Home
http://www.faz.net/-hmp-774h1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nascar-Pilotin Danica Patrick Die Kurvenkünstlerin

Danica Patrick steht als erste Frau in der Nascar-Serie auf der Pole Position. In Daytona geht für die Vermarkter der Serie ein Traum in Erfüllung – und Patrick kann endlich auch auf der Strecke glänzen.

© REUTERS Vergrößern Ausnahmeerscheinung im Männerzirkel: Danica Patrick

Die Pole Position bei den Daytona 500 an diesem Sonntag ist schön und gut, aber für viele Amerikaner hat Danica Patrick den wichtigsten Auftritt des Jahres schon hinter sich. Sonntag vor drei Wochen, die Nation schaut Super Bowl im Fernsehen und die dazugehörige Werbung in den Pausen. Zu sehen ist - so weit, so erwartbar - ein hochhackiger Auftritt Danica Patricks. In der traditionell kurzgeratenen Rennfahrerzunft fällt die Dreißigjährige nicht eben durch außergewöhnliches Längenmaß auf.

Christoph  Becker Folgen:    

Kein Zufall also, dass die anderen Schauspieler im Werbespot des Domainregistrars godaddy.com auf Stühlen Platz nehmen dürfen. Nach Danica Patricks kurzer Anmoderation knutscht sodann das israelische Supermodel Bar Refaeli mit dem pummeligen Schauspieler-Nerd Jesse Heiman. Zungenkuss in Nahaufnahme, Abmoderation Danica Patrick (“when sexy meets smart“) nach 25 Sekunden. Schau an, so einfach ist das.

Mehr zum Thema

Für Liebhaber des Genres gibt es selbstverständlich eine „unzensierte“ Version des Spots bei Youtube mit längerer Nahaufnahme und mehr Zunge, die dem übertragenden Sender CBS angeblich zu anzüglich war. Super-Bowl-Werbealltag, gerade für Danica Patrick, die bei den millionenteuren Einspielern zur besten Sendezeit des Fernsehjahres längst zum Stammpersonal gehört. Seit 2007 tritt die Rennfahrerin für ihren Sponsor auf, zwölf Spots hat sie inzwischen gedreht, angeblich mehr als jeder andere Star. Und es gibt eine Menge Amerikaner, für die Danica Patrick längst nicht mehr erfolgreiche Rennfahrerin mit lukrativen Sponsorenverträgen ist, sondern topgebuchte Werbefigur mit gelegentlichen, meist erfolglosen Einsätzen hinter dem Lenkrad eines Rennautos.

In einer Liga mit George Clooney und Lebron James

Laut „Davie Brown Index“, der die Werbekraft amerikanischer „celebrities“ zwischen Atlantik und Pazifik misst, spielt Patrick in einer Liga mit Schauspieler George Clooney, hat so viel Einfluss wie LeBron James, der beste Basketballspieler der NBA, und kann Trends setzen wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Das zahlt sich aus: Rund zwölf Millionen Dollar soll Patrick im vergangenen Jahr verdient haben. Nicht schlecht für eine Rennfahrerin, die in 184 Autorennen ein Mal als Erste im Ziel war. Vor knapp fünf Jahren, beim IndyCar-Rennen 2008 in Motegi war das.

Wer Danica Patrick allerdings allzu tief in der Anna-Kurnikowa-Schublade für schöne, erfolglose Sportlerinnen vergraben hat, darf dieser Tage darin ein wenig Ordnung schaffen. An Floridas Atlantikküste trifft sich die National Association for Stock Car Auto Racing, kurz Nascar, zum Saisonauftakt und Höhepunkt: dem 500-Meilen-Rennen am Sonntag als krönendem Abschluss der Daytona Speed Weeks. Zum Auftakt der letzten Vollgaswoche stand das Qualifying zu den Daytona 500 an, und Patrick unterbot mit ihrem Chevrolet auf der Vier-Kilometer-Runde im Tri-Oval mit 45,817 Sekunden nicht nur die Dauer ihres Super-Bowl-Werbespots (unzensierte Version), sondern war auch schneller als die versammelte männliche Konkurrenz. Pole Position für eine Frau bei den Daytona 500, Danica Patrick ist bei der 55. Auflage des Rennens die Erste, der das gelingt.

Bild 1 Patrick Volle Konzentration: Danica Patrick startet zum ersten Mal von der Pole © AFP Bilderstrecke 

Das sorgt für Wellen, die über den von der Rennstrecke fünf Meilen entfernt beginnenden Atlantik schwappen und in Europa manchen fantasieren lassen, Danica Patrick könne es doch auch einmal in der Formel 1 versuchen, wenn sie derart schnell mit dem 865-PS-Nascar-Geschoss unterwegs sei. Aber erstens ist die Leistung der Fahrzeuge in Daytona durch Luftmengenbegrenzer auf etwa die Hälfte gedrosselt, weil die Boliden auf den Steilwänden des Ovals ansonsten zu unkontrollierbaren Flugobjekten würden und zweitens lässt sich Danica Patricks Talent auch nicht durch Schlagzeilen beliebig tunen.

