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Rallye-Champion Sébastien Loeb : Das Auto, mein Körper

„Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich besser fahre als die meisten meiner Freunde“: Sebastien Loeb ist ein Spätstarter Bild: REUTERS

Sébastien Loeb gilt als der beste Fahrer der Welt. Acht Mal nacheinander hat der frühere Kunstturner die Rallye-WM gewonnen. Die Deutschland-Rallye in Trier gewinnt er bereits zum neunten Mal.

          Er trägt Flip-Flops, Shorts und einen Dreitagebart, setzt sich an die Hotelbar und bestellt ein stilles Mineralwasser. Ein beinahe unscheinbarer Mann, der den großen Auftritt meidet und Interviews aus dem Weg geht, sooft dies möglich ist: Sébastien Loeb, achtmaliger Rallye-Weltmeister, Nationalheld in Frankreich, eine Ausnahmeerscheinung in seinem Metier. Es sind die letzten Tage vor der Deutschland-Rallye, auf dem Parkplatz in Trier warten einige seiner Fans, doch der Achtunddreißigjährige hat nur eines im Kopf: den nächsten Erfolg. Am Ende des Wochenendes hat die Rallye zum neunten Mal gewonnen.

          Wer ist derzeit der beste Rennfahrer der Welt?

          „Der Mann auf den alle schauen, das ist Michael Schumacher, er hat einfach alles gewonnen.“

          Warum sind Sie so bescheiden? Schumacher wurde sieben Mal Formel-1-Weltmeister, aber Sie wurden gar acht Mal Rallye-Weltmeister.

          „Ah, Sie wollen uns miteinander vergleichen? Das ist unmöglich! Natürlich, wir wollen beide so schnell fahren, wie es geht. Aber Rallye und Formel 1 - das sind zwei verschiedene Sportarten. Wir fahren auf normalen Straßen, auf Feldwegen, wir fahren über Schotter, über Eis und Schnee, wir rasen an Bäumen vorbei und müssen permanent auf mögliche Schlaglöcher aufpassen. Das sind Sachen, die es auf einer Rundstrecke nicht gibt. Dafür fahren sie in der Formel 1 oftmals Rad an Rad und kämpfen immer wieder mit anderen Piloten um die Position. Bei einer Rallye fährst du nur gegen die Zeit, sie ist unser einziger Gegner.“

          Es gibt Menschen, die halten eine Rallye durch Wald und Wiesen für den wahren Motorsport - und Loeb für den besten Autofahrer der Welt. Niemand vor ihm hat die Szene so dominiert wie der nur 1,71 Meter große Mann aus dem Elsass, seit 2004 gewann nur er den Titel in der Rallye-WM. Eine vergleichbare Serie ist nicht einmal Michael Schumacher in der Formel 1 (2000 bis 2004) oder Björn Borg beim bedeutendsten Tennisturnier des Jahres in Wimbledon gelungen (1976 bis 1980).

          Dabei ist Loeb ein Spätstarter. Er war zehn Jahre alt, als er in den Vogesen mit seinem Vater erstmals eine Rallye gesehen hat, doch erst mit achtzehn interessierte er sich wirklich für den Sport, schaltete den Fernseher ein, wenn wieder irgendwo um die Wette gerast wurde, und entwickelte langsam ein Gefühl der Faszination. Mit 21 kaufte sich Loeb schließlich einen Renault 5 GT Turbo und qualifizierte sich für das Finale einer Nachwuchssichtung, mit 25 wurde er in das Förderprogramm des französischen Automobil-Verbandes aufgenommen, und all die Experten waren sich schnell sicher, dass dort ein außergewöhnliches Talent im Auto sitzt.

          Ihre Erfolgsgeschichte hat etwas von einem Märchen. Die heutige Generation der Formel-1-Piloten saß mit drei oder vier Jahren erstmals in einem Kart, und Sie sind in einen Rallyewagen gestiegen und waren sofort schnell.

          „Ja, vielleicht habe ich ein spezielles Gespür. Als ich achtzehn Jahre alt war, habe ich immer mal wieder die Handbremse angezogen und bin mit meinem Privatwagen ein bisschen gedriftet, das war eines der ersten Dinge, das ich gelernt habe als Autofahrer. Und ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich besser fahre als die meisten meiner Freunde. Trotzdem hätte ich niemals gedacht, dass ich es einmal so weit bringen könnte.“

          Ein Internetvideo, eines von Hunderten, zeigt aus der Cockpitperspektive von Loeb, was diesen Rallyesport so spektakulär macht. Der Turbomotor surrt, mit der Schaltwippe am Lenkrad tanzt der Franzose zwischen den Gängen, er spielt mit Gas und Bremse, lässt das Heck seines Citroën DS3 WRC immer wieder ausbrechen, fängt den Wagen ein und rast oft nur wenige Zentimeter an Steilhängen, Böschungen und Zuschauern vorbei - und immer wieder brüllt sein Co-Pilot Daniel Elena etwas in das Mikrofon. Kurzbefehle, Anweisungen oder Warnungen: „Attention!“

          Wie hoch ist die Anspannung, wie groß die Konzentration im Cockpit?

          „All deine Sinne sind am Limit, es kommt selten vor, dass du noch an etwas anderes denken kannst. Am besten ist es, wenn du überhaupt nicht nachdenkst, wenn du einfach machst, was dein Co-Pilot dir sagt.“

          Wie bereiten Sie sich auf die Rennen vor?

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