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Rallye Dakar Eine Ausfahrt aus dem Alltag

Mehrere Tonnen Fracht und jede Menge Autos hat Stephan Schott, Unternehmer aus Heusenstamm, verschifft, um an der Rallye Dakar teilzunehmen - die wieder in Südamerika stattfindet und am Neujahrstag in Buenos Aires startet.

© REUTERS Vergrößern Aufgereiht und startbereit: Fahrzeuge der Rallye Dakar

Stephan Schott kann es einfach nicht lassen. Vor rund einem Jahr hat er es getan, und auch diesmal ist der Unternehmer aus Heusenstamm nicht zu bremsen. Am 1. Januar steht er wieder mit seinem Mitsubishi Pajero bei der Rallye Dakar auf der Rampe. Nicht Paris oder Lissabon ist der Startort der berühmt-berüchtigten Wettfahrt. Seit der wegen Terrorgefahr in Afrika nötig gewordenen Absage des Rennens ist Buenos Aires Ausgangspunkt und Zielort dieses wohl härtesten Rennens der Welt. Schon im vergangenen Jahr war Schott gemeinsam mit seinem Beifahrer Holm Schmidt mit von der Partie durch die Berge und Wüsten Südamerikas. Und nicht ohne Stolz berichtet er, dass er es tatsächlich auch ins Ziel geschafft hat. „Immerhin sind mehr als fünfzig Prozent ausgeschieden“, sagt Schott, der deshalb mit Platz 74 keineswegs unzufrieden war. Und natürlich soll es in diesem Jahr etwas mehr sein als im vergangenen. „Schön wäre ein Platz unter den ersten fünfzig“, sagt Schott.

Leonhard  Kazda Folgen:  

Eigentlich hat der Unternehmer, der sein Geld mit der Produktion von hochwertigen Werkzeugen für die Automobilbranche verdient, seine Liebe zum Offroad-Rallyesport in Afrika entdeckt. Mehr als dreißig Jahres ist es her, als der damals 25 Jahre alte Student der Geographie und Ethnologie dort mit dem VW-Bus unterwegs war und per Zufall auf einer der staubigen Pisten die waghalsigen Männer der ersten Dakar-Rallye traf. Seitdem hat Schott das Fieber gepackt und nicht mehr losgelassen. Nur vor zwei Jahren war der in Weilrod wohnende Hesse kurz davor, von seiner rasenden Leidenschaft zu lassen. Das war, als er in Lissabon seinen Pajero zur technischen Abnahme für die Rallye fuhr, die sich tags darauf auf den langen, steinigen und gefährlichen Weg in die senegalesische Hauptstadt Dakar machen sollte. „Gerade als die Startnummern auf dem Auto waren, kam für uns die Aufforderung, zu einer außerordentlichen Pressekonferenz zu kommen“, erzählt Schott. Dort kam das, was sich schon ein paar Tage zuvor wegen der vielen Gerüchte über die drohende Gefahr eines Terroranschlages auf dem Weg durch Afrika herumgesprochen hatte: die Absage des Rennens. Viel Geld habe er da in den Sand gesetzt, sagt Schott und korrigiert: „Nein, bis zum Sand der Sahara sind wir erst gar nicht gekommen. Das Geld ist im Regen von Lissabon weggeflossen.“

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Sechs Fahrzeuge nach Buenos Aires verschifft

Wobei diese materielle Seite für den Teilhaber des florierenden Wirtschaftsunternehmens aus Heusenstamm eine nicht ganz so bedeutsame Rolle spielen dürfte. „Meine Frau bringt mich um, wenn sie die Summe hört, um die es geht“, hatte Schott schon vor zwei Jahren vor dem Start in Lissabon augenzwinkernd zum Thema Geld und Rallyesport gesagt. Und auch in diesem Jahr sei dies so geblieben. Die Rallye gehöre „zu diesen ganz kleinen Geheimnissen, die man einfach haben muss“. Ganz billig wird es wohl nicht gewesen sein, einen Tross von sechs Fahrzeugen nach Buenos Aires zu verschiffen. Seit November schipperten zwei Mitsubishi Pajero V60 Rennwagen über den Ozean. Den dieselgetriebenen fährt Schott selbst, den Benziner steuern die Polen Robert Szustkowski und Jaroslaw Kazberuk. Ein MAN Racetruck, ein Mercedes Actros Servicelastwagen, ein Pajero Servicewagen und ein Porsche Cayenne als schnelle Unterstützung waren eingeschifft, um in der argentinischen Hafenstadt anzuliefern. An Bord des Schiffes waren auch 18 Tonnen Material des „KS Tools-Teams“. Pro Fahrzeug wurden ein Tauschgetriebe und ein kompletter Satz Karosserieteile eingepackt, zudem waren fünfzig Reifen Teil der Fracht.

Infografik / Sport / Rallye Dakar 2010 © dpa Vergrößern

Irgendwie haben es die Männer in ihren rasenden Offroadkisten geschafft, ihre ursprünglich an Afrika hängende Leidenschaft auf Südamerika zu projizieren. Schott schwärmt von der Landschaft und den Menschen dort: „Die Begeisterung ist gewaltig“, erzählt er. Die Wüsten seien durchaus vergleichbar mit den weiten Dünenmeeren der Sahara. 8500 Kilometer lang ist die Route, die mit sieben Etappen durch Chile weit hinauf in den Norden Richtung Bolivien führt und wesentlich mehr Kilometer durch die Atacama-Wüste, das trockenste Gebiet der Welt, einschließt.

Der wichtigste Treibstoff der Dakar-Fahrer

Um gut am Ziel anzukommen, hat Schott noch einmal richtig investiert. Der Pajero wurde „gestrippt bis auf den Rahmen“, er bekam haufenweise teure Neuteile und auch einen neuen, leistungsfähigen Motor, der allerdings mit rund 240 PS deutlich schwächer ist als die TDI-Triebwerke der Race-Touaregs von Volkswagen, die die Rallye auch in diesem Jahr dominieren wollen. Da hat Schott bescheidenere Ziele. Immerhin hat er mit seinem Team exzellente Kontakte zu einer Mannschaft, die zum Favoritenkreis der Rallye zählt. „Das X-Raid-Team von Sven Quandt ist mit Werkzeugen aus unserem Haus ausgestattet“, erzählt Schott. Und wenn es Probleme gäbe, könne man durchaus auf die Hilfe der BMW-Armada aus Trebur setzen.

Am Montag hat sich der Unternehmer ins Flugzeug nach Buenos Aires gesetzt, sein Teamchef Philipp Tiefenbach nahm im Hafen der argentinischen Hauptstadt bereits die teure Fracht vom Überseedampfer in Empfang. Schott konnte nicht früher kommen. Inventur und Jahresabschluss hielten ihn noch in der Firma. „Bevor es losgeht, hole ich mir hier wohl noch einen Herzinfarkt am Schreibtisch“, scherzte er ein paar Tage vor seinem Abflug. Nun ist so eine Rallye ja auch nicht gerade die pure Erholung. „Klar“, sagt Schott, „aber man ist unglaublich weit weg von den normalen Dingen des Lebens.“ Vielleicht ist dies der wichtigste Treibstoff der Dakar-Fahrer: die Erfahrung des Außerordentlichen. Egal, ob in Afrika oder Argentinien.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.01.2010, 14:59 Uhr

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