Seit 2010 fährt sie in der Nascar-Serie, zunächst in der „Nationwide Series“, der zweiten Liga der amerikanischen Tourenwagen-Organisation. Die beste Plazierung war ein achter Platz beim Rennen auf dem Texas Motor Speedway in Fort Worth im vergangenen Jahr, aber Patrick wurde von den Fans zur beliebtesten Fahrerin der Serie gekürt und soll in diesem Jahr zu allen Rennen des Sprint Cup, der Nascar-Eliteserie, starten. Die dahinter stehende Rechnung ist denkbar simpel: Die Fernsehzuschauer schalten nicht mehr so häufig ein wie noch vor ein paar Jahren, in vier der vergangenen fünf Jahre sind die Quoten gefallen, unter 25- bis 34-Jährigen gar um ein Viertel in der vergangenen Saison.

Partner im Leben, Kontrahenten der Rennbahn

Zwar verweist Nascar gerne darauf, dass lediglich die Profi-Football-Liga NFL mehr Zuschauer habe, aber die Wirtschaftskrise hat beim Kern der Nascar-Fans, der nach wie vor eher weiß als schwarz ist, eher aus dem Süden denn dem Norden und eher vom Land als aus der Stadt kommt, Löcher in den Haushaltskassen hinterlassen. Damit wieder mehr Zuschauer an die Strecken kommen und den Fernseher einschalten, kann die Serie Patricks Werbewirkung bei jeder nur denkbaren Gelegenheit brauchen. Und deshalb kommt auch niemand auf die Idee, sich darüber zu beschweren, dass Patrick seit einiger Zeit mit Richard Stenhouse Jr. liiert ist, der während der Rennen in einem Ford sitzt. Furchtbar aufregend sei es, sagte Patrick neulich der Nachrichtenagentur AP, endlich über die Liebe in der Boxengasse sprechen zu dürfen. Und selbstverständlich sei „boyfriend Ricky“ auf der Strecke ein Konkurrent wie jeder andere. Die erste Frau auf der Pole Position, das erste Pärchen in der Startaufstellung - für die Nascar-Werbestrategen könnte die Saison nicht besser beginnen. Da stört auch niemanden, dass kein Experte erwartet, Danica Patrick auch im Ziel als Erste zu sehen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eishockey Kölner Haie verlieren mit neuem Trainer Sundblad

Auch nach der Entlassung von Uwe Krupp geht es für die Kölner Haie nicht aufwärts. Das 0:1 gegen Krefeld ist die fünfte Niederlage in Serie. Besser läuft es für die Adler Mannheim: Der Tabellenführer siegt mit 4:0 gegen München. Mehr

10.10.2014, 22:30 Uhr | Sport
Clooneys Hochzeitsfeierlichkeiten gehen langsam zu Ende

Nach Tagen des Feierns und einer privaten Vermählungszeremonie im Aman Hotel war es nun soweit: Der letzte formale Akt der Eheschließung zwischen dem amerikanischen Schauspieler George Clooney und der britisch-libanesischen Menchenrechtsanwältin Amal Alamuddin ging über die Bühne. Mehr

29.09.2014, 17:49 Uhr | Gesellschaft
Wer wird Millionär? Gastwirt räumt die Million ab

Als neunter Kandidat hat Thorsten Fischer aus Hannover bei Wer wird Millionär? die Millionenfrage richtig beantwortet. In der Jubiläumsausgabe zum 15. Geburtstag der Sendung profitierte der Gastronom dabei jedoch von einer Sonderregel. Mehr

17.10.2014, 21:02 Uhr | Gesellschaft
George Clooney heiratet Amal Alamuddin

George Clooney hat seine Verlobte Amal Alamuddin in Venedig zur Frau genommen - und dabei die Klatschpresse ausgetrickst. Denn die Vermählung des Hollywoodstars mit der Menschenrechtsanwältin war erst für Montag angekündigt. Doch nun gab sich das Paar in einer "privaten Zeremonie" das Ja-Wort. Mehr

28.09.2014, 12:16 Uhr | Gesellschaft
5:0 gegen Limassol Gladbach schießt sich für die Bayern warm

Zieht den Bayern die Lederhosen aus, skandieren die Fans, obwohl der Gegner auf dem Feld nur Apollon Limassol heißt. Drei Tage vor dem Top-Duell mit Bayern München gelingt der Gladbacher Borussia ein spektakulärer 5:0-Sieg. Mehr

23.10.2014, 23:00 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.02.2013, 21:45 Uhr

Was soll da verschwiegen werden?

Von Anno Hecker

Die Untersuchung der Vergangenheit der Uniklinik Freiburg wird behindert. Geht es womöglich gar nicht nur um die Doping-Kapitel? Denn die Kommission hat, ganz nebenbei, sogar eine Plagiatsaffäre aufgedeckt. Mehr 1