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Rallye Wiedersehen mit Wegelagerern in Uniform

 ·  Die Dakar-Rallye gilt als eines der letzten Abenteuer des Sports: Sand, Staub, Dünen, Weite der Wüsten. Nun droht eine neue Gefahr: Die Wettfahrt scheint ein mögliches Ziel von Terroristen.

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Der Mythos lebt. Die Dakar-Rallye gilt als eines der letzten, großen Abenteuer des Sports. Sand, Staub, Dünen, die endlose Weite des Wüstenmeeres, die Strapazen für ihre Teilnehmer, die Gefahren, die sich ihnen auf dem steinigen Weg zum Ziel in der senegalesischen Hafenstadt in den Weg stellen - dies alles macht die Faszination des so traditionsreichen wie umstrittenen Rennens aus. Das ist auch bei der 27. Auflage dieser Rallye nicht anders.

Wenn am 16. Januar der Troß der Rallyefahrzeuge in Dakar ankommt, werden wieder viele der Teilnehmer nach Pannen und Unfällen auf der Strecke geblieben sein. Die Risiken der Hochgeschwindigkeitshatz durch die Wüsten der Sahara und die mauretanischen Dünenlandschaften, die der rasende Troß in diesen Tagen durchquert, sind schwer kalkulierbar und fordern regelmäßig Opfer. Mindestens 42 Menschen haben seit Gründung der Rallye ihr Leben gelassen. Die Risiken für die Teilnehmer liegen dabei keineswegs immer nur im halsbrecherischen Tempo, mit dem sie auf den holprigen Pisten unterwegs sind. Manchmal lauern sie knapp daneben, im Sand am Wegesrand - wie die Landmine, auf die vor zwei Jahren ein Toyota-Servicewagen fuhr. Die Explosion kostete einen Mechaniker das Leben.

Warnung der amerikanischen Botschaft

Inzwischen droht der Rallye eine neue Gefahr. Als Medienspektakel der westlichen Welt ist die Wettfahrt durch die Wüste ein mögliches Ziel von Terroristen. Auch vor dieser Rallye hat es Hinweise darauf gegeben. Die amerikanischen Botschaft in Mauretanien hatte eine Warnung an alle amerikanischen Teilnehmer verschickt, in der von einem drohenden Anschlag die Rede war. Die mauretanischen Behörden berichteten daraufhin von der Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen, der dem Netzwerk Al Quaida nahestünde und einen Angriff auf amerikanische und europäische Rallyeteilnehmer geplant habe.

Die Veranstalter der Dakar, die französische Amaury Sports Organisation (ASO), die auch für die Tour de France verantwortlich ist, schätzt dabei die aktuellen Gefahren als geringer ein als in den vergangenen Jahren. Grund dafür seien Angriffe von Sicherheitskräften aus Mali und Niger, bei denen die bis dahin wohl gefährlichste Terroristenvereinigung, die "Salafist-Gruppe für Gebet und Kampf", schwer getroffen worden sei, berichtete die englische Tageszeitung "Guardian".

Eine zweite Gruppe sei von Rebellen im Tschad im März aufgebracht und die Mitglieder an ihr Herkunftsland Algerien ausgeliefert worden. "Ich glaube, daß zwar einige Terroristen noch da sind, aber sie sind sehr weit verstreut in der Westsahara, die sehr schwer zu kontrollieren ist", sagte Etienne Lavigne, der Renndirektor der Dakar. In den Gegenden, in denen die Rallye in diesem Jahr unterwegs sei, gäbe es aber keinen Grund zur Besorgnis.

Fahrer verdrängen die Gefahr

Letzte Sicherheit gibt es aber nicht. Die Teilnehmer verdrängen die Gefahren, so wie die Dakar-Siegerin von 2001, Jutta Kleinschmidt. "Egal wo du bist, du bist nicht hundertprozentig sicher. Ob man in Madrid in einem Zug sitzt oder in Amerika in einem Hochhaus: Das ist einfach alles nicht mehr sicher." Noch fatalistischer geht der amerikanische Millionär und Abenteurer Ronn Bailey, der in einem Chevrolet an der Dakar teilnimmt, die Sache an. "Ich glaube", sagt der Computerspezialist, "daß das größte, ernsthafte Risiko die Dehydrierung ist."

Die Warnungen der internationalen Geheimdienste sind oft nur schwer einzuschätzen. Im Jahr 2000, als die gesamte, damals von Dakar nach Kairo führende Veranstaltung in riesigen Transportflugzeugen vom Typ Antonov 124 evakuiert werden mußte, war von ernsthaften Bedrohungen der Rallye-Karawane im Norden des Niger die Rede.

Welche Absichten haben die Geheimdienste?

Bis heute ist nicht geklärt, was die genauen Hintergründe der Terrorwarnungen waren. Der französische Geheimdienst soll vor einem bewaffneten Konvoi mit logistischer Unterstützung im Norden Nigers gewarnt haben. Zur gleichen Zeit war in dieser Region aber auch der Kuweiter Fahad el Humaidi mit einer großen Jagdgesellschaft unterwegs, auf die die Beschreibung des Geheimdienstes recht genau paßte. Auch gab es Mutmaßungen, wonach Konvois von algerischen Viehzüchtern von den Geheimdiensten für Terroristen gehalten worden seien.

In der Wüste ist die Gefahr zuweilen viel konkreter. Im vergangenen Jahr wurden rund hundert Teilnehmer von Uniformierten auf mauretanischem Gebiet mit vorgehaltener Waffe zur Herausgabe von jeweils fünfzig Euro gezwungen. Man lehne derartiges ab, sagten mauretanische Behördenvertreter daraufhin der Agentur Associated Press, "das war wohl schon ein bißchen Betrug." Gezahlt haben aber alle - bis auf einen. Colin McRae löste das Problem auf Rennfahrerart und gab Vollgas. Seine Beifahrerin, die Schwedin Tina Thörner, seufzte nach der riskanten Flucht leicht entnervt: "Colin ist eben ein Schotte."

Mitten in der Wüste müssen Rallye-Teilnehmer mit unangenehmen Begegnungen rechnen. Im Jahr 1999 waren 52 Teilnehmer in Mauretanien von einer Bande ausgeraubt worden. Als die bewaffneten Räuber sich mit acht Rallye-Fahrzeugen, Geld und anderen Wertgegenständen aus dem Staub machten, drehte sich der Bandenchef noch einmal um, winkte freundlich und rief: "Bis nächstes Jahr."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2005
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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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