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Formel 1 in Austin : Hamilton kommt dem WM-Titel ganz nah

Viel fehlt nicht mehr: Lewis Hamilton steht kurz vor dem WM-Titel. Bild: AFP

Vettel kann trotz Führung den Mercedes-Piloten nicht an dessen 62. Sieg hindern. Der Brite steht kurz vor dem Gewinn des WM-Kampfes in der Formel 1. Mercedes ist schon Weltmeister.

          Lewis Hamilton ist auf dem Weg zu seinem vierten Titel in der Formel-1-Weltmeisterschaft nicht zu bremsen. Der Engländer gewann im Mercedes in Austin zum fünften Mal in seiner Karriere den Großen Preis der Vereinigten Staaten. Zweiter wurde Rivale Sebastian Vettel, der nun 66 Punkte hinter Hamilton zurückliegt. Bei drei noch ausstehenden Rennen, in denen es für den Sieger jeweils 25 Punkte zu gewinnen gibt, ist Vettels WM-Chance in Texas auf ein Minimalmaß geschrumpft. Dritter wurde Vettels Teamkollege Räikkönen, der von einer Bestrafung Verstappens profitierte. Beim nächsten Rennen, am kommenden Sonntag in Mexiko-Stadt (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker der Formel 1, bei RTL und Sky) genügt Hamilton ein fünfter Platz, um Champion zu werden. In Austin konnte er schon einmal eine Feier zum Warmwerden erleben, Mercedes sicherte sich mit seinem Sieg und dem fünften Platz von Valtteri Bottas die Konstrukteurs-WM.

          Vor dem Rennen durften Vettel und Hamilton sich noch einmal ganz nah sein, als der Ansager Michael Buffer („Let’s get ready to rumble“) die Fahrer erstmals wie beim Boxen ins Rampenlicht bat. Und so standen Vettel und Hamilton Auge in Auge, die WM-Trophäe zwischen sich, die anderen 18 Fahrer im Halbkreis mit Respektsabstand um die Führenden in der WM-Wertung. Anschließend nahmen die Fahrer Aufstellung zur Nationalhymne, Vettel war pünktlich (anders als zwei Wochen zuvor in Suzuka), Hamilton verhielt sich wie alle anderen neunzehn – kein Protest im Geiste der „Taking-a-knee“-Proteste amerikanischer Profisportler, für die der Mercedes-Fahrer vor dem Grand-Prix-Wochenende seine Sympathie („großartig“) bekundet hatte. Teil zwei des Show-Testballons der amerikanischen Formel-1-Besitzer von Liberty Media war schließlich der Auftritt des Mannes, der die Piloten auf die Einführungsrunde schickte: Usain Bolt schwenkte die grünes Flagge.

          Der Magen des Jamaikaners hatte sich beruhigt, nachdem er am späten Vormittag von Hamilton in einem Sportwagen über den Circuit of the Americas chauffiert worden war und Todesangst verspürt haben wollte. Dann aber war wieder Formel-1-Alltag. Als die Lichter der Startampel erloschen, beschleunigte Vettel am schnellsten. Der von der Pole-Position gestartete Hamilton versuchte zu blocken, doch der Deutsche zog auf der Bergauf-Passage Richtung erster Kurve vorbei. Aber Hamilton ließ sich nicht abschütteln, blieb in Vettels Windschatten. Als die beiden das fünfte Mal den Zielstrich überquert hatten, setzte Hamilton den Gegenangriff. Vettel hatte keine Chance, der Brite zog innen vorbei und alsbald davon. Schnell wuchs sein Vorsprung auf 3,1 Sekunden an. Die beiden anderen Deutschen, Pascal Wehrlein (Sauber) und Nico Hülkenberg (Renault) kamen nicht über die ersten Meter hinaus. Wehrlein musste nach einer Kollision mit dem Dänen Kevin Magnussen alsbald die Box ansteuern, für Hülkenberg war noch früher Schluss – kein Öldruck im französischen Dienstwagen.

          Zwei, die ziemlich schnell unterwegs sind: Usain Bolt (links) und Lewis Hamilton. Bilderstrecke
          Zwei, die ziemlich schnell unterwegs sind: Usain Bolt (links) und Lewis Hamilton. :

