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Mark Webber im Gespräch : „Die Reifen sind schwerer zu verstehen als eine Frau“

  • Aktualisiert am

Klare Vorstellungen: Mark Webber (links) mit Chefdesigner Adrian Newey Bild: dpa

Mark Webber wittert in der Formel 1 nochmal seine große Chance. Der erste Verfolger des WM-Führenden Fernando Alonso spricht im F.A.Z.-Interview über den Stress abseits der Strecke und die Rolle des Jägers.

          Er ist der erste Verfolger: Vor dem Großen Preis von Ungarn an diesem Sonntag (14.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) trennen Mark Webber (Red Bull) 34 Punkte vom WM-Führenden Fernando Alonso (Ferrari). Mit 35 Jahren wittert der Australier noch einmal seine große Chance auf den Titel in der Formel 1.

          Sie rasen mit Tempo 300 und mehr über die Rennstrecken dieser Welt, werden hofiert und verehrt für Ihren Wagemut - fühlen Sie sich manchmal wie ein moderner Held?

          Ich liebe, was ich hier tue. Und wenn ich andere Menschen damit inspirieren kann, dann ist das wunderbar. Aber ich fühle mich ganz sicher nicht wie ein Held. Sportler ticken anders als normale Leute, sie setzen sich andere Ziele, erkennen manchmal dort noch gar kein Risiko, wo andere vielleicht schon Angst haben. Aber wenn du all das tust, wenn du nach dem großen Erfolg strebst, dann kannst du natürlich auch tief fallen. Es geht nicht immer nur in die eine Richtung im Leben - das habe ich schon erlebt. Trotzdem hast du nur diese eine Chance, ich habe nicht mehr als diese eine Karriere.

          Was ist mit der Gefahr dort draußen?

          Gefahr ist relativ, ich sehe sie nicht als solche. Ich fahre Rennen, seit ich fünfzehn Jahre alt bin, und ich habe vollstes Vertrauen in das, was ich hier tue. Natürlich, diese Autos sind schnell, genau wie die Strecken. Aber ich habe alles unter Kontrolle. Wir können die Formel 1 heute doch nicht mehr mit dem vergleichen, was sie in den sechziger oder siebziger Jahren war. Damals haben viele Fahrer ihr Leben verloren, das waren Gladiatoren, das waren Helden. Im vergangenen Jahr bin ich in Österreich mal mit dem Wagen von Jochen Rindt gefahren, es ist kein Vergleich zu den Autos, die wir heute haben. Es muss unglaublich gewesen sein damals. Die Boliden, die Strecken, die Helme - alles ist sicherer geworden. Was sich jedoch nicht verändert hat, sind die Fahrer. Wir alle denken noch immer so wie Jim Clark.

          Wären Sie gern in einer anderen Zeit in der Formel 1 gefahren?

          Ja, vielleicht. Schon damals war alles professionell, aber das Drumherum war nicht so extrem. Wenn heute jemand aus irgendeiner Rockband eine Affäre hat, dann ist das überall in der Presse. Aber die Beatles hatten jede Woche eine Affäre, und das war kein Problem. Es war kein Thema, es ist einfach nur passiert. Heute geht es überall darum, nach den Gründen und den Verantwortlichen zu suchen - das ist langweilig. Wenn ich die Wahl hätte, ich würde mich dafür entscheiden, wie es einmal war. Damals gab es keine Handys und keine Kameras, heute wollen die Leute überall Autogramme von dir, wirst du permanent fotografiert.

          Der Stress abseits der Strecke könnte noch zunehmen, wenn Sie nach dieser Saison vielleicht Weltmeister sind. Wie groß ist die Sehnsucht danach?

          Groß, sehr groß. Ich würde das gern erreichen, keine Frage. Aber du darfst nicht zu weit denken, du musst dich auf jedes Rennen konzentrieren. Ich war siebzehn Jahre alt, als ich Australien verlassen habe. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich einmal so viel erreichen kann, ich hätte entgegnet: Du bist ein Träumer, du lebst im Phantasieland. Danach haben sich meine eigenen Ziele verändert. Irgendwann bin ich in die Formel 1 gekommen, stand auf dem Podium und habe tolle Rennen gegen unglaubliche Typen gewonnen. Darauf bin ich stolz, aber natürlich willst du immer mehr. Ein Titel wäre gut, aber es würde die Welt nicht verändern. Erst mehrere Weltmeisterschaften machen aus dir eine Legende dieses Sports.

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