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Lewis Hamilton Schnell, aber schwierig

Lewis Hamilton ist der Einzige im Fahrerfeld der Formel 1, der mit Sebastian Vettel noch mithält und ihn beim Finale in Brasilien in einen Fehler treiben könnte. Der Brite ist aber umstritten - sogar im eigenen Lager.

© dpa Vergrößern Der Gegenentwurf zu Michael Schumacher: Lewis Hamilton soll bei Mercedes einen Ausweg aus der Krise finden

Ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein hat dieser Mann gewiss nicht: „Ich glaube, dass ich diesem Sport meine Marke aufgedrückt und bewiesen habe, dass ich den gleichen Status wie die anderen besitze“, sagt Lewis Hamilton (McLaren). „Auch wenn ich nicht mehr um den ersten oder zweiten Platz in der Weltmeisterschaft kämpfe - ich habe gerade erst die beiden vermeintlich Besten besiegt.“

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Den Cowboyhut auf dem Kopf, die Champagnerflasche in der Hand, so stand Hamilton nach dem Rennen in Austin am vergangenen Sonntag ganz oben auf dem Podium und nahm es danach auch verbal noch einmal mit Sebastian Vettel (Red Bull) und Fernando Alonso (Ferrari) auf. Keine Angst vor niemandem - das hat den 27 Jahre alten Briten immer schon ausgezeichnet. Hamilton kann nicht mehr eingreifen in den Titelkampf der Formel 1, der an diesem Sonntag (Start: 17.00 Uhr MEZ / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) in Brasilien endet, und doch könnte er mittendrin sein.

Das Ende einer Ära mit Verlängerung © dpa Bilderstrecke 

Seit der Sommerpause Anfang August hat Hamilton zwei Grand Prix gewonnen, nur Vettel (vier Siege) war in diesem Zeitraum noch erfolgreicher, Alonso hingegen kam seitdem bestenfalls noch als Zweiter ins Ziel. Hamilton ist derzeit der Einzige im Feld, der das Tempo der beiden Red Bull noch mitgehen kann, der ihnen auf der Strecke Paroli bietet, Vettel unter Druck setzt und ihn in São Paulo vielleicht sogar in einen Fehler treiben könnte. Wer die Experten im Fahrerlager nach dem Mann aus Stevenage in der Grafschaft Hertfordshire fragt, bekommt zumeist diese Antwort: „Als Ingenieur wünscht man sich stets einen Fahrer, der so gut wie möglich ist, und Lewis ist zweifellos einer der schnellsten Fahrer dort draußen“, sagt Mercedes-Teamchef Ross Brawn stellvertretend.

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Der Name Hamilton steht im Rennstall der Silberpfeile für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er soll den Boliden beschleunigen, der zuletzt bestenfalls Mittelmaß war. Über das Risiko dieser Verpflichtung spricht niemand, dabei gilt Hamilton als schwieriger Typ. Selbst seine Mechaniker bei McLaren sollen ein angespanntes Verhältnis zu ihm haben. Als der Fahrer seine Crew vor dem Grand Prix in Südkorea zu einem Bowling-Abend einlud und ihnen seinen Wechsel zu Mercedes erklären wollte, sagten die Männer kollektiv ab. Sie gingen lieber mit seinem Teamkollegen Jenson Button um die Rennstrecke joggen. „Da gibt es bestimmt Menschen, die froh darüber sind, dass ich gehe. Genauso, wie es Menschen gibt, die das bedauern. So ist das halt“, sagt Hamilton.

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Die Formel 1 besteht aus Egomanen, das liegt in der Natur eines Sports, bei dem die Fahrer im Rennen zwar per Funk mit ihren Kommandoständen verbunden, ansonsten aber auf sich allein gestellt sind. In der Öffentlichkeit kann Hamilton überaus freundlich und charmant sein, hinter den Kulissen aber vergreift er sich manchmal im Ton. Oft genug hat er nach einem Rennen gesagt, dass das Auto nicht schnell genug sei, vor dem Grand Prix in Spa schickte Hamilton via Twitter geheime Telemetriedaten in die Welt, und beides machte ihn in der eigenen Garage nicht unbedingt beliebter. Er hört gerne R’n’B, seine Freundin Nicole Scherzinger betritt als Sängerin große Bühnen, er selbst ist fasziniert von roten Teppichen und Empfängen in Hollywood - Hamilton ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Michael Schumacher.

Formula One Grand Prix of United States © dpa Vergrößern So sieht er sich am liebsten: Hamilton mit Cowboyhut und Champagnerflasche

Es ist ein gewagtes Spiel, das die Verantwortlichen von Mercedes eingegangen sind. „Lewis befindet sich an einer idealen Station seiner Karriere und steht nach vielen Jahren bei McLaren nun vor einer für ihn neuen Herausforderung“ sagt Brawn. „Er sieht sich dieser Herausforderung gewachsen und ist extrem motiviert. Er wird uns dabei helfen, in der Zukunft erfolgreich zu sein, was ein weiterer Pluspunkt ist.“ In der Theorie klingt das verlockend, aber was passiert mit dem neuen Bündnis, wenn Mercedes im kommenden Jahr auf dem Niveau weiter fährt, auf dem diese Saison endet? In den vergangenen fünf Rennen hat das Team nicht mehr gepunktet, selbst Rennställe wie Sauber, Force India und Williams sind inzwischen schneller.

Red Bull? McLaren? Ferrari? Die Top-Teams sind Mercedes längst enteilt, und auch deshalb halten viele Landsleute Hamiltons den Wechsel für einen Fehler. „Wir haben einige wichtige Lektionen für das nächste Jahr gelernt, und darauf kommt es für uns im Moment an“, sagte Hamiltons künftiger Teamkollege Nico Rosberg. Damit die Zeiten wieder erfolgreicher werden, soll mehr Geld in das Team investiert werden, die Rede ist von rund vierzig Millionen Euro. Dies allerdings dementierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in Austin gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

So oder so - die neue Saison wird zu einer Belastungsprobe der besonderen Art: für Mercedes, für Rosberg und für Hamilton. In den Vereinigten Staaten tauchte erstmals seit vielen Monaten wieder Vater Anthony an seiner Seite auf: Er hielt den Siegerpokal in den Händen und gab Interviews für das britische Fernsehen. Seit er sich als Manager seines Sohnes zurückgezogen hat, wird der von Simon Fuller betreut, der schon David Beckham und die Spice Girls zu einer Marke gemacht hat. Das Auto mit dem Stern soll Hamilton dabei helfen, auf diesem Feld mitzuhalten, aber was nützt dem Star der schönste Rennwagen, wenn einem die anderen doch nur wieder vor der Nase herumfahren? Brawn hofft auf das Gegenteil: „Mit Lewis als frischer Zutat eröffnen sich völlig neue Perspektiven.“

Quelle: F.A.Z.

 
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