zieht den Spott der Kollegen auf sich.

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© dpa Schlechte Laune: Vettel (m.), Marko (r.)

Die gute Laune ist vorerst dahin, der Ton wird schärfer bei den Verantwortlichen von Red Bull. Im Visier: der Internationale Automobil-Verband (Fia). Am Montagabend saß Helmut Marko beim Haussender „Servus TV“ vor den Kameras.Jeans, gestreiftes Hemd, Sakko und ein schlecht gelaunter Gesichtsausdruck - dem Motorsportberater von Red Bull waren die vergangenen Tage ganz offensichtlich aufs steirische Gemüt geschlagen.

„Das ist ja wie Todesstrafe für Hühnerdiebstahl“, sagte der Neunundsechzigjährige. Was er damit verglich? Die 20-Sekunden-Strafe für Sebastian Vettel beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring wegen dessen Überholmanövers gegen Jenson Button (McLaren). Dabei ist das Regelwerk der Fia eindeutig, in Artikel 20.2 heißt es: „Die Fahrer müssen zu jeder Zeit die Strecke benutzen. Sollte ein Fahrer die Strecke verlassen, darf er (ohne Strafe) zurückkehren, wenn die Sicherheit gewährleistet ist und er keinen Vorteil daraus erhält.“ Aber genau das war der Fall.

Auch der Weltmeister meldete sich inzwischen wieder zu Wort, nachdem er die Rennstrecke am Sonntagabend noch ohne eine Stellungnahme verlassen hatte: „Aus meiner Sicht ist eigentlich alles richtig abgelaufen, aber man kann nichts tun, wenn das die Verantwortlichen anders sehen“, schrieb der Fünfundzwanzigjährige auf seiner Homepage. „Es ist wie im Fußball: Der eine Schiedsrichter gibt Elfmeter, der andere nicht. Damit muss man dann leben.“

Aber wie geht man damit um? Vettel ist bekannt für seine Emotionalität, die in manchen Situationen schnell zum Trotz wird. Anfangs mussten ihm die Verantwortlichen von Red Bull sogar einmal erklären, dass er sich durchaus für einen zweiten oder dritten Platz freuen kann und nicht missmutig auf dem Podium stehen muss. Für Vettel aber zählt nur der Sieg, er war schon immer ein schlechter Verlierer - das hat er mehrmals offen zugegeben.

„Das sagt alles über seine Reife“

Doch in dieser Saison ist vieles neu für den Weltmeister und sein Team. Mit Ferrari gibt es erstmals seit 2010 wieder einen Gegner auf Augenhöhe. Mindestens. Zudem ist der Bolide mit der Typennummer RB8 ins Visier der Fia geraten, am vergangenen Wochenende war lange nicht sicher, ob die Motoreinstellung wirklich dem Reglement entspricht.

Die spannendste Frage der weiteren Saison ist deshalb nicht nur, ob Fernando Alonso Weltmeister wird. Mindestens genauso aufregend dürfte sein, wie Red Bull und der deutsche Chefpilot mit der neuen Situation umgehen. Und was die Kritik mit ihnen macht. In Hockenheim beschwerte sich Vettel darüber, dass ihn Lewis Hamilton (McLaren) überholt hat, obwohl er längst überrundet war.

Die englischen Boulevardblätter mögen solche Aussagen nicht, der „Mirror“ nannte den Deutschen deshalb eine „Heulsuse“. Und Hamilton sagte über die Reaktion von Vettel: „Es ist mir eigentlich egal, was er sagt. Aber ich denke, das sagt alles über seine Reife.“

Vor dem Rennen in Budapest an diesem Sonntag hat Vettel 44 Punkte Rückstand auf Alonso. Zum bislang letzten Mal war er vor knapp zwei Jahren in einer vergleichbaren Position. Doch mit einer starken zweiten Saisonhälfte schnappte er dem Spanier und seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber im letzten Rennen in Abu Dhabi doch noch den Titel weg und wurde jüngster Weltmeister in der Geschichte der Formel1.

Allerdings hat der Deutsche erst ein Rennen gewonnen in dieser Saison. Folglich hielt er seine Markenzeichen, den Vettel-Finger, nach Erfolgen schon lange nicht mehr in die Kameras - und doch wird er so als Wachsfigur vom kommenden Wochenende an bei „Madame Tussauds“ in Berlin zu sehen sein. Das Nacktmodel Micaela Schäfer, bekannt aus dem Dschungelcamp von RTL, soll das Kunstwerk in Lebensgröße enthüllen. Vettel wären andere Ehren in diesen Tagen lieber.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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