Lewis Hamilton für Michael Schumacher: Der Liebling der Deutschen verlässt Mercedes nach drei Jahren wieder und beendet womöglich seine Karriere. Erleben wir gerade so etwas wie das Ende einer Ära in der Formel 1?
Ganz ehrlich: Ich hoffe es nicht, denn es würde mich sehr traurig machen. Michael ist nach seinem Comeback weit unter seinen Möglichkeiten geblieben. Aber das tat er nicht, weil er kein guter Rennfahrer mehr ist, er ist am Auto gescheitert, das war zu keinem Zeitpunkt wirklich konkurrenzfähig. Michael konnte nie zeigen, zu was er eigentlich noch in der Lage ist.
Schumacher wird im kommenden Januar 44 Jahre alt. Manche glauben, dass er aus der Zeit gefallen sei, dass er endlich aufhören solle mit der Raserei. Teilen Sie diese Einschätzung?
Dass er zu alt ist, dass er zu schlecht sieht - diese Frechheiten möchte ich nicht kommentieren, das ist alles ein absoluter Schwachsinn. Ob er aufhören sollte? Niemand braucht Schumacher einen Ratschlag geben, Rennfahrer entscheiden ganz allein, ob sie Schluss machen oder nicht.
Es gibt Spekulationen über eine Rückkehr zu Ferrari - halten Sie das für realistisch?
Konkret kann ich dazu nichts sagen, aber klar ist: Wenn man sich das ganze Feld anschaut, dann ist Schumacher natürlich noch immer gut genug für die Formel 1. Darüber müssen wir gar nicht diskutieren. Aber ich bezweifle, dass er sich dauerhaft noch einmal mit den Besten, also Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Lewis Hamilton, messen kann. Diese Jungen können einfach schneller Auto fahren - um es auf den Punkt zu bringen. Schumacher steht am Ende seiner Karriere, und irgendwann ist nun einmal alles vorbei.
War es ein Fehler, dass Schumacher in die Formel 1 zurückgekehrt ist?
Nein, über ein Comeback entscheidet man ganz allein. Ich habe das Gleiche erlebt, und natürlich weiß man um das Risiko. Das sogenannte Schumacher-Denkmal hat in den vergangenen drei Jahren keine Risse erhalten.
Es haben viele profitiert von seiner Rückkehr. Sie arbeiten auch als Experte von RTL, die Einschaltquoten sind mit Schumacher wieder gestiegen, und es waren immer gute Geschichten, wenn er in Monte Carlo Schnellster im Qualifying war oder spektakuläre Unfälle verursacht hat, oder?
Keine Frage, sein Comeback war für uns alle in der Formel 1 wunderbar, es war mit das Beste, was der Rennserie passiert ist. Die Aufmerksamkeit ist auf einen Schlag um ein Vielfaches gestiegen, und jeder wollte Antworten auf die eine Frage: Kann Schumacher noch einmal so gut sein, wie er einmal war? Heute kennen wir die Antwort: Die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Und was verliert die Formel 1, wenn Schumacher endgültig aufhören sollte?
Sie verliert Fans, die ganzen Schumacher-Fans auf der ganzen Welt. Schumacher ist siebenmaliger Weltmeister, der beste Rennfahrer seit dem Zweiten Weltkrieg - natürlich würde er mit einem endgültigen Rücktritt ein Riesenloch in der Formel 1 verursachen. Darüber darf sich niemand wundern. Aber das ist überall im Sport so. Wenn ein Topmann abtritt, dann entsteht ein Vakuum, was aber logischerweise wieder aufgefüllt wird. Das ist so im Spitzensport.
Kann irgendwann überhaupt noch jemand in der Lage sein, den Rekord von Schumacher zu überbieten?
Das ist sehr schwer, das würde ich keinem vorhersagen.
Auch nicht Vettel, der in diesem Jahr noch die Chance auf den dritten Titel hat?
Er hat es ja nicht allein in der Hand, er müsste noch mindestens weitere fünf Jahre ein richtig gutes Auto haben. Und wie wir sehen, tut er sich schon in dieser Saison ausgesprochen schwer, weil sein Rennwagen zu Beginn der Saison überhaupt nicht funktioniert hat. Wenn alles zusammenpasst, dann kann man diesen Rekord natürlich einem Vettel oder einem Alonso oder einem Hamilton zutrauen. Aber sehr realistisch ist das nicht.
Welche Fähigkeiten besitzt Hamilton, die Schumacher nicht mehr hat?
Dass sich Lewis Hamilton tatsächlich für Mercedes entschieden hat, ist eine Sensation. Lewis ist heute einer der Schnellsten überhaupt in der Formel 1, jeder weiß, dass er zu unglaublichen Leistungen im Stande ist. Und er ist sechzehn Jahre jünger als Schumacher, das ist ein entscheidendes Kriterium, wenn man einen Rennstall neu für die Zukunft aufstellen möchte. Ich weiß nicht, wann Michael seine Karriere beenden wird, aber es ist doch klar, dass er nicht mehr so lange fahren wird wie Lewis. Für das Team ist diese Entscheidung ein Neustart. Mercedes muss langfristig denken, und deshalb muss man den besten Fahrer für die Zukunft verpflichten, der auf dem Markt ist - und das ist Lewis.
