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Le Mans Eingeholt vom Tod

Der Däne Allan Simonsen stirbt bei den 24 Stunden von Le Mans, sein Landsmann Tom Kristensen siegt zusammen mit Allan McNish und Loïc Duval in einem Audi. Eine Frage bleibt: Hatte sich unter den Fahrern ein Gefühl der Unverletzlichkeit breit gemacht?

© REUTERS Vergrößern Fahrt unter Halbmast: Die dänische Fahne erinnert auch den Japaner Kazuki Nakajima an den tragischen Unfall von Allan Simonsen

What‘s going on?“ Die Band spielt, der Sänger singt. Popjazz. Draußen, auf dem Balkon der „Audi Racing Arena“, stehen die Gäste und Journalisten, essen Goldbrasse mit Sahneschaum, trinken Wein, mancher raucht Zigarre. Sie blicken auf die Rennwagen, die durch die einsetzende Dämmerung am Riesenrad vorbei auf Start und Ziel schießen. „What‘s going on?“, singt der Mann am Mikrofon. Was ist los? Abends, kurz nach halb neun, kann das Leben sehr angenehm sein am „Circuit du 24 heures du Mans“. Die Gäste sehen, was Audi ihnen zeigen wollte, wofür dieser Aufwand betrieben wird. Die drei Werksrennwagen führen die 24 Stunden von Le Mans an. Wer schon ein wenig müde wird, kann sich im Untergeschoss auf riesigen Liegekissen das Rennen auf einer Großbildleinwand anschauen. Nebenan bauen geschickte Chinesinnen aus winzigen Teilen Miniaturnachbauten der Audi-Boliden R18 für die Gäste.

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Knapp sechs Stunden früher, 15:09 Uhr. Der Däne Allan Simonsen führt das Feld in der GT-Amateurklasse in einem Aston Martin Vantage GTE an. In Le Mans wie bei anderen Rennen können sich Privatfahrer mit dem entsprechenden finanziellen Einsatz in ein Motorsport-Abenteuer einkaufen. Mit einer Million Euro ist man in Le Mans dabei. In der GT-Amateurklasse müssen pro Fahrertrio mindestens zwei Amateure ins Steuer greifen. 41 Neulinge sind 2013 in Le Mans am Start.

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Simonsen gehört nicht dazu. Er ist der Profi im Auto mit der Startnummer 95. 1999 wurde er Meister in der dänischen Formel-Ford-Nachwuchsserie, in den vergangenen Jahren ist er Hunderte Rennen mit GT-Autos wie dem Aston Martin gefahren. Mit Audis, mit Ferraris. Mit Autos, die rund 450 PS leisten, aber im Prinzip so ähnlich auch als Straßenfahrzeuge zu kaufen sind. Es ist Simonsens siebter Start in Le Mans.

Reglos im Auto

Um 15 Uhr wurde das Rennen gestartet, es nieselt, der Wind bläst aus Südwest bis West. Dritte Runde, Simonsen fährt durch den Dunlopbogen, durch das Wald-S. Die letzte Kurve auf der permanenten Rennstrecke in Le Mans heißt „Tertre Rouge“, rote Anhöhe. Hier führt die Strecke auf eine Landstraße, die Rue Departementale (RD) 338, die für die Zeit des 24-Stunden-Rennens zur berühmten „Hunaudières“-Geraden wird, auf der die Piloten bis zu 325 Kilometer in der Stunde fahren.

Hier ändert sich auch der Fahrbahnuntergrund, der flache Rennbelag geht über in den etwas ruppigeren Landstraßenteer. Entsprechend wichtig ist eine gute Linienwahl in „Tertre Rouge“. Vom Scheitelpunkt der Rechtskurve lassen sich die Piloten auf der Ideallinie nach außen tragen, auch Simonsen. Auf die Randsteine, auch darüber hinaus, da hier die RD338 einmündet und Asphalt gegossen ist. An dieser Stelle endet die Leitplanke der „Tertre Rouge“, einziger Unfallschutz ist nun die Leitplanke der Landstraße, circa sechzig Meter vom Streckenrand entfernt. Unmittelbar dahinter stehen die Bäume der Allee.

24891398 © AFP Vergrößern Ein letzter Gruß: Allan Simonsen bei der Fahrerparade vor dem Rennen

Tempo 170 fahren die Piloten an der langsamsten Stelle der Kurve, Simonsen beschleunigt schon wieder. Das linke Hinterrad des Aston Martin ist neben der Strecke, das rechte auf dem lackierten, nassen Randstein. Das Heck des Autos wird unruhig, schwenkt nach leicht links, die Front nach rechts. Simonsen lenkt gegen, das rechte Hinterrad kommt auf den Asphalt, auf dem eine weiße, ebenfalls nasse Führungslinie gezogen ist. Simonsen verliert die Kontrolle. Das Livebild der Fernsehkamera zeigt seinen Einschlag in die Streckenbegrenzung nicht. Der Aston Martin muss die sechzig Meter Richtung Leitplanke der Landstraße nahezu ungebremst entlang geschossen und in einem ungünstig stumpfen Winkel aufgeprallt sein. Das Auto schleudert zurück auf die Fahrbahn. Die linke Tür ist abgerissen. Simonsen sitzt reglos im Auto.

Ein Großereignis für Dänen

„Wir möchten unsere tiefe empfundene Trauer über Allan Simonsens Tod aussprechen und seiner Familie und seinen Freunden unser herzlichstes Beileid aussprechen. Allan war ein extrem talentierter und erfahrener Pilot, der an Rennen in allen Winkeln der Welt teilgenommen hat. Jean Todt und Pierre Fillon.“ Der Präsident des Automobil-Weltverbandes (Fia), Todt, und Fillon, der Präsident des Veranstalters der 24 Stunden von Le Mans, des Automobile Club de l‘Ouest (A.C.O.), veröffentlichen ihr Kommuniqué um 21 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist der Tod des Dänen seit knapp drei Stunden bekannt, nicht aber die genaue Ursache. Er sei im Notfallkrankenhaus an der Strecke gestorben, trotz schneller Bergung und schnellen Abtransports, heißt es.

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