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Rallye Dakar : Alle profitieren vom Geist der Wüste

  • -Aktualisiert am

In der Flora der Wüste: Die Rallye Dakar in Südamerika Bild: REUTERS

Die Rallye Dakar ist nach Südamerika gekommen, um zu bleiben. Unter anderem profitiert die Tourismusbranche. Nur den Namen müssten die Veranstalter mal ändern.

          Die Abenteuerlust, die die Fahrer in die Wüste hinaustreibt, mag die gleiche sein, doch die geographische Umgebung ist längst nicht mehr die alte, seit die Rallye Paris-Dakar 2008 wegen Terrorismusgefahr und Bürgerkriegswirren in den beteiligten Regionen kurzfristig abgesagt und 2009 vom afrikanischen Kontinent nach Lateinamerika verlegt wurde.

          Zuerst war die neue „Dakar“ ein fast ausschließlich argentinisches Ereignis, lediglich mit einem Abstecher nach Chile. Inzwischen hat sie fast das gesamte südamerikanische Wüstenterrain erobert. In diesem Jahr begann sie am 5. Januar in der peruanischen Hauptstadt Lima, und sie endet am 19. Januar in Santiago de Chile. Argentinien wird nur vergleichsweise kurz berührt.

          Wie leider gewohnt auch tragische Todesfälle

          Insgesamt sind 459 Fahrzeuge auf die 8000 Kilometer lange Nord-Süd-Strecke gegangen. Etliche sind schon auf der Strecke geblieben, darunter zur Überraschung seiner Fans der Buggy des spanischen Favoriten Carlos Sainz. In Führung liegt der französische Titelverteidiger Stéphane Peterhansel in seinem X-raid Mini vor Nasser Al-Attiyah aus Qatar im SMG-Buggy. Auch von tragischen Todesfällen bleibt die diesjährige Rallye nicht verschont.

          Und wieder führt der Vorjahressieger: Stephane Peterhansel fährt bislang am schnellsten Bilderstrecke
          Und wieder führt der Vorjahressieger: Stephane Peterhansel fährt bislang am schnellsten :

          Als die Dakar nach Südamerika kam, waren in Argentinien die Hauptstadt Buenos Aires und der Badeort Mar del Plata an der Atlanikküste Ausgangspunkt, Ziel war bis 2012 stets Buenos Aires. Für die motorsportbegeisterten Argentinier wurden Auftakt und Ende zu Volksfesten. Sie folgten der Rallye enthusiastisch.

          Die Teilnehmer wiederum waren fasziniert von den wechselnden Landschaften, die denen Afrikas in nichts nachstanden. Zu ihrer Überraschung boten Hochgebirge, Wüsteneien und ausgedehnte Dünenlandschaften sogar noch größere Herausforderungen für sie als der afrikanische Rallye-Parcours.

          Argentinien nur in der Nebenrolle

          Mit Afrika, dem Mutterkontinent der Dakar, hat Argentinien in jüngster Zeit schlechte Erfahrungen gemacht. In dem ghanaischen Hafen Tema lag wochenlang das argentinische Segelschulschiff „Libertad“ wegen Schuldenforderungen von „Geierfonds“ fest, und just während die diesjährige Rallye begann, kam die Fregatte nach Mar del Plata zurück - wo im vergangenen Jahr die Dakar begonnen hatte.

          Der wunderliche Zufall wurde in der argentinischen Öffentlichkeit aber kaum bemerkt. Die Rallye ist in diesem Jahr trotz ihres Gastspiels im Norden des Landes kein großes Thema. Es fehlt ganz einfach der Trubel beim Start und am Ziel in Buenos Aires oder in dem beliebten Badeort „Mardel“, an dessen Stränden jetzt - in den argentinischen Sommerferien - nicht mal ein Stehplatz zu ergattern ist.

          Satte Zusatzgewinne für Tourismusbranche

          Ein gutes Geschäft ist die Rallye allemal, nicht nur für den Veranstalter, die französische „Amaury Sport Organisation“, welche unter anderem auch die Tour de France veranstaltet, sondern auch für die Gastländer. Peru hat, mit der Hauptstadt Lima als Ziel im vergangenen Jahr und diesmal als Startort, zuletzt von der Rallye am meisten profitiert.

          Motorsportbegeisterte Touristen kamen aus Kolumbien, Brasilien, Chile, Ecuador - und Argentinien. Eine eigens gebildete Tourismuskommission hatte schon frühzeitig die Chance erkannt und mit blumigen Worten geworben: „Der Geist der Wüste lebt in den Mythen und Göttern unserer althergebrachten Kulturen, in der Macht des Windes. Spüre auch du es in der Rallye von Dakar 2013“.

          Der Geist der Wüste bescherte Hotellerie, Anbietern von Privatunterkünften und der Unterhaltungsindustrie satte Zusatzgewinne und belebte den Arbeitsmarkt. Die Regierung hatte die Dakar zum „Ereignis von nationalem Interesse“ erklärt. Präsident Ollanta Humala fuhr zusammen mit seiner Frau Nadine Heredia in einem roten Fahrzeug zum Start und verwies stolz darauf, dass 26 peruanische Teams an der Rallye teilnehmen.

          Auch Orte, die an der Strecke liegen, waren Nutznießer des Rennens. Die Hotels in Nasca und Pisco rechneten schon vor Beginn der Rallye mit einer Auslastung von hundert Prozent. Der Präsident der Staatlichen Tourismuskammer, Carlos Canales, sprach von mehr als 100.000 Touristen bei den ersten Etappen der Rallye und Einnahmen von mehr als 400 Millionen Dollar.

          Nichts mehr mit Dakar zu tun

          Das mag übertrieben, aber nicht unmöglich sein. Die Organisatoren der Tour schätzten den Gesamtertrag vor einem Jahr auf insgesamt 294 Millionen Dollar, wovon Argentinien 181 Millionen Dollar „eingefahren“ hat. Auf Chile entfielen 54 und auf Peru 59 Millionen. Unbestritten ist der Werbeeffekt im Ausland. Mehr als eine Milliarde Menschen verfolgten die Rallye vergangenes Jahr im Fernsehen.

          Diesmal wird sie in 189 Länder im Fernsehen übertragen. Chile, das von Anfang an bei der lateinamerikanischen Dakar dabei war, aber immer nur „Transitland“ blieb, hat diesmal zur Bedingung gemacht, wenigstens den Zielort zu stellen, und hat auch den Zuschlag erhalten.

          Argentinien arbeitet längst daran, wieder den Start auszurichten. Es bringt inzwischen Rosario, die drittgrößte Stadt Argentiniens, als möglichen Ausgangsort für die Rallye ins Spiel. Auf jeden Fall ist die Dakar nach Südamerika gekommen, um zu bleiben. Sie müsste allmählich den Namen ändern, denn mit Dakar und Afrika hat sie inzwischen so wenig zu tun wie der Pisco sour, das peruanische Nationalgetränk, mit einem französischen Kir royal.

          Quelle: F.A.Z.

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