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Kommentar zum Unfall in Le Mans Aus dem letzten Jahrhundert

Allan Simonsen fehlte bei seinem gar nicht so spektakulären Unfall nicht nur Glück zum Überleben. Le Mans bietet einfach keine zeitgemäße Streckensicherung. Der 24-Stunden-Klassiker braucht eine Sicherheitsdebatte.

© REUTERS Vergrößern Das Wrack des Unfallwagens von Allan Simonsen: Der Däne erlag seinen Verletzungen

Seit 1997 war in Le Mans kein Pilot mehr ums Leben gekommen. Mehrere Technik-Epochen im Rennsport vergingen, ohne dass beim berühmtesten Langstreckenrennen der Welt eine Schweigeminute für einen toten Rennfahrer eingelegt werden musste. Die aktive und passive Sicherheit der Autos wurde enorm weiter entwickelt. Das Budget der Topteams erreichte Formel-1-Niveau, rettete aber auch Leben.

Immer spektakulärer wirkende Abflüge, Kollisionen zwischen den aerodynamisch bis ans Limit (und im Falle von Mercedes 1999 sogar darüber hinaus) optimierten Rennwagen der Werksteams und langsameren GT-Sportwagen verliefen glimpflich. Leichte Verletzungen, schnell einberufene Pressekonferenzen, Lob den Konstrukteuren - so lief das ab in den vergangenen Jahren in Le Mans. Das Rennen schien sich gefahrlos zur spektakulären Selbstinszenierung für die teilnehmenden Autohersteller zu eignen.

Keine zeitgemäße Streckensicherung

Der Tod des Dänen Allan Simonsen zeigt, wie viel Glück mancher Pilot trotz aller Ingenieurskunst gehabt hat. Sein Unfall wirkte nicht spektakulär. Auf einer rutschigen Passage brach der, wie nahezu alle Rennwagen, heckgetriebene Aston Martin aus. Sollte nicht noch ein Defekt als Ursache festgestellt werden, ist es ein Fahrfehler, wie er jedem Autofahrer im Straßenverkehr passieren kann. Was Simonsen zum Überleben fehlte, war aber nicht nur Glück. Ihm fehlte eine zeitgemäße Streckensicherung.

Der dreimalige Le-Mans-Sieger Marco Werner sagt: „Hier sollte etwas passieren.“ Er hat Recht. Denn hätte an der Unfallstelle nur eine Reihe Reifenstapel oder eine temporäre Leitplanke links der Fahrbahn die Strecke begleitet, bis sie vollständig auf die Landstraße der Hunaudières-Gerade führt, der Aufprallwinkel wäre ein ganz anderer gewesen. Und in der Kurve „Tertre Rouge“ hat es bereits in den vergangenen Jahren Unfälle gegeben, die Fahrer nennen andere Streckenabschnitte als noch schwieriger, aber unfallträchtig ist sie allemal.

Le Mans braucht wieder eine Sicherheitsdebatte

In der Formel 1 sind mobile Sicherungen auf Streckenabschnitten, die alltags im Straßenverkehr genutzt werden, längst Normalität. Zu sehen zuletzt in Monaco im Mai. Der Veranstalter, der Automobile Club de l‘Ouest (A.C.O.), ist nun in der Pflicht. Er ist es aber nicht allein. Seit langer Zeit engagieren sich vor allem die großen deutschen Autohersteller in Le Mans. Seit 1999 nutzt Audi die Bühne, die das spektakuläre Rennen bietet, um Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit zu demonstrieren. Nur dreimal siegte seither ein anderer Hersteller. Der finanzielle Einsatz bewegt sich auf Formel-1-Niveau, der Werbeauftritt geht längst darüber hinaus. Im kommenden Jahr fährt Porsche als zweite Marke des VW-Konzerns mit einem Werksteam um den Gesamtsieg. Zudem engagiert sich die Kölner Rennsportabteilung von Toyota.

Das Engagement der Konzerne bietet beim seit jeher klammen A.C.O. immensen Einfluss. Er sollte im Hinblick aufs nächste Rennen nicht nur dafür genutzt werden, die Selbstdarstellung zu optimieren oder die Siegchancen über die Einflussnahme aufs Regelwerk zu erhöhen. Le Mans braucht wieder eine Sicherheitsdebatte. Und danach eine Renovierung der Streckensicherung. Der Auftritt der Teams auf und der Marken neben der Strecke haben den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft. Das Rennen aber darf nicht weiter in den Bahnen des letzten Jahrhunderts stattfinden.

Quelle: F.A.Z.

 
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