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Hamilton Formel-1-Weltmeister : Das furiose Finale eines wilden Ritts

In Mexiko zum vierten Titel: Lewis Hamilton. Bild: AP

Die Fiesta kann beginnen: Lewis Hamilton wird beim Rennen in Mexiko Weltmeister. Nach einer frühen Kollision mit Sebastian Vettel haben die Spitzenfahrer nichts mit dem Sieg zu tun.

          Lewis Hamilton ist zum vierten Mal in seiner Karriere Formel-1-Weltmeister. In einem spektakulären Rennen auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko-Stadt wurde Hamilton zwar überrundet und nur Neunter. Doch weil sein einziger verbliebener Konkurrent Sebastian Vettel nicht über Platz vier hinaus kam, ist die Fahrerweltmeisterschaft zwei Rennen vor Ende der Saison entschieden. Wie Vettel und der Franzose Alain Prost ist Hamilton nun viermaliger Champion, eine Marke, die nur Michael Schumacher (7) und Juan-Manuel Fangio (5) bislang übertrafen. Sieger des Großen Preises von Mexiko wurde Max Verstappen im Red Bull vor Valtteri Bottas (Mercedes) und Kimi Räikkönen (Ferrari).

          „Nicht das Rennen, das ich mir erhofft hatte, aber ich habe nicht aufgegeben“, sagte Hamilton. „Es fühlt sich surreal an. Ich widme das meiner Familie, meinen Team.“ Vettel applaudierte dem Weltmeister aus dem Cockpit. Der griff sich den Union Jack, ließ im Autodrom die Reifen qualmen und rief später ins Mikrofon: „Viva Mexico!“ Das furiose Finale eines wilden Ritts.

          Berührungen und fliegende Frontflügel

          Vettel vor Verstappen und Hamilton, da lag schon vor dem Start viel Spannung in der Luft über dem mexikanischen Hochland. Würden die drei besten Fahrer der Saison heil durch die heikle Schikane nach der 900 Meter langen Startgerade kommen? Als die Ampel erlischt, gewinnt Vettel den Start. Am Ende der Beschleunigung aber zieht Verstappen aus dem Windschatten kommend gleich. Der Niederländer hält die Linie durch die Rechts-Links-Rechts-Schikane. Vettel wird in der Linkskurve nach außen getragen, der Red Bull touchiert den Frontflügel von Vettels Ferrari mit dem Hinterrad, Trümmerteile fliegen umher. Hamilton erkennt die Chance, schießt außen vorbei und liegt nun nahezu gleichauf mit Verstappen. Doch Vettels Frontflügel touchiert das rechte Hinterrad von Hamiltons Mercedes. Der Brite verlangsamt, Reifenschaden. Auch Vettel muss an die Box, die Mechaniker wechseln den Frontflügel und gleich die Reifen.

          Formel 1 : Hamilton rast wieder zum Titel

          Die ausgewechselte „Nase“ zeigt Kampfspuren wie nach einem Auffahrunfall im Stop-and-Go-Verkehr in Mexikos Hauptstadt Hamilton erkundigt sich per Funk nach Vettels Motiven: „Hat er mich absichtlich berührt?“ Die Experten, je nach Teamzugehörigkeit, schweigen oder sprechen wie Niki Lauda (Mercedes) von einem Rennunfall, einem vermeidbaren. Die Rennkommissare sahen sich nach Hamiltons Frage gezwungen, den Fall zu überprüfen. Ihr Urteil kommt schnell: Keine Strafe, sie lassen der Hatz auf dem rutschigen Asphalt freien Lauf.

          Vettel fährt nach vorn

          Verstappen erfreut sich an seinem Werk: „Ganz einfach hübsch“, sagte der Mann, der erst vor drei Wochen das Teenageralter hinter sich gelassen hat, und setzt sich zügig vom nächsten Verfolger ab, Hamiltons Teamkollegen Bottas. Vettel und Hamilton jagen dem Feld nach, bei deutlich unterschiedlicher Schlagzahl. Während Hamilton klagt, dem vor ihm fahrenden Auto nicht näher kommen zu können, schnappt sich Vettel einen Gegner nach dem anderen. In der zwölften Runde wird es haarig. Vettel zieht an Massa vorbei, doch der hält dagegen, mehr noch: Der Brasilianer drückt den Deutschen neben die Piste. „Spielen wir hier Autoscooter?“, fragt Vettel via Funk, als er Ferraris Beinahe-Weltmeister von 2008 endgültig hinter sich gelassen hat.

          Ohne Speed zum Titel: Lewis Hamilton kann  sich sogar überrunden lassen Bilderstrecke
          Ohne Speed zum Titel: Lewis Hamilton kann sich sogar überrunden lassen :

          In Runde 26 ist er zurück in den Punkterängen, auf Platz zehn. Hamilton ist zu diesem Zeitpunkt bereits überrundet von Verstappen. Und der bis dahin beste Deutschen im Feld, Nico Hülkenberg, kommt eine sehr bestimmte Nachricht aus der Renault-Box: „Stell das Auto ab, Nico, es ist nicht sicher.“ Der Renault unter Strom? Von Platz vier geht es für Hülkenberg postwendend auf den Parkplatz – adios, Mexico. In der 33. Runde wird es dem Neuseeländer Brendon Hartley im Renault-befeuerten Toro Rosso zu heiß–- im Heck zündelt ein Feuer; ein weiterer Beweis für die Fragilität der Renault-Maschinen 2200 Meter über Normalnull. Verstappen aber kommt durch. „Ein perfektes Rennen“, sagt er anschließend. Nicht ganz. Im Mittelpunkt standen andere.

          Vettel geht nach dem Boxenstopp volles Risiko, ist mit ultra-weichen Reifen unterwegs. Hamilton setzt konservativer auf die supersofte, also die etwas härtere Reifenmischung, kommt aber endlich auch voran. „P8“, Platz acht, wird dem Weltmeister in Runde 46 prognostiziert, wenn er sein Tempo beibehält. Hamilton sorgt sich gleichwohl, fragt, welchen Platz er für den Titel benötigt. Wurscht, ist die richtige Antwort, so lange Vettel nicht wenigstens Zweiter wird. „Negativ“, rufen die Ingenieure Hamilton zu: „Den Rang besetzt Bottas.“

          Vettel gibt nicht auf, toppt Verstappens schnellste Runde immer wieder. 13 Runden vor Rennende ist er Vierter, hat nur noch Verstappen, Bottas und Teamkollege Räikkönen vor sich. „Wie viel Vorsprung hat Kimi?“, fragt Vettel. „23 Sekunden.“ „Mamma mia, das ist ein bisschen zu viel.“ Die Jagd, spektakulär und doch vergeblich, ist abgeblasen. Hamilton aber hat noch nicht genug, schnappt sich nach rundenlangem Kampf auf Biegen und Brechen Platz neun gegen Fernando Alonso. Ein atemraubendes Manöver des ehemaligen und des neuen Weltmeisters.

          44 Jahre war lang war Sir Jackie Stewart der erfolgreichste britische Formel-1-Pilot. „Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden“, hatte der Schotte schon vor dem Rennen gesagt. Im Ziel ist Lewis Hamilton nun allein der erfolgreichste Brite der Formel-1-Historie. „Er ist viermal Weltmeister, keiner fragt wie. Eine perfekte Leistung, Gratulation“, sagt Niki Lauda anschließend. Auch ihn hat Hamilton nun übertroffen.

          Quelle: F.A.Z.

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