Es geht ja nicht nur ständig rund in der Formel 1, sondern auch in rasendem Tempo weiter. Kaum ist der Große Preis von Großbritannien in Silverstone abgewunken, trifft sich die Gasfußgesellschaft in zehn Tagen im Badischen wieder, zum deutschen Grand Prix am Hockenheimring.
Für Pausen ist also keine Zeit, erst recht nicht für Lewis Carl Hamilton. Für den 27 Jahre alten Engländer, von seinem Vater nach dem amerikanischen Leichtathletik-Idol der achtziger Jahre benannt, stand schon am frühen Montagmorgen der nächste Lauf auf dem Programm. Hamilton trug die olympische Fackel durch Luton in der Grafschaft Bedfordshire, nahe seinem Geburtsort Stevenage nördlich von London.
Und natürlich war es nicht der Drang, einmal an einem Rennen teilzunehmen, bei dem er nicht verlieren kann, der ihn zum Fackelträger machte, wie spöttische Zungen in seiner Heimat behauptet hatten. Vielmehr hatten ihn die Veranstalter gefragt, ob er darauf Lust habe - und Hamilton war sich der Ehre bewusst. Stolz sei er, einen „ganz kleinen Teil zum Gelingen dieser großartigen Zeit für den britischen Sport“ beizutragen.
„Um diese Zeit bin ich sonst nicht mal auf“
Warum er allerdings am frühen Morgen, um vier Minuten nach halb sieben, als Erster von 133 Startern in leichten Trab verfallen sollte, konnte er den Reportern der BBC selbst nicht so recht erklären. „Unglaublich, so viele Leute - ich bin zu dieser Zeit normalerweise noch nicht mal auf.“
Immerhin hatte der frühe Fitnesstermin für Hamilton auch einen Vorteil: Als Startläufer trug er die Nummer 001. In der Formel 1 hatte der Weltmeister von 2008 dieses Vergnügen zuletzt vor drei Jahren gehabt - und nach einer Wiederholung im kommenden Frühjahr sieht es derzeit nicht aus, schon gar nicht nach diesem Rennen in Silverstone.
Zwar gewann in Sebastian Vettels Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber der Lokalmatador - der Australier wohnt nur wenige Kilometer von der Rennstrecke entfernt - doch die Hoffnungen der britischen Fans auf einen Sieg Hamiltons oder seines Landsmanns und Teamkollegen Jenson Button fielen in das gleiche Wasserloch, in das sich der englische Sommer zurückgezogen hat. Dabei hatten die McLaren-Piloten auf den vorhergesagten Regen gesetzt, um die Fahrkünste auf nassem Asphalt zu demonstrieren, die sich Button wie Hamilton gerne selbst attestieren.
„Ich werde langsam alt“
Doch in einem Akt „grausamer Widerborstigkeit“, wie es der „Guardian“ nannte, machte der Dauerregen in den 85 Rennminuten einen Bogen um Silverstone. Platz acht für Hamilton und Platz zehn für Button verhagelten die Laune bei McLaren nachhaltig. „Jenson und ich arbeiten uns hier den Allerwertesten ab“, sagte Hamilton. „Ich werde langsam alt. Ich hoffe, demnächst kriegen wir mal ein paar Entwicklungspakete für unser Auto, denn so kann es nicht weitergehen.“
Noch ist Hamilton zwar Vierter der Fahrer-WM, doch auch er erkennt, was Teamkollege Button aussprach: „In Valencia vor zwei Wochen waren Red Bull, Ferrari und Lotus schneller als wir. Hier in Silverstone kamen Williams und Sauber auch noch dazu.“ Macht in der Addition Platz sechs in der nach unten offenen Skala der Teams, die um Punkte kämpfen. Mercedes, Force India und Toro Rosso waren zwar noch langsamer, aber McLaren hatte die Saison im März in Melbourne mit dem schnellsten Auto aller Teams begonnen. Das Team kommt schnell voran, allerdings in die völlig falsche Richtung.
Seit 2009 ist Teamchef Martin Whitmarsh in der Verantwortung. Bislang hatte es unter seiner Regie zum Saisonstart meist Boliden gegeben, die entwicklungsbedürftig waren, aber im Saisonverlauf immer schneller wurden. Dieses Jahr ist der Trend gegenläufig – entsprechend stark steht Whitmarsh in der Kritik.
Die zahlreichen missratenen Boxenstopps in den Rennen vor Silverstone muss er erklären, und nun, da McLaren die besten, weil schnellsten Reifenwechsel aller Teams lieferte, war das Auto schlicht zu langsam. Auch die sich weiter hinauszögernden Vertragsverhandlungen mit der Spitzenkraft Hamilton bringen Whitmarsh in argumentative Nöte. Und dabei hört ihm nicht nur die britische Presse genau zu, sondern auch die graue Eminenz im Hintergrund.
„Ron ist der geborene Teamchef“
Ron Dennis, Whitmarshs Vorgänger und weiterhin Teambesitzer, hat mit McLaren in seiner Zeit als Teamchef zwischen 1981 und 2009 zehn Fahrertitel und sieben der ihm noch deutlich wichtigeren Konstrukteurstitel gewonnen. Whitmarshs WM-Bilanz wirkt dagegen besonders mager: Doppelnull. „Ron und ich haben eine interessante, nicht immer positive Beziehung. Wenn es einen geborenen Teamchef gibt, dann ihn“, sagte Whitmarsh kürzlich dem „Daily Telegraph“. Dennis drängt es noch immer Richtung Kommandostand.
Leitet Whitmarsh nicht bald, am besten schon in Hockenheim, eine Trendwende ein, könnte er dort zumindest Platz schaffen. Vor einem Jahr, als Whitmarsh bereits einmal angezählt war, holte ihn Hamilton mit seinem Sieg beim deutschen Grand Prix aus der Schusslinie. Auch da gilt: Wiederholung unwahrscheinlich.