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Mark Webber Die Rückkehr des Rivalen

Nach harten Auseinandersetzungen in der vergangenen Formel-1-Saison hat sich das Verhältnis zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber merklich entspannt. Doch in Silverstone entdeckt der Vorjahressieger Webber die alte Angriffslust.

© REUTERS Vergrößern Da ist er wieder: Mark Webber in der Mitte - als schnellster Mann des Qualifyings von Silverstone

Sitzt er da tatsächlich, der alte Mark Webber? Jener Mann, der so furchtlos und oft rücksichtslos über die Rennstrecken der Welt raste und nicht einmal vor der Konfrontation mit seinem Teamkollegen bei Red Bull zurückschreckte? Beinahe wirkt es so. Es sind angriffslustige Worte, die der Vierunddreißigjährige vor dem Grand Prix in Silverstone in den Mund nimmt. Solche, die man zuletzt vor mehr als einem halben Jahr von ihm gehört hat. „Ich bin kein müder Krieger, ganz sicher nicht“, sagt er. „Ich will Sebastian besiegen. Wir alle wollen das.“ Den wenigsten aber ist es gelungen in dieser Saison, Vettel führt souverän das Gesamtklassement in der Formel 1 an. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann er seinen zweiten Titel gewinnt.

Eigentlich, denn Webber glaubt an seine Chance, obwohl ihn 77 Punkte vom Deutschen trennen. „Ich kann den Titel holen“, sagt er. „Es ist eine große Herausforderung - aber nicht unmöglich.“ Im November vergangenen Jahres hat er die Weltmeisterschaft auf der Zielgeraden gegen den jungen Herausforderer verloren, und viele Experten im Fahrerlager waren danach der Meinung, dass Webber daran womöglich zerbrochen sei. Weil es in der Schlussphase seiner Karriere die vielleicht letzte Chance auf den ganz großen Coup war.

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Lange sah es in diesem Jahr danach aus, dass er sich mit seiner Rolle als Nummer zwei von Red Bull zufrieden gibt, er zog sich zurück und zeigte sich öffentlich nicht mehr so aufmüpfig. „Harmonie ist für uns sehr wichtig“, sagt Teamchef Christian Horner. „Das Verhältnis von Mark und Sebastian hat sich zuletzt sehr positiv entwickelt.“ Und warum? Webber muss nicht lange nachdenken, seine Antwort kommt so spontan wie direkt. „Weil ich Sebastian derzeit auf der Strecke nicht besiege“, sagt er. „Es ist immer gut für die Harmonie, wenn die Resultate so sind wie im Moment. Man wird sehen, wie die Situation ist, wenn ich wieder Rennen gewinne.“

"Wenn er mich schlägt, ist mir das nicht recht": Dazu ist es für Sebastian Vettel in einem Formel-1-Rennen in dieser Saison noch nicht gekommen © dapd Vergrößern „Wenn er mich schlägt, ist mir das nicht recht”: Dazu ist es für Sebastian Vettel in einem Formel-1-Rennen in dieser Saison noch nicht gekommen

Dass es so kommen wird, daran lässt Webber keinen Zweifel. Ob er Respekt habe vor der Übermacht der englischen Fans auf den Rängen? Ob er den Angriff von McLaren oder Ferrari fürchte? Jede dieser Fragen lächelt Webber milde beiseite. Bloß keine negativen Gedanken, stattdessen: Besinnung auf die eigenen Stärken. „Wir werden sehr schnell sein.“ Im ersten Training am Freitagmorgen fuhr er im Regen die Bestzeit, am Nachmittag wurde er auf nasser Strecke Vierzehnter, Vettel landete auf den Plätzen 13 und 18. Am Samstag stellt er seinen RB7 auf die Pole Position, 32 Tausendstelsekunden vor Vettel.

Sechs Mal fuhr bei den bisherigen acht Grand Prix ein Red Bull als Erster ins Ziel, jedes Mal stieg Vettel danach aus dem Cockpit. In der Formel BMW gewann er 2004 sogar 18 von 20 Saisonläufen. Nach den Erfolgen klebte er jedes Mal einen Smiley auf seinen Renner, heute zeigt er der Welt nach jedem Sieg seinen Finger, den Vettel-Finger. In England kommt diese Geste nicht so gut an, sie wird dem Vierundzwanzigjährigen als Zeichen der Arroganz ausgelegt. Vettel lächelt. „Ich weiß nicht, was jeder mit diesem Fingerzeig hat“, sagt er. „Ich will damit niemanden verletzen.“

Er tut es allein mit seiner Dominanz. 186 von 200 möglichen Punkten hat er gewonnen, nur 70 weniger als in der gesamten Vorsaison. Da wurde er Weltmeister. „Es wird nicht einfacher zu gewinnen“, sagt Vettel, macht eine Pause und fügt hinzu: „Aber auch nicht schwerer.“ Wen soll er fürchten? Webber, weil er auch ein Wunderauto hat? Der Australier mag die Strecke in Silverstone, im vergangenen Jahr hat er dort gewonnen. Er sagt, dass er inzwischen zudem mit den Pirelli-Reifen besser zurecht komme als noch zu Beginn der Jahres. Vettel bereitet selbst das keine Sorgen: „Wir hatten bisher bei jedem Rennen die Chance, gegeneinander zu kämpfen. Ich weiß nicht, warum nun etwas anders sein sollte.“ Er will es um jeden Preis vermeiden. Auch, um seine Vormachtstellung im Team zu wahren. „Wenn er mich schlägt, dann ist mir das nicht recht“, sagt Vettel. „Aber dann muss ich es anerkennen und fragen: Wie kann es beim nächstem Mal anders sein?“ Es ist nicht mehr als eine hypothetische Frage.

Webber wird wohl bleiben

Nach dieser Saison endet der Vertrag von Webber bei Red Bull, zuletzt wurde Lewis Hamilton (McLaren) als Kandidat für sein Cockpit gehandelt, doch das haben nun alle Beteiligten dementiert. Webber hat immer wieder betont, seinen Vertrag verlängern zu wollen - und die Verantwortlichen sind nicht abgeneigt. „Mark hat einen Zeitpunkt seiner Karriere erreicht, wo wir uns von Jahr zu Jahr Gedanken über seine Zukunft machen“, sagt Teamchef Horner. Fakt sei: „Wir schauen nach niemandem, der nicht in unserem Fahrerpool ist.“

Eines dieser Talente ist Daniel Ricciardo, in Silverstone gibt er für HRT sein Grand-Prix-Debüt. Es ist Phase eins seiner Karriere in der Formel 1, Phase zwei könnte ihn zurück zu Red Bull führen. „Sebastian hat 18 Monate gebraucht, bis er bereit war für das große Cockpit“, sagt Horner. 2013 also muss Webber seinen Platz vielleicht endgültig abgeben. Seinen möglichen Nachfolger Ricciardo beobachtet er schon jetzt mit Argwohn: „Selbst wenn er außergewöhnlich fährt, wir würden es ihm nicht sagen.“ Dann steht er auf, wünscht allen noch einen guten Tag und hofft darauf, dass er genau den so manch einem verderben kann. Da draußen, auf der Strecke.

Quelle: F.A.Z.

 
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