          Immerhin, Vettel blieb im Rennen. Der Mann, den Buffer vor dem Start als „Ricky the Rocket“ angekündigt hatte, der Australier Daniel Ricciardo hatte sich zunächst ein erfrischend hemmungsloses Duell mit Bottas um Platz drei geliefert, dann frische Reifen aufgezogen und fuhr prompt die bis dahin schnellste Rennrunde. Dann war Schluss mit Rakete – kein Vortrieb mehr, Ausfall. Vettel ließ nach 16 Runden neue Pneus der Gummimischung soft montieren. Prompt nahm er Hamilton im Fernduell über eine Sekunde pro Runde ab. Hamilton reagierte in Runde 19, wurde an der Box in 2,2 Sekunden abgefertigt. Der schnelle Service war vonnöten, flog Vettel doch heran, aber Hamilton blieb cool. Vettel übersteuerte bei der Verfolgung und durfte sich nun vorkommen wie in einem oktanlastigen Remake von „Täglich grüßt das Murmeltier“. Hamilton zog wieder davon. „Sie waren schneller“, sagte Vettel: „Gratulation.“

          Es folgte, was Hamilton schon am Samstag prognostiziert hatte, nachdem er auf die Pole-Position gefahren war: Ein Schachspiel. Würde Vettel versuchen, mit einem Wechsel über die Runden zu kommen? Die Spekulation hielt sich bis zur 39. von 56 Umläufen. Vettel ließ wieder wechseln, damit fiel er hinter Teamkollege Räikkönen und Bottas zurück. Im Finnendoppel hatte sich Räikkönen, der Mann, der bis heute der jüngste Ferrari-Weltmeister ist, an die Spitze gesetzt. Vettel jagte den Finnen hinterher, fuhr zehn Runden vor Rennende die schnellste Rennrunde, tauchte in Bottas´ Rückspiegel auf. In Runde 51 drückte Vettel sich vorbei, außen vor der ersten Kurve, mittendurch zwischen Bottas und dem überrundeten Stoffel Vandoorne. Prompt bekam Räikkönen zu hören, was der Taschenrechner diktierte: „Seb ist hinter Dir!“ Räikkönen überließ Vettel Platz zwei und wurde in der letzten Runde noch von Verstappen überholt, der dabei einen Regelverstoß beging. Aber auch Mercedes hatte eine Figur geopfert: Bottas musste die Box ansteuern, war viel zu lange auf dem verbrauchten Reifensatz unterwegs gewesen. „Hat das Spaß gemacht heute“, funkte Hamilton. Er weiß: das Schachspiel scheint entschieden. Vettel hat das Matt vor Augen.

          Grand Prix der Vereinigten Staaten (56 Runden à 5,516 km/308,405 km)

          1. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 1:33:50,991 Std.;
          2. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari +10,143 Sek.;
          3. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari +15,779;
          4. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +16,768;
          5. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes +34,967;
          6. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India +1:30,980 Min.;
          7. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Renault +1:32,944;
          8. Sergio Perez (Mexiko) - Force India + 1 Rd.;
          9. Felipe Massa (Brasilien) - Williams + 1 Rd.;
          10. Daniil Kwjat (Russland) - Toro Rosso + 1 Rd.;
          11. Lance Stroll (Kanada) - Williams + 1 Rd.;
          12. Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren + 1 Rd.;
          13. Brendon Hartley (Neuseeland) - Toro Rosso + 1 Rd.;
          14. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas + 1 Rd.;
          15. Marcus Ericsson (Schweden) - Sauber + 1 Rd.;
          16. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas + 1 Rd.

          Ausfälle: Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault (4. Rd.); Pascal Wehrlein (Worndorf) - Sauber (6. Rd.); Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull (15. Rd.); Fernando Alonso (Spanien) - McLaren (25. Rd.)

          Pole Position: Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 1:33,108 Min.

          Fahrer-Wertung, Stand nach 17 von 20 Wettbewerben:

          1. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 331 Punkte;
          2. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari 265;
          3. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes 244;
          4. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull 192;
          5. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari 163;
          6. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull 123;
          7. Sergio Perez (Mexiko) - Force India 86;
          8. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India 73;
          9. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Toro Rosso 54;
          10. Felipe Massa (Brasilien) - Williams 36;
          11. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault 34;
          12. Lance Stroll (Kanada) - Williams 32;
          13. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas 28;
          14. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 15;
          15. Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren 13;
          16. Fernando Alonso (Spanien) - McLaren 10;
          17. Jolyon Palmer (Großbritannien) - Renault 8;
          18. Pascal Wehrlein (Worndorf) - Sauber 5;
          19. Daniil Kwjat (Russland) - Toro Rosso 5

          Konstrukteurs-Wertung, Stand nach 17 von 20 Wettbewerben:

          1. Mercedes 575 Punkte;
          2. Ferrari 428;
          3. Red Bull 315;
          4. Force India 159;
          5. Williams 68;
          6. Toro Rosso 53;
          7. Renault 48;
          8. Haas 43;
          9. McLaren 23;
          10. Sauber 5

          Quelle: F.A.Z.

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