Aber die Verpflichtung kommt auch einem Misstrauensvotum für Nico Rosberg gleich, dem wohl künftig nur noch die Rolle als Fahrer Nummer zwei bleibt.
Das sehe ich anders. Es geht nicht um Nummer eins und Nummer zwei - beide Fahrer bekommen das gleiche Material, und dann müssen sie zeigen, was sie können. Nico ist ein schneller Mann, das wissen wir. Aber Mercedes hat es geschafft, zwei Topleute unter Vertrag zu nehmen - und beide werden sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben.
Bleibt der Mercedes, der seit drei Jahren bis auf einen Sieg von Rosberg in dieser Saison nicht gut genug für die Spitze war. Wie soll der Bolide beschleunigt werden?
Das Team wurde umstrukturiert, es gibt einen neuen Simulator, es wird einiges getan, damit das Auto schneller wird. Und es ist doch logisch, dass der Hebel genau dort angesetzt werden muss.
Was muss es denn werden, ein Siegerauto?
Natürlich, genau das muss das Ziel sein. Teamchef Ross Brawn und seine Ingenieure haben einiges zu tun. Über den Winter müssen sie hart daran arbeiten, dass Mercedes ein Auto hat, das mithalten kann mit den Besten - bis jetzt war das nicht der Fall.
Mercedes hat das Concorde Agreement bis 2020 unterzeichnet, bekommt mehr Geld und mehr Macht - erleben wir gerade den Beginn einer neuen Machtstruktur in der Formel 1?
Die Verantwortlichen von Mercedes haben sich zuletzt intensiv mit den Fragen auseinandergesetzt: Wie geht es weiter mit uns in der Formel 1, und wie funktioniert das alles? Mercedes will angreifen, sich am Ende natürlich messen mit Red Bull und Ferrari. Es muss besser werden, das ist keine Frage.
Sie sind fortan Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Formel-1-Team von Mercedes - sind Sie damit auch der wichtigste Mann?
Nein, wichtigster Mann bleibt Ross Brawn als Teamchef. Er trägt weiterhin die Verantwortung für die Entwicklung des Autos und des Teams. Ich bin so etwas wie die Verknüpfung zwischen der Zentrale des Rennstalls in England und dem Firmensitz in Deutschland, die Aufgabe reizt mich, Mercedes ist eine große Herausforderung.
Niki Lauda hat eine wichtige Rolle bei der neuen Positionierung des Formel-Rennstalls Mercedes gespielt. Er vermittelte bei den Verhandlungen um die Fortsetzung des Formel-1-Vertrages bis 2020 zwischen dem Konzern und Chefmanager Bernie Ecclestone. Das Verhältnis war angespannt. Einerseits, weil Mercedes in den vergangenen Jahren immer wieder eine kritische Haltung gegenüber Ecclestone einnahm. Andererseits hat der Brite nicht das beste Verhältnis zu seinem Landsmann Ross Brawn, Teamchef von Mercedes, bei dessen Rennstall Brawn GP er einst gerne eingestiegen wäre. Lauda hat nicht nur bei der Verpflichtung von Hamilton seine Finger im Spiel gehabt, sondern auch eine wichtige Brücke zwischen Ecclestone und Mercedes gebaut. Herausgekommen ist ein Handel, der dem Betrieb Stabilität in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verleiht.
Die gesamte Formel 1 hat die Verlängerung des Engagements von Mercedes um sieben Jahre begrüßt. Im Gegenzug gewinnt Mercedes damit auf lange Sicht und bei entsprechendem Erfolg mehr Geld aus den Einnahmen der Vermarktung und mehr Einfluss: Wie Ferrari, Red Bull und McLaren haben die Stuttgarter nun unter anderem Mitspracherecht bei der Entwicklung des technischen Reglements. Gleichzeitig dient ihnen der 63 Jahre alte Lauda, dreimal Weltmeister, künftig als Unterhändler auf dem kurzen Dienstweg sowie als Puffer. In den Vertrag sind Anti-Korruptions-Regeln eingeflossen, die es dem Konzern erlauben, schnell die Reißleine zu ziehen, falls Vertragspartner korrupt gewesen sein sollten. Dann ist es gut, Distanz gehalten zu haben. (ahe.)
Schumachers Rechnung ging nicht auf, weil sein Mercedes nichts taugt.
Otto Meier (DerQuerulant)
- 01.10.2012, 12:50 Uhr
Vorfreude auf die Saison 2013
Paul Poste (PauloPost)
- 30.09.2012, 20:28 Uhr
Der gute Lauda
Carsten Zimmermann (Maltegreif)
- 30.09.2012, 18:46 Uhr
Herr Lauda irrt!!
Guenter Puffer (GuenterPuffer)
- 30.09.2012, 18:02 Uhr
Sinnvolle Beiträge als Ziel
Paul Poste (PauloPost)
- 30.09.2012, 16:22 Uhr