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Schauspieler Tobias Moretti „Der Alb raubt mir manchmal meinen Schlaf“

Herausforderer und Herausgeforderter: Tobias Moretti wagt sich mit dem Motorrad ins Africa Race - in die original Dakar-Rallye. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Vorbereitung, seine Motivation und die Angst vor dem Start.

© Jürgen Skarwan/Red Bull Content Pool Vergrößern „Der Sand, die Dünrn: Wovor ich am meisten Angst gehabt habe, das ging plötzlich am besten“: Tobias Moretti übte im November in Tunesien den Ernstfall

Herr Moretti, Sie fahren auf einem Motorrad das Africa Race von Paris nach Dakar. Warum reizt Sie diese Herausforderung?

Die originale Rallye Paris-Dakar ist ein Mythos, der alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten in ihren Bann schlägt - besonders in Frankreich, aber eigentlich überall in der Welt. Es ist eine der letzten archaischen Herausforderungen der postmodernen Welt. Und plötzlich rückt die aus ihrer mythischen Ferne heraus und wird eine reale Möglichkeit. Das ist doch unglaublich. Es ist mir zwar bewusst, dass wir noch nicht einmal jetzt, nach einem halben Jahr Training, eine Vorstellung davon haben, was uns da wirklich erwartet. Aber trotzdem ist der Reiz größer als die Angst oder die Bedenken.

Bietet Ihnen die Bühne so wenig Aufregung, dass Sie nun auch noch Rennen fahren wollen?

Na ja, dieses Fieber und die Aufregung, die ich manchmal empfinde vor und während einer Vorstellung, ist nicht unähnlich der Situation und der Konzentration beim Rennen. Nur ohne Netz und doppelten Boden. Obwohl: Wenn man in einer Probenarbeit ausschlittert, kann man sich auch so versteigen, dass man tief fällt. Wahrscheinlich war es auch das, was den Didi Mateschitz (Chef von Red Bull) an diesem Unternehmen interessiert. Er hat mich nämlich zuvor bei den Salzburger Festspielen im „Ottokar“ gesehen und konnte sich nicht vorstellen, dass sich diese beiden Welten so treffen können. Das hat ihn vielleicht so provoziert, dass er das Unternehmen mit Heinz Kinigadner, unserem Teamchef, angehen wollte.

Sie fahren auf einem Motorrad. Warum muss es gleich die ganz harte Nummer sein?

Ja, es ist schon so . . . es ist brutal. Aber seit ich mich erinnern kann, hat mich das Motorradl immer gepackt. Irgendeinen fahrbaren Untersatz gab’s immer, mit dem wir vier Brüder uns gematcht haben. Anfangs auf drei, später auf zwei Rädern. Und das hat nie mehr aufgehört, bis heute. Später, als Jugendlicher bin ich dann Bergrennen mit 50 und 125 Kubikzentimeter gefahren. Und erst später, als Erwachsener bin ich zum Enduro und zum Motocross gekommen.

Haben Sie Angst vor dem Start an diesem Donnerstag?

Bis vor einem Monat gar nicht, allerdings setzt sich jetzt der Alb öfters auf die Brust und raubt mir meinen Schlaf. Dann geht’s halt kreuz und quer dahin, das ganze Szenario, wie man’s halt kennt. Aber am Morgen bin ich dann wieder voll mit Euphorie und neugieriger Freude auf all das, was jetzt da kommen wird. Es ist schon eine eigenartige Situation vor Weihnachten, mit unserer Großfamilie, und dann dieser Aufbruch jetzt. Aber ich habe irgendwo eine Zuversicht, dass ich gesund wiederkomme.

Kann man die Vorbereitung auf eine Rallye mit der Vorbereitung auf ein Filmprojekt vergleichen?

Nein, eher mit dem Marathon eines Theaterprojekts vielleicht. Aber es ist schon so, dass man in eine Rolle schlüpfen muss, nämlich in die Rolle eines Sportlers. Man muss es sich ganz zu eigen machen, sowohl die Disziplin des täglichen Ausdauertrainings als auch die Art zu denken, eigentlich die Konzentration auf ganz eingeschränkte Lebensbereiche.

Yoko Premiere © Getty Images Vergrößern Bekannt wurde der Schauspieler durch seine Rolle als Kommissar Richie Moser in der Fernsehserie Kommissar Rex

Das war eine ganz komische Erfahrung. Man muss die Perspektive enger machen. Ich beispielsweise habe mich viel zu sehr ablenken lassen von den verschiedensten Dingen, nicht nur in emotionaler Hinsicht. Aber man braucht ganz einfach diese körperliche und technische Basis zum Überleben. Im Film habe ich eine ganz andere Art der Vorbereitung.

Sie arbeiten mit dem ehemaligen Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner zusammen. Was hat er Ihnen geraten?

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