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Rallye Dakar Größe im Mini-Mobil

Stéphane Peterhansel gewinnt zum zehnten Mal die Rallye Dakar. Der Franzose und sein spanischer Kollege Joan Nani Roma verhelfen dem deutschen X-raid-Team zum bislang größten Erfolg.

© dapd Vergrößern Rasant und rasend: Peterhansel fährt durch die Wüste

Zwei Tage vor der Entscheidung war Skepsis zu spüren bei Sven Quandt. „Abwarten“, sagte der Chef des Dakar-Rallye-Rennstalls X-raid, „ich habe es schon einmal anders erlebt.“ Quandt spielte damit auf die Panne von Stéphane Peterhansel bei der Rallye Dakar 2003 an, als der Franzose, der die Rallye bis kurz vor dem Ziel angeführt hatte, mit lädiertem Auto in den ägyptischen Badeort Sharm el Sheik geschleppt werden musste. Am Samstagabend, nachdem er auch die vorletzte Etappe der Dakar 2012 gewonnen hatte, äußerte sich Peterhansel also noch zurückhaltend: „Ich kann noch nicht durchatmen. Erst, wenn ich auf dem Podium stehe, kommt die Erleichterung.“

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Genau dort stand Peterhansel einen Tag und die letzten 29 Prüfungskilometer später: Am Sonntag, als der Rallye-Tross 2012 nach 8300 Kilometern über staubige Pisten und durch gefährliche Passagen in der peruanischen Hauptstadt Lima sein Ziel erreichte, war der Franzose in seinem Mini All4 Racing an einem ganz besonderen Ziel angelangt: Es war Peterhansels zehnter Triumph bei einer Dakar Rallye. Sechs davon hatte er zwischen 1991 und 1998 auf dem Motorrad erzielt, drei (2004, 2005 und 2007) im Auto.

Rally Dakar 2012 © dpa Vergrößern Siegfahrer: Stéphane Peterhansel mit Beifahrer Roma

Für die knallbunt lackierten Minis aus Trebur in Hessen war es die erfolgreichste Rallye seit der Gründung des Unternehmens. Der mit BMW-Werksunterstützung angetretene Rennstall ist seit zehn Jahren bei der Dakar präsent. Auch der Zweite, der Katalane Joan Nani Roma, fuhr einen Mini. Rang drei musste das deutsche Team aber an einen Konkurrenten abtreten. Dem Südafrikaner Giniel de Villiers, auf dessen Beifahrersitz der Karlshofer Dirk von Zitzewitz die Navigation übernommen hatte, gelang in einem erstmals eingesetzten Toyota Hilux die große Überraschung bei dieser Dakar. Von den 174 gestarteten Autos kamen mehr als 100 nicht in der historischen Altstadt von Lima an.

Die Rallye war gleich zu ihrem Beginn am 1. Januar von einem tödlichen Unfall überschattet worden, als der argentinische Motorradfahrer Jorge Martinez Boero ums Leben kam. Es war der 61. Tote bei diesem wegen der großen Gefahren umstrittenen Wettbewerb. Veranstalter und Teilnehmer gingen schnell wieder zur Tagesordnung über und konzentrierten sich auf die Wettfahrt. Sie führte erstmals durch drei südamerikanische Länder, Argentinien, Chile und Peru.

Skurille Züge

Am Ende trug die schrille Wüsten-Karawane sogar skurrile Züge. Was vor allem am Amerikaner Robby Gordon lag. Der Hummer-Pilot war am Mittwoch von den technischen Kommissaren der Dakar wegen eines nicht dem Reglement entsprechenden Details am Motor seines Boliden disqualifiziert worden. Da der einstige Nascar-Pilot Einspruch einlegte, wurde die Entscheidung an den französischen Automobilsportverband weitergegeben, der in den kommenden Wochen den Fall bewerten soll. Gordon durfte also unter Vorbehalt weiterfahren, war aber trotzdem erbost. Die Internetseite „race-dezert.com“ zitierte den Piloten so: „Die Kommissare können mich mal.“ Zudem grollte er, Minis, also die Autos von X-raid, seien „etwas für kleine Mädchen“.

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Selbstbewusst gemacht hatte Gordon die zwölfte Etappe am Freitag, als er seinen knallorangen Geländewagen auf dem Weg in die peruanische Stadt Nasca gnadenlos durch die Wertungsprüfung drosch und der Konkurrenz 20 Minuten abnahm. Chancen auf einen Podiumsplatz hatte er aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gehabt, da der Amerikaner wegen eines technischen Defektes fast eine Stunde und 45 Minuten Rückstand hatte. Auch verbal fuhr er weitere Attacken, sowohl gegen Spitzenreiter Peterhansel als auch dessen Teamkollegen Roma: „Ich bin wütend auf Stéphane, auf Nani, die meine Aufrichtigkeit in Frage gestellt haben, indem sie mich als Betrüger bezeichnet haben“, sagte Gordon, „aber heute habe ich ihnen in den Hintern getreten.“

X-raid Teamchef Quandt nahm die Angriffe kopfschüttelnd zur Kenntnis und befand kühl: „Das ist nicht unser Niveau.“ So umstritten und streitbar der Kalifornier auch ist: Ohne Gordon wäre die Dakar 2012 wegen der Dominanz des X-raid-Teams nicht ganz so interessant gewesen.

Im kommenden Jahr wird die Rallye einen anderen Weg nehmen. Die Teilnehmer sollen dann im diesjährigen Zielort Lima starten; nach einem kurzen Exkurs nach Argentinien führt der Weg nach Chile. Santiago de Chile bildet das Ziel der Ausgabe 2013. Laut X-raid-Teamchef Quandt haben zahlreiche Hersteller Interesse geäußert, bei der Dakar mitzufahren. So scheinen Ford und Toyota vor einem Einstieg ins Wüstengeschäft zu stehen, Mitsubishi entwickelt angeblich ein neues Auto, ein zweiter chinesischer Hersteller - bei dieser Dakar liefen Autos von „Big Wall“ - plant einen Einstieg. Die Mischung aus Sand, Staub und Gefahr steht offenbar hoch im Kurs.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 15.01.2012, 17:30 Uhr

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