Hallo, da bin ich wieder! Selbst beim schweißtreibenden Fitness-Training strahlte Nico Hülkenberg. „Ist das nicht super schön hier?“ Joggen unter blauem Himmel, vorbei an den einladenden Strand-Restaurants bei 25 Grad Celsius und bei jedem Schritt den Ausblick genießen auf die Weite des Meeres vor Melbourne: „Letztes Jahr“, erinnerte sich der neue Stammpilot von Sahara Force India, „war es doch so grau.“
Da hatte der Rheinländer kurz vor dem Saisonstart in einem Cafe gesessen und mühevoll gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Nicht mal die Pole-Position beim Großen Preis von Brasilien hatte ihn bei Williams gehalten. Rausgesetzt und abgeschoben, weil einer kam, der was mitbrachte. Einen Sponsor, Geld.
Inzwischen kann Hülkenberg darüber lachen. Er ist im Rennen geblieben ohne einen Cent. Und hat sogar Glück gehabt. Statt im zuletzt lahmenden Williams sitzt er im Cockpit eines ehrgeizigen Mittelklasse-Teams, dass zum Finale der vergangenen Saison Mercedes gefährlich nahe kam. Und zwar mit einem Budget von rund 90 Millionen Euro. Das spricht für eine effektive Arbeit.
Denn die nächste höhere Klasse der Großen gibt gut, wenn auch nicht gerne, das Doppelte und deutlich mehr aus. Trotzdem will Force India in diesem Jahr Fünfter der Konstrukteurswertung werden, also um einen weiteren Rang nach oben klettern. Diese Vorgabe setzt die Fahrer unter Druck. Sie müssen regelmäßig vor der hochgeschätzten Konkurrenz wie Lotus und ganz sicher vor Sauber ins Ziel kommen und selbstverständlich punkten.
Einziger Gradmesser: Der Teamkollege
Während der Schotte Paul di Resta seit einem Jahr daran gewöhnt ist, auf Nachfrage zu liefern, muss Hülkenberg fast wieder bei null anfangen. Eine Saison Pause zwischen Lehrjahr und Fortsetzung macht jedem Piloten zu schaffen. „Ich habe einen starken Teamkollegen neben mir, der definitiv einen kleinen Vorteil hat am Anfang, weil er nicht diese Pause hatte“, sagt Hülkenberg. „Das wird am Anfang genug Arbeit sein. Insgesamt wird es darum gehen, dass ich mich jetzt erstmal etabliere.“
Frei übersetzt: Hülkenberg muss beweisen, dass die Beförderung vom Testfahrer zum Stammpiloten vorbei an seinem schnellen Landsmann Adrian Sutil die richtige Entscheidung war. Als Gradmesser dient dabei einzig und allein di Resta, ein geradliniger, schneller Zeitgenosse, geschult von Mercedes in der Deutschen Tourenwagen Masters, getrieben von einem rechten Kampfgeist: „Sobald die Saison beginnt, werden wir es uns gegenseitig richtig geben.“