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Mercedes und die Formel 1 : Szenen einer Beschleunigung

Kopf an Kopf, Rad an Rad: Hamiton und Rosberg auf Augenhöhe Bild: dpa

Konzernchef Zetsche darf zufrieden sein. Das Duo Niki Lauda/Toto Wolff haben den Konzern auf der Rennstrecke nach vorn gebracht. Schon strahlt der Stern ein bisschen heller.

          Es war Januar, und es war der erste große Aufritt von Lewis Hamilton als Mercedes-Fahrer. Der Achtundzwanzigjährige lümmelte in einem weißen Sessel im Museum des Rennstalls in Stuttgart, als es unangenehm wurde. Wer habe eigentlich das Sagen bei seinem neuen Arbeitgeber? Hamilton lachte, er lehnte sich zurück, dann sagte er: „Der große Boss ist Dr. Z.“ Dr. Dieter Zetsche also, der Vorstandsvorsitzende von Daimler. Ein paar Monate zuvor hatte sich Zetsche große Sorgen gemacht. Auch in der dritten Saison nach dem Comeback von Mercedes als Werksteam in der Formel 1 kreisten die Silberpfeile nur im Mittelmaß, also ordnete Zetsche den zweiten Neustart nach 2010 an: Niki Lauda wurde zum Aufsichtsrat des Rennstalls, Toto Wolff zum neuen Motorsportchef. Die alten Strukturen sollten aufgebrochen werden, um den Großen der Branche nicht mehr länger hinterherfahren zu müssen. Das Projekt ist riskant, aber es war die einzige Chance für Mercedes.

          Donnerstag Nachmittag in Schanghai: Nico Rosberg sitzt in der ersten Reihe auf dem Podium der offiziellen Pressekonferenz, er hat den Reißverschluss seiner Jacke bis ganz nach oben zugezogen. Vor einem Jahr sicherte er sich beim Großen Preis von China zunächst seine erste Pole-Position und gewann danach sein erstes Rennen in der Formel 1. Es war der erste Erfolg eines Silberpfeils seit 1955. „Ich bin total motiviert“, sagt der Siebenundzwanzigjährige. „Dieser Kurs liegt mir und unserem Auto, ich bin überzeugt, dass wir ein sehr gutes Resultat erreichen werden.“ Als Geheimfavorit ging Mercedes in diese Saison, doch schon vor dem dritten Grand Prix des Jahres zählen Rosberg und Hamilton neben Red Bull, Ferrari und Lotus wie selbstverständlich zu den Siegkandidaten. Auch an diesem Sonntag (Start: 9 Uhr MESZ/RTL und Sky). Doch die Verantwortlichen sind vorsichtig, niemand möchte zu schnell zu große Erwartungen wecken - und vor allem möchte sich keiner selbst in den Mittelpunkt rücken.

          Mit harter Hand

          Die Entwicklung des Rennwagens mit der Typennummer W04 hat vor der Hamilton-Lauda-Wolff-Zeit bei Mercedes begonnen. „Ich denke, die Schritte sind schon vor längerer Zeit eingeleitet worden“, sagte Michael Schumacher vor dem Saisonstart. „Ich sehe eher im Hintergrund die Ingenieure, die Infrastruktur im Team selbst als ausschlaggebend dafür, dass das Auto in Zukunft auch um die Meisterschaft kämpfen kann.“ Schumacher war maßgeblich daran beteiligt, diese Struktur zu etablieren, künftig tritt er allerdings nur noch als Markenbotschafter auf und soll die Entwicklung von Sicherheitssystemen bei den Serienfahrzeugen begleiten, das gab der Konzern am Donnerstag bekannt. In der Formel 1 haben andere das Kommando übernommen, und schon jetzt haben auch Wolff und Lauda ihren Anteil an der Beschleunigung des Teams. Die beiden Österreicher führen mit harter Hand; sowohl die Abläufe als auch das Personal kommen dabei auf den Prüfstand. Mit Geschäftsführer Nick Fry musste der erste etablierte Mann schon gehen. Viele werfen dem Briten seit langem vor, schlechte Stimmung in der Rennwagenfabrik in Brackley verbreitet und die Erneuerung blockiert zu haben. Weitere Leute werden folgen - vermutlich sogar Teamchef Ross Brawn.

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