http://www.faz.net/-gu4-759ir
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.12.2012, 15:19 Uhr

Schauspieler Tobias Moretti „Der Alb raubt mir manchmal meinen Schlaf“

Herausforderer und Herausgeforderter: Tobias Moretti wagt sich mit dem Motorrad ins Africa Race - in die original Dakar-Rallye. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Vorbereitung, seine Motivation und die Angst vor dem Start.

© Jürgen Skarwan/Red Bull Content Pool „Der Sand, die Dünrn: Wovor ich am meisten Angst gehabt habe, das ging plötzlich am besten“: Tobias Moretti übte im November in Tunesien den Ernstfall

Herr Moretti, Sie fahren auf einem Motorrad das Africa Race von Paris nach Dakar. Warum reizt Sie diese Herausforderung?

Die originale Rallye Paris-Dakar ist ein Mythos, der alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten in ihren Bann schlägt - besonders in Frankreich, aber eigentlich überall in der Welt. Es ist eine der letzten archaischen Herausforderungen der postmodernen Welt. Und plötzlich rückt die aus ihrer mythischen Ferne heraus und wird eine reale Möglichkeit. Das ist doch unglaublich. Es ist mir zwar bewusst, dass wir noch nicht einmal jetzt, nach einem halben Jahr Training, eine Vorstellung davon haben, was uns da wirklich erwartet. Aber trotzdem ist der Reiz größer als die Angst oder die Bedenken.

Bietet Ihnen die Bühne so wenig Aufregung, dass Sie nun auch noch Rennen fahren wollen?

Na ja, dieses Fieber und die Aufregung, die ich manchmal empfinde vor und während einer Vorstellung, ist nicht unähnlich der Situation und der Konzentration beim Rennen. Nur ohne Netz und doppelten Boden. Obwohl: Wenn man in einer Probenarbeit ausschlittert, kann man sich auch so versteigen, dass man tief fällt. Wahrscheinlich war es auch das, was den Didi Mateschitz (Chef von Red Bull) an diesem Unternehmen interessiert. Er hat mich nämlich zuvor bei den Salzburger Festspielen im „Ottokar“ gesehen und konnte sich nicht vorstellen, dass sich diese beiden Welten so treffen können. Das hat ihn vielleicht so provoziert, dass er das Unternehmen mit Heinz Kinigadner, unserem Teamchef, angehen wollte.

Sie fahren auf einem Motorrad. Warum muss es gleich die ganz harte Nummer sein?

Ja, es ist schon so . . . es ist brutal. Aber seit ich mich erinnern kann, hat mich das Motorradl immer gepackt. Irgendeinen fahrbaren Untersatz gab’s immer, mit dem wir vier Brüder uns gematcht haben. Anfangs auf drei, später auf zwei Rädern. Und das hat nie mehr aufgehört, bis heute. Später, als Jugendlicher bin ich dann Bergrennen mit 50 und 125 Kubikzentimeter gefahren. Und erst später, als Erwachsener bin ich zum Enduro und zum Motocross gekommen.

Haben Sie Angst vor dem Start an diesem Donnerstag?

Bis vor einem Monat gar nicht, allerdings setzt sich jetzt der Alb öfters auf die Brust und raubt mir meinen Schlaf. Dann geht’s halt kreuz und quer dahin, das ganze Szenario, wie man’s halt kennt. Aber am Morgen bin ich dann wieder voll mit Euphorie und neugieriger Freude auf all das, was jetzt da kommen wird. Es ist schon eine eigenartige Situation vor Weihnachten, mit unserer Großfamilie, und dann dieser Aufbruch jetzt. Aber ich habe irgendwo eine Zuversicht, dass ich gesund wiederkomme.

Kann man die Vorbereitung auf eine Rallye mit der Vorbereitung auf ein Filmprojekt vergleichen?

Nein, eher mit dem Marathon eines Theaterprojekts vielleicht. Aber es ist schon so, dass man in eine Rolle schlüpfen muss, nämlich in die Rolle eines Sportlers. Man muss es sich ganz zu eigen machen, sowohl die Disziplin des täglichen Ausdauertrainings als auch die Art zu denken, eigentlich die Konzentration auf ganz eingeschränkte Lebensbereiche.

Yoko Premiere © Getty Images Vergrößern Bekannt wurde der Schauspieler durch seine Rolle als Kommissar Richie Moser in der Fernsehserie Kommissar Rex

Das war eine ganz komische Erfahrung. Man muss die Perspektive enger machen. Ich beispielsweise habe mich viel zu sehr ablenken lassen von den verschiedensten Dingen, nicht nur in emotionaler Hinsicht. Aber man braucht ganz einfach diese körperliche und technische Basis zum Überleben. Im Film habe ich eine ganz andere Art der Vorbereitung.

Sie arbeiten mit dem ehemaligen Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner zusammen. Was hat er Ihnen geraten?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rückschlag für Mateschitz Red-Bull-Sender Servus TV wird eingestellt

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz stellt überraschend den Betrieb seines Fernsehsenders Servus TV ein. Über 260 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Mehr

03.05.2016, 12:51 Uhr | Wirtschaft
Integration Flüchtlingskinder stellen schwedische Schulen vor Herausforderungen

Zu wenige Lehrer, sinkende Noten im internationalen Vergleich: Das schwedische Schulsystem hat seine ganz eigenen Probleme. Nun müssen die Schulen zehntausende Flüchtlingskinder integrieren, die erst einmal Schwedisch lernen müssen. Mehr

03.05.2016, 15:49 Uhr | Gesellschaft
FFC-Manager Dietrich Wir müssen künftig mit Platz drei bis fünf rechnen

Der FFC Frankfurt hat auch dank Siegfried Dietrich Titel gewonnen. Nach der 0:4-Niederlage im Champions-League-Halbfinale gegen Wolfsburg droht dem Klub eine Zukunft ohne Europapokal. Im Interview spricht der Manager über die neue Situation. Mehr Von Daniel Meuren und Alexander Westhoff, Frankfurt

29.04.2016, 08:30 Uhr | Sport
Kämpfer-Rekrutierung Angst vor Rattenfängern des IS in Europa

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sorgt mit ihren Anschlägen weltweit für Angst und Schrecken. Was die Islamisten aber vor allem benötigen, ist Nachschub an willigen Kämpfern. Diese werden nicht selten in Europa rekrutiert, wie beispielsweise in der französischen Hauptstadt Paris. Mehr

16.04.2016, 02:00 Uhr | Politik
Interview mit Tom Hanks Keine Sorge, der Zirkus zieht auch wieder weiter

Schauspieler Tom Hanks gehört zu den wichtigsten Charakterdarstellern Hollywoods. Hier spricht er über den Wahlkampf in Amerika, das Leben als Scheidungskind und Männer in der Krise. Mehr Von Bertram Eisenhauer

02.05.2016, 13:25 Uhr | Gesellschaft

Schön, dass du sauber warst

Von Anno Hecker

Amerikaner haben ein Faible für große Inszenierungen. Doch wie das Magazin „Swimming World“ in seiner Sportart nun Doping mit dem „Geist der Menschlichkeit“ ausrotten will, ist schlechter als jeder Scherz und jede Satire. Mehr 1