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Max Verstappen : Der jüngste Punktesammler der Formel 1

Empfindlich, jung, erfolgreich: Max Verstappen Bild: dpa

Unterricht im Formel-1-Gymnasium: Teenager Max Verstappen dreht als Toro-Rosso-Pilot erfolgreich seine Runden – und paukt nebenbei Englisch und Physik. Beim Großen Preis von Bahrein (17 Uhr) steht für ihn die nächste Prüfung an.

          Da sitzt ein „alter Kopf“ auf jungen Schultern. So schwärmen in Ehren ergraute, ehemalige Grand-Prix-Piloten über den Pennäler in der aktuellen Riege: Max Verstappen, 17 Jahre alt, der jüngste Steuermann in der Geschichte der Formel 1, seit Rang sieben beim Rennen in Malaysia Ende März der jüngste Punktesammler. Vor einer Woche ließ er in China ein paar Kollegen alt aussehen, als er an ihnen dort vorbeizog, wo Grand-Prix-Sieger das Risiko scheuten. Der Schüler ein alter Hase?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Besuch bei Verstappen im Fahrerlager von Bahrein, kurz vor dem Großen Preis des kleinen Königreichs an diesem Sonntag (17 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET). Das Gesicht passt zum Alter. Nicht mal Sorgenfalten. Klare blaue Augen, dunkelblonde Haare - und die typischen, Generationen von Teens nervenden Zeichen einer ausgehenden Pubertät auf der Stirn.

          Mit festem Blick nach vorne

          Die Schönheitsindustrie mag Abermillionen mit allerlei Tinkturen verdienen, die sich Jünglinge abends in der Hoffnung auftragen, morgens pickelfrei zu sein. Aber es sieht nicht so aus, als ob Verstappen lange in den Spiegel schaute. Schon gar nicht in den Rückspiegel seines Toro Rosso. Er schaut mit festem Blick nach vorne, als liege eine Gerade vor ihm.

          „In den ersten beiden Rennen habe ich es noch vorsichtiger angehen lassen“, sagt er, „aber ich fühle mich jetzt wohl im Auto und in China wollte ich etwas mehr riskieren.“ Wenn der Motor nicht gestreikt hätte, wäre er wieder in die Punkte gefahren, hinein in die Top Ten der wohl besten Piloten auf diesem Planeten. Obwohl er nicht mal einen Führerschein hat, von der europäischen Formel 3 über alle weiteren Schulungsklassen direkt in die Weltspitze gerast ist.

          Max, das Wunderkind? Der junge Verstappen kommt mit seinem Vater zur Rennstrecke. Und er fährt mit ihm wieder weg. Jos Verstappen ist immer dabei. Beim Interview steht er am Nebentisch. Der Niederländer hat den Filius zu sich genommen, als sich die Eltern vor etwa zehn Jahren trennten. Er hat ihn trainiert, getrimmt, geleitet. Manche sagen, Jos sei sehr hart gewesen. „Es war nicht immer einfach für ihn mit mir.“ Verstappen senior hat es zu 107 Grand Prix geschafft, er weiß alles über die Formel 1. Obwohl oder gerade weil seine Karriere nach einer Saison quasi beendet war. „Gescheitert“ an einem Star, zu dem er später eine freundschaftliche Verbindung aufbaute: Michael Schumacher.

          Jos konnte 1994 das Angebot von Benetton, für den verletzten JJ Lehto Teamkollege des späteren Rekordweltmeisters zu werden, nicht ablehnen. Er hätte aber Entwicklungszeit gebraucht. Max bekommt sie. Die fürsorgliche Belagerung erinnert an die Präsenz energischer Eislaufmuttis oder penetranter Tennisväter, die in zweiter Generation vollenden wollen, was ihnen verwehrt blieb. Max ein Getriebener seines größten Förderers? „Ich wollte das schon immer“, sagt der Sprössling und lacht. „Der Sound, der Speed, am Limit fahren, das macht mir so viel Spaß.“

          Ein Jüngling im Rennauto: Verstappen beim Training in Bahrein

          Und anderes? Freunde treffen, Fußball spielen, abhängen, chillen, was Jungs so machen in seinem Alter? Verstappen lacht wieder. „Ich habe nicht das Gefühl, etwas geopfert zu haben, vielleicht habe ich ein bisschen weniger Zeit für die Freunde, aber wenn ich von der Formel 1 komme, gehe ich Kart fahren, oder wir schrauben am Kart herum. Ich bin eigentlich immer da.“ Back to the roots. Verstappens belgische Mutter fuhr auch Kart. Die Familie - samt Tochter - tauchte ständig auf der Kartbahn von Genk auf, dem belgischen Pendant von Kerpen, wo sich die Schumachers und Vettel ihr Rüstzeug holten: in der Grundschule. Wo das Rennfahrerhirn von Knaben in Tausenden von Runden reift.

          „Ich spreche von der vierten Generation Kartfahrer“, sagt Franz Tost, der Teamchef von Toro Rosso. Tost hat 25 Jahre Erfahrung mit der Entwicklung junger Fahrer. Er hat Ralf Schumacher begleitet, Vettel zu seinem ersten Sieg in der Formel 1 verholfen, Daniel Ricciardo auf den Sprung ins Senior-Team Red Bull vorbereitet und den Russen Daniil Kwjat ein Jahr später hinterhergeschickt. Jetzt sieht er junge Piloten, die nicht nur mit dem Laufen das Fahren lernten, sondern parallel zur öffentlichen Schule eine systematischere Ausbildung „genossen“ als alle Generationen zuvor. Schule, Training, Rennen, Schule.

          Das nächste Überholmanöver?

          „Im Vergleich zu Piloten früherer Generationen“, sagt Tost, „ist Max mit 17 deshalb auf dem Entwicklungsstand eines damals 27-Jährigen. Und die Lernkurve ist immer noch steil gewesen im Winter.“ Max Verstappen hat einen Schulabschluss noch nicht ad acta gelegt. „Aber es ist etwas schwieriger geworden“, sagt er in fließendem Deutsch, bevor er zum Briefing mit den Ingenieuren gerufen wird, quasi einem Physik- und Matheunterricht in Englisch, an Rennwochenenden mehrere Stunden am Tag.

          An diesem Sonntag steht wieder eine Prüfung an. Alle Welt erwartet die nächsten Überholmanöver eines Jungen, über dessen Staatsbürgerschaft (zwei Pässe, holländische Rennlizenz) nicht nur die Eltern streiten, sondern auch belgische wie niederländische Motorsportfreunde. Denn die Lobpreisung hat schwindelerregende Höhen erreicht. Martin Brundle, einst Grand-Prix-Pilot, inzwischen TV-Kommentator, glaubt Ansätze eines „Senna“ oder „Schumacher“ bei Verstappen zu erkennen.

          Der scheint nicht besonders beeindruckt. Die Aufmerksamkeit der Kollegen registriert er mit leichter Skepsis: „Sie haben mich gelobt, ich sei ein gutes Rennen gefahren und so was. Wahrscheinlich denken sie aber, dass sie mich beim nächsten Mal wieder hinter sich lassen“, erzählt er und lacht wieder: „Aber ich will das Gleiche mit ihnen machen.“

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