Wer ist Pastor Maldonado? Ein Glückskind, haben Spötter zu Beginn des vergangenen Jahres gesagt. Einer, bei dem es nur mit Hilfe des Ölkonzerns Petroleos de Venezuela (PDSVA) wie geschmiert lief beim Einstieg in die Formel 1. Denn Maldonado ist ein Spätberufener. Mit 25 begann er seine Karriere in der Eliteliga des Motorsports als Stammfahrer von Williams. In diesem Alter hatten die Supertalente längst WM-Titel in der Tasche: Schumacher, Alonso, Hamilton, Vettel.
Maldonado konnte nur auf eine Meisterschaft in der GP2 (2010) verweisen - und auf einen mächtigen Mann in seinem Hintergrund. Venezuelas Präsident Hugo Chavez erklärte öffentlich seine Unterstützung. Da fiel es Williams, in finanzielle Bedrängnis geraten, leicht, das Kompakt-Angebot anzunehmen: Chavez empfahl seinen Piloten und schickt seitdem - geschätzt - 36 Millionen Dollar aus der Kasse des Staatskonzerns (pro Jahr). Maldonado ist ein Pay-Driver.
Diese abschätzig klingende Charakterisierung ist längst relativiert worden. Maldonado bewies schon 2011 genügend Talent, um den Makel der Scheckbuchbeförderung loszuwerden. Er fuhr auf dem Niveau des ehemaligen Ferrari-Piloten Rubens Barrichello. „Ich“, sagte der Sieger vom Sonntag zu Ende seiner ersten Saison, „gehöre in die Formel 1.“
Selbstbewusst war er schon als Schüler. Mit 15 verließ Maldonado die „Militärschule der Befreiung von Maracay“ und zog nach Europa, biss sich in den Formel-Klassen durch und verpasste 2003 dennoch den Einstieg in die Formel 1. Maldonados Schnelligkeit blieb nicht verborgen, aber andere boten bei gleichem Tempo ein größeres technisches Verständnis.
Ein Rekord und die sprudelnde Quelle gefallen Williams
Nico Hülkenberg zum Beispiel. Der Rheinländer ließ auf dem Weg zu seiner GP-2-Meisterschaft 2009 seinem Teamkollegen Maldonado keine Chance. Als Hülkenberg aber zu Williams in die Formel 1 wechselte, beherrschte sein Nebenmann die Sprungbrett-Klasse, mit sechs Siegen ohne Unterbrechung. Dieser Rekord und die sprudelnde Quelle in Venezuela gefielen Frank Williams.
Als es Hülkenberg auf die Pole Position in Brasilien schaffte, war der Handel längst vollzogen. Maldonado verdrängte den Deutschen, landete aber in einem schlechten Cockpit. Williams wurde mit fünf Punkten Neunter der Konstrukteurswertung. Der glorreiche Rennstall, dominant zu Beginn der neunziger Jahre, schien überholt, von den alten Haudegen in der Führung, Patrick Head und Frank Williams, an die Wand gefahren.
Aber schon bei den Testfahrten im Winter fiel die Konstanz des FW34 auf. „Wir haben das Auto mit Blick auf die Reifen entwickelt“, sagt Maldonado. Ein komplexes Spiel, das man bei Williams nach Angaben des Piloten früh verstanden hat: „Wir glaubten schon, dass wir unter bestimmten Bedingungen vorne mitfahren können.“ Nur dem Piloten traute das Team noch nicht alles zu.
Maldonados Leistungen schwankten, weil er seit jeher zu aggressiv fuhr. Bei einem Nachwuchsrennen in Monaco hatte er einst Warnsignale nach einem Unfall ignoriert und einen Streckenposten verletzt. 2011 prallte er in Belgien in den McLaren von Lewis Hamilton - während des Qualifikationstrainings. Am Sonntag hatte er sich im Griff. „Er war sehr diszipliniert, hat jeden Moment auf die Reifen geachtet“, sagt Williams-Berater Alexander Wurz: „Das war der Schlüssel zum Sieg.“