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Nascar-Pilotin Danica Patrick Abgehängt von den Männern

Vor dem Start ist der Hype um die Frau, die von der Pole in das Nascar-Rennen von Daytona geht, riesig. Doch auf der entscheidenden letzten Runde fällt Danica Patrick fünf Plätze zurück.

© REUTERS Vergrößern Gut genug, um dauerhaft vorne mitzufahren? Nascar-Pilotin Danica Patrick

Wie klingt die Frau, von der Amerika sagt, sie habe gerade Motorsport-Geschichte geschrieben? „Ich denke, jeder in meiner Situation würde sich jetzt in den Hintern beißen und fragen: Was wäre hier möglich gewesen? Was hätte ich tun können, um hier zu gewinnen? Ich saß in meinem Auto und wusste nicht, was ich machen sollte. Lag es an meiner Unerfahrenheit? War ich nicht clever genug? Ich weiß es nicht. War ich nicht kreativ genug? Ich bin mir nicht sicher.“ So klingt Danica Patrick nach der letzten der 200 Runden der Daytona 500. Wir erinnern uns: Sie war von der Pole Position ins „Great American Race“ gestartet, weshalb sich Vermarkter und Journalisten eine ganze Woche lang überschlugen vor Superlativen - bis am Tag vor dem Rennen der schwere Unfall in der B-Liga der Nascar-Serie, bei dem 28 Zuschauer verletzt wurden, für einen Moment die Schlagzeilen beherrschte.

Patrick makes history

Das alles aber war Sonntag schon wieder vergessen, denn spätestens als Danica Patrick Runde 90 als Führende beendete, konnten die ganz großen Schlagzeilen wieder hervorgeholt werden - eine Frau eine ganze Runde lang an erster Stelle bei voller Fahrt, das hatte es noch nicht gegeben: Patrick makes history, in Daytona gab es dafür stehende Ovationen. Und als nach 199 von 200 Runden die Piloten mit der weißen Flagge auf die letzten vier Kilometer im Oval eingestimmt wurden und das Feld so nahe beieinanderlag, wie es Vermarkter und Zuschauer in Amerika gerne sehen - zehn Fahrer innerhalb einer, vielleicht zwei Sekunden, also mit Siegchance -, war Danica Patrick mittendrin, nein, beinahe ganz vorne, an dritter Stelle. Sie wird doch nicht? Hier in Daytona? Der erste Sieg? Doch dann: Ausgebremst, abgeblockt, abgekocht von den alten Hasen im Feld, von den Männern in ihren Chevys, Fords und Toyotas. Jimmie Johnson, der fünfmalige Meister, gewinnt, Danica Patrick wird Achte. Wenig historisch, Janet Guthrie bleibt die beste Frau der Nascar-Geschichte mit ihrem sechsten Platz in Bristol, Tennessee. 1977 war das.

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Nascar-Rennen sind ein großes Spektakel, eine uramerikanische Sportchoreographie: Der Schwarm der Achtzylinderboliden mit ihren 5,9-Liter-Maschinen ist ein unübertroffenes, im Grunde schon politisch unkorrektes und deshalb umso schöneres akustisches Crescendo, ihre cartoonhafte Bemalung mit den riesigen, bunten Startnummern im Gegensatz zu den sponsorenfreundlichen, weil winzigen, Startnummern der Formel 1 eine optische Wohltat. Das Kind im Motorsportfan freut sich über diese Dinge. Aber 500-Meilen-Rennen, die regelmäßig eingebremst werden, damit die Entscheidung möglichst spät, am besten wie in Daytona auf der letzten Runde fällt, sind gar keine 500-Meilen-Rennen, sondern Sprints über eine Runde, in Daytona sind das vier Kilometer. Und auf diesem Sprint ist Danica Patrick um fünf Plätze zurückgefallen. Das war keine historische Leistung, das war eine ziemlich heftige Niederlage. Und niemand wusste das anschließend besser als sie selbst.

Bild Patrick 1 Volle Konzentration vor dem Rennen: Patrick wird am Ende in Daytona Achte © REUTERS Bilderstrecke 

Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass die Nascar-Choreographie auch sie irgendwann einmal als Siegerin hervorbringt. Dafür spricht schon die Stochastik, solange sie zu dem guten Dutzend Fahrer gehört, das für gewöhnlich mit Siegchancen in die letzte Runde startet. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es schon in diesem Jahr so weit ist. Sicher ist: Die Vermarkter werden dann noch lauter jubeln. Sicher ist aber auch: Damit es so weit kommt, muss Danica Patrick ein besseres Autorennen fahren. Und wenn es nur in der letzten Runde ist.

Quelle: F.A.Z.

 
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