Wer das Wrack gesehen hat, aus dem Robert Kubica am Sonntag eine Stunde nach seinem herausgeschnitten wurde, der wird froh sein. Denn der Pole lebt. Die scharfe Metallstange, die mitten in die Fahrgastzelle hineinragt, hat nur das Auto gespalten, zwar Arm und Bein schwer verletzt, aber nicht den Menschen aufgespießt. Was für ein Glück.
Und trotzdem ist der Crash eine Katastrophe für den Formel-1-Piloten. Sieben Stunden haben sieben Ärzte laut eigener Darstellung an der Versorgung seiner rechten Hand gearbeitet, die Blutzirkulation wieder hergestellt, zerrissene Sehnen und Nerven verknüpft. Am Montag sprachen sie von einem Erfolg. Kubica, vorübergehend aufgeweckt aus dem künstlichen Tiefschlaf, bewegte die Finger. Ob das so bleibt, wird man aber erst in ein paar Tagen wissen. Der Kampf ist noch lange nicht gewonnen.
Die Formel 1 weiß in solchen Momenten, was zu tun ist. Der Rennstall Lotus Renault macht seinem Piloten Mut; Kollegen, vom Champion bis zum Ersatzfahrer, wünschen dem Schwerverletzten eine schnelle Rückkehr in ihren Kreis. Das ist zweifellos ehrlich gemeint im Moment des Schreckens.
Das Mitgefühl ist ein Beweis für die Beliebtheit Kubicas im Fahrerlager. Man schätzt ihn als kompromiss-, aber nicht rücksichtslosen Piloten, als großes Talent am Steuer mit trockenem Humor und wenig Neigung zur Selbstdarstellung. Aber die besten Wünsche haben auch andere Ursachen. Die Kollegen ahnen, dass es schnell auch sie treffen könnte. Denn kaum einer dieser Tempofreaks bewegt sich nur in der Formel 1 mit einem Höllenspeed durch sein Leben.
Wohl der Mannschaft aufs Spiel gesetzt
Diese Typen brauchen den Reiz der Geschwindigkeit wie andere den Morgen-Kaffee zum Aufwachen. Also schwingen sie sich auf Rennmotorräder, Motocross-Maschinen, Schnellboote, sie schnallen sich Abfahrtsski unter oder jagen mit Jetski durch verschneite Wälder. Manchen sind solche Risikosportarten vertraglich verboten. Weil mit erstklassigen Piloten mitunter das Schicksal eines ganzen Teams verbunden ist.
Lotus-Renault versucht gerade, sich eine neue wirtschaftliche Basis aufzubauen. Kubicas Klasse sollte als Faustpfand bei der Werbung von Sponsoren wirken. Der Pole hat also nicht nur sein Leben auf einer privaten Rallyetour riskiert, sondern auch das Wohl seiner gesamten Mannschaft aufs Spiel gesetzt. Dieser Gedanke ist angesichts der Verletzungen im Moment zweitrangig. An Kubicas Verantwortung aber ändert das nichts.
Abartig
Peter Mobber (Bronzino)
- 08.02.2011, 17:45 Uhr
"Jetski" ist nicht Motorschlitten, das wäre Skidoo
William Rotsel (Wasilij)
- 09.02.2011, 10:43 Uhr