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Lob vom Ferrari-Chef „Dann will ich Vettel“

 ·  Ferrari-Chef Montezemelo ist ein Mann deutlicher Worte. In seinem Team rollen jedoch nicht wie erwartet die Köpfe. Stattdessen lobt er den siegreichen Vettel und fordert Formel-1-Boss Ecclestone heraus.

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© AFP Vergrößern Im Zeichen des Pferdes: Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo

Luca Cordero di Montezemolo ist ein Mann großer Gesten und deutlicher Worte. Seine Handbewegung, mit der er sich sein widerspenstiges Haupthaar aus der Stirn streicht, ist Kult. Andere müssten für eine solch theatralische Geste Schauspielunterricht nehmen. Der Ferrari-Präsident ist ein Schwergewicht im Zirkus der Formel 1.

Deshalb darf er sich auch mit Bernie Ecclestone, dem Paten in der Formel 1, anlegen. Und dem Engländer, gegen den die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt, zurufen: „Käme es in dem Bestechungsfall zu einer Anklage, müsste er zurücktreten.“ Das sagte der Ferrari-Präsident am Mittwoch in Maranello. „Ich glaube, Bernie würde es im Interesse des Sports von selbst tun.“ Vermutungen, Montezemolo daselbst wäre dann längst in der großen Politik, womöglich Ministerpräsident Italiens, erteilte er eine Absage: „Ich werde alles tun, um nicht kandidieren zu müssen. Meinem Land kann ich auch in anderer Funktion dienen als der des Ministerpräsidenten.“

Keiner jubelt und leidet so schön wie der erste Mann im Staate Ferrari. Normalerweise hadert Montezemolo länger mit Niederlagen in der Formel 1. Doch diesmal wirkt er angesichts von Rang zwei hinter Red Bull und Weltmeister Sebastian Vettel gefasst. „Vor zwei Jahren in Abu Dhabi war es schlimmer. Weil da das Gewinnen für uns einfacher war als das Verlieren.“ Wenn der abermals im Finale verlorene Titel schmerzt, dann aus dem Saisonverlauf heraus. „Bei fast 50 Punkten Vorsprung in der Sommerpause rechnest du nicht mehr damit, dass dir der Titel noch abhanden kommt“, fügte der Italiener hinzu. Er hat sich offenbar damit abgefunden, denn ihm kommt sogar ein Lob für den Gegner über die Lippen: „Ich ziehe den Hut vor Red Bull. Sie hatten das bessere Auto. Wir konnten uns nur wegen unserer exzellenten Zuverlässigkeit ins Finale retten.“

Sportlichkeit mit Füßen getreten?

Viel mehr Kummer bereitet dem Ferrari-Chef die Kritik, Ferrari habe die Sportlichkeit mit Füßen getreten, als man beim Rennen in den Vereinigten Staaten am Auto von Felipe Massa das Getriebesiegel brach, was den Brasilianer zum Nutzen seines Chefpiloten Fernando Alonso um fünf Startplätze zurückwarf. Montezemolo zitierte am Mittwoch aus seiner eigenen Zeit als Rennleiter vor 38 Jahren. „Ich habe 1974 einmal einen möglichen Titel für Clay Regazzoni verschenkt, weil ich es nicht so gemacht habe. Meine Lehre daraus: Wer bei Ferrari angestellt ist, fährt nicht für sich selbst, sondern für das Team. Wenn einer der beiden Piloten eine Chance auf den Titel hat, muss ihm der andere im Rahmen der Regeln bedingungslos helfen. Wir haben in Austin mit offenen Karten gespielt. Andere hätten in einem vergleichbaren Fall vielleicht irgendwelche Geschichten aufgetischt.“

Auch den Vorwurf, ein schlechter Verlierer zu sein, weil Ferrari bei Sebastian Vettels angeblichem Überholmanöver unter gelber Flagge beim Internationalen Automobil-Verband (Fia) nachgekartet hatte, lässt Montezemolo nicht gelten: „Fans haben uns auf diesen Fall aufmerksam gemacht und uns Videos zukommen lassen, auf denen nicht eindeutig zu erkennen war, was genau passiert ist. Es war unsere Pflicht, die Fia um ihre Meinung zu fragen. Dabei haben wir eines klargestellt. Wie auch immer diese Meinung ausfällt, wir werden sie akzeptieren. Wir haben nicht mit Maßnahmen gedroht.“ Er sei es auch Fernando Alonso schuldig gewesen, führte Montezemolo aus, denn was müsse sich der Fahrer denken, wenn sein Arbeitgeber nicht alles für ihn unternimmt?

© AFP Vergrößern Crew ohne Titel: 2012 gab es weder für das Team noch Alonso (rechts) am Ende Grund zu feiern

Alonso ist für Ferraris obersten Dienstherren der kompletteste Rennfahrer der Gegenwart. „Ich bin froh, dass Fernando in unserem Team fährt. Er ist mehr als nur ein Fahrer, er ist eine Schlüsselfigur. Eine Mischung aus Niki Lauda und Michael Schumacher. Einerseits der Typ denkender Rennfahrer, andererseits eine Kampfmaschine, der von der ersten bis zur letzten Runde voll fahren kann.“ Montezemolo will aber auch seine Bewunderung für Sebastian Vettel nicht verhehlen. „Michael Schumacher hat mir schon früh von ihm vorgeschwärmt, und er hatte recht. Wenn Fernando morgen aus irgendeinem Grund zurücktreten würde, dann will ich Vettel.“

Weder Alonso noch Red Bull müssen sich bis 2016 Sorgen machen. So lange ist Alonsos Vertrag gültig. Montezemolo stellt klar: „Alonso und Vettel, das wäre schwierig. Wenn du den besten Fahrer der Welt hast, musst du ihm optimale Bedingungen bieten.“ Übersetzt heißt das: einen Teamkollegen, mit dem Alonso leben kann. Einen wie Felipe Massa. Montezemolo spottet mit Blick auf das lange Formtief des Brasilianers, das erst in der zweiten Saisonhälfte zu Ende ging: „Felipe war eine Zeitlang verschwunden. Erst ab dem Grand Prix in Monza kehrte er wieder nach Maranello zurück, um ein echter Ferrari-Fahrer zu sein.“

Bisher kein Köpferollen

Das erwartete Köpferollen im Team findet nicht statt. Rennleiter Stefano Domenicali kündigte eine Leistungssteigerung an: „Wir werden das 2013er Auto ausschließlich im Toyota-Windkanal entwickeln, um Konfusion und Fehlerquellen auszuschließen. Unser eigener Kanal wird für die Saison 2014 modernisiert. Da erwartet uns alle technisch ein totaler Neubeginn, der dazu führen wird, dass sich 2013 ab Juli alle bereits auf 2014 konzentrieren werden. Wir haben die Aerodynamikabteilung verstärkt und zwei Projektgruppen für das nächste und übernächste Auto eingerichtet.“ Auf die Frage, ob Ferrari künftig bei der Regelauslegung auch die Grauzonen ausreizen werde wie Red Bull, reagierte Domenicali zögerlich. Montezemolo sprang ein und nahm ihm die Antwort vorweg. „Wir werden mutiger sein, aber ehrlich bleiben.“ Dabei schaut er seinen Statthalter an der Strecke ganz streng an